Medjugorje: Erklärung des Ortsbischofs Ratko Perić (3 von 7)

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Tja, keiner der Medjugorje-Seher wurde Priester oder ging ins Kloster. Dafür haben Sie gut gehende Geschäfte und Anteile am Devotionalienhandel in Medjugorje, wie man so hört. Heilig ist etwas anderes, doch ihr Lebenswandel entspricht völlig der „nachkonziliaren Aufwertung des Laienstandes“ sowie „der Aufwertung der Ehe“ gegenüber der Ehelosigkeit. Keine Heiligkeit produziert nun mal keine Heiligkeit, anders als bei Bernadette Soubirous, Katharina Labouré, Melania von La Salette und den Kindern von Fatima.

IV. WIE VIELE BERUFUNGEN SIND AUF DIE „ERSCHEINUNGEN‟ ZURÜCKZUFÜHREN?

    Von den sechs „Sehern‟ von Medjugorje, hat niemand eine Berufung zum Ordensleben erhalten. Drei von ihnen erwähnten, sie würden in ein Kloster eintreten, und zwei von ihnen gingen sogar, dieser unerklärlichen Stimme zu folgen, jedoch verging alles mit der Zeit.

            Ivan Dragičević wurde Kandidat für die Provinz der Franziskaner von Herzegovina. 1981 ging er zu dem Minoriten-Seminar in Visoko, wo er mit den „Erscheinungen‟ fortfuhr. Aufgrund der Tatsache, dass er die Wiederholungsprüfung nicht bestand wurde entschieden, dass er es möglicherweise besser machen könnte, wenn er in das Minoritenseminar von Dubrovnik ginge. Als er in Dubrovnik war schaffte er es, die Wiederholungsprüfung zu bestehen und in das zweite Jahr aufgenommen zu werden, aber er zeigte nicht die selbe Eignung für die Schule wie für die „Erscheinungen‟, und daher kehrte er im Januar 1983 nach Hause zurück.

            Nachdem er dem Seminar Lebewohl gesagt hatte, fuhr Ivan nicht nur mit den täglichen „Erscheinungen‟ bis heute fort, sondern ab einem bestimmten Punkt begann er, die harten Anforderungen dieses Phänomens dem Ortsbischof Pavao Žanić aufzuzwingen, er solle die „Botschaften‟ von Medjugorje anerkennen. 1994 heiratate er eine Amerikanerin in Boston und verwandelte hierdurch seine Ordensberufung unwiderruflich in eine Ehe.[4]

            Zu Beginn demonstrierte Vicka Ivanković Enthusiasmus für das Ordensleben. Im September 1981 vertraute sie ihre Gefühle einer Italienischen Wochenzeitung an: Ich möchte gerne in ein Kloster eintreten und Nonne werden.

            Obwohl sie eine „eingeschriebene‟ Nonne war, trat Vicka nie in ein Kloster ein. Zwanzig Jahre später fand sie einen jungen Mann aus der Nachbarpfarrei Krehin Gradac und die beiden heirateten in Medjugorje. Mehr als zweitausend geladene und neugierige Gäste besuchten ihre Hochzeitsparty. Während der Hochzeitsfeierlichkeiten ging die „Seherin‟ an der Seite ihres Mannes weg von dem Lärm der Hochzeitsparty und hatte eine „Vision‟ nach der üblichen Routine und dem regulären Programm. Danach kehrten sie zur Hochzeitsparty zurück.

            Zu Beginn gab die „Visionärin‟ Urbi et Orbi – „Rom und der Welt‟ bekannt, dass sie eine „eingeschriebene Nonne‟ sei, jedoch zwanzig Jahre später reiste sie nach Rom, um ihr Hochzeitskleid zu kaufen. Die „Visionärin‟ erklärte dies einem Journalisten‟:

die Madonna gab jedem von uns die Freiheit zu wählen. Jeder kann auf die Berufung antworten, die er möchte. Ohne Rücksicht auf die Tatsache, dass ich nun verheiratet bin, werde ich die Botschaften der Madonna verbreiten, denn der christliche Glaube kann ebenso gut in der Ehe bezeugt werden.[5]

            Bezüglich ihrer Ordensberufung – fühlt sie sich frei; jedoch bezüglich der „Verbreitung der Botschaften der Madonna‟ – fühlt sie sich verpflichtet!

            Marija Pavlović. Als Antwort auf die Frage eines italienischen Journalisten: Warum hat sich keiner von Ihnen entschieden, Priester oder Nonne zu werden? gab Marija 2001 die folgende Erklärung:

Viele Jahre lang dachte  ich, dass ich Nonne werden würde. Ich begann, einen Konvent zu besuchen und mein Wunsch, dort einzutreten, war sehr stark. Aber die Schwester Oberin sagte mir einmal: „Marija, wenn Sie eintreten möchten, sind Sie sehr willkommen; aber wenn der Bischof entscheidet, dass Sie nicht über Medjugorje sprechen dürfen, werden Sie gehorchen müssen.‟ In diesem Moment begann ich zu denken, dass es möglicherweise meine Berufung ist zu bezeugen, was ich gesehen und gehört habe, und dass ich in der Lage sein werde, den Weg zur Heiligkeit außerhalb des Klosters zu finden.[6]

            Marija machte also Schluss mit dem Gedanken an die Anforderungen des Ordenslebens, in dem sie nicht dem Bischof folgen konnte, falls er entschied, dass sie die „Erscheinungen‟ nicht verbreiten sollte, welche die Kirche bis heute nicht für echt erklärt hat. Daher entschied sic sich, den Weg zur Heiligkeit „außerhalb des Klosters‟ zu finden.

            Gottes Wirken. Und doch war es nicht ganz so. Schließlich versuchte Marija, in eine gemischte geistliche Gemeinschaft einztreten, wo sie mehrere Monate lang blieb. Dann verließ sie die Gemeinschaft mit einer schriftlichen Erklärung, die kein geringes öffentliches Erstaunen auslöste. Zuerst stand da, dass die Madonna am 8. März 1987 durch Marija gesagt hatte, dass die Gemeinschaft „Gottes Plan‟, „Gottes Werk‟ sei. Später, als sie die Gemeinschaft mit ihrem Freund Paolo Lunetti verließ, der ihr half die Gemeinschaft zu verlassen und einen Brief zu schreiben, widerrief sie alles in ihrem handschriftlichen Brief vom 11. Juli 1988:  vor Gott, der Madonna und der Kirche Jesu Christi verneinte sie kategorisch, dass es jemals irgendwelche „Botschaften‟ durch sie für diese Gemeinschaft und dieses „Werk Gottes‟ gegeben hatte, in der sie mehrere Monate lang gelebt hatte.[7]

            Zu dieser Zeit – es war 1983 – schrieb der geistliche Leiter der „Seher‟ von Medjugorje, Fr. Tomislav Vlašić OFM, dem schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar: Die Kinder haben sich entschieden in das Ordensleben einzutreten, aber sie warten auf den rechten Augenblick, den nur sie wissen.[8] Heute weiß die ganze Welt, dass dies nur Schwindeleien oder Märchen für Kinder waren. Nich alle „privilegierten‟ Kinder von Medjugorie traten in das Ordensleben ein, während jene, die es versuchten – es schnell verließen. Nur reife Menschen werden nicht zulassen, dass sie von irrationalen „Botschaften‟ und Kindergeschichten in die Irre geleitet werden! Könnte dies eine Art „Zeichen‟ oder „Geheimnis‟ von Medjugorje sein?

             Obgleich ich glaube, dass es unzulässig ist, werde ich dennoch diese „Berufungen‟ mit den beiden bekannten Marienheiligtümern der neueren Zeit vergleichen: Lourdes und Fatima.

In Lourdes sagte die 14jährige Bernardette einmal: Ich soll Nonne werden, aber ich weiß nicht, in welchem Orden. Die Heilige Jungfrau hat mir das gesagt und ich warte. Sie empfing ihr Ordensgewand am 16. April 1866. Obwohl sie krank war, hielt sie durch bis zu ihrem Tod am 16. April 1897. Papst Pius XI. sprach sie am Fest der Unbefleckten Empfängnis 1933 heilig.

            Des Weiteren wurde die Seherin Lucia in Fatima 1921 Nonne und 1948 Unbeschuhte Karmelitin. Sie starb am 13. Februar 2005, während Francisco und Jacinta als Kinder starben und beide im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. in Fatima selig gesprochen wurden.

            In alledem gibt es etwas Befremdliches: die drei „Seher‟, die sich selbst zum Ordensleben „einschreiben‟ wollten, entließen sich später selbst und waren glücklich verheiratet, haben jedoch immer noch regelmäßig tägliche „Erscheinungen‟. Die anderen „Seher‟, die nicht in einen Orden eingetreten sind, erhalten nur eine „Erscheinung‟ im Jahr. Kann man dies als Belohnung für jene betrachten, die nicht in einen Orden eingetreten sind?

            Gottes Gnade. Wenn man die Tatsache beachtet, dass viele junge Männer von Herzegovina, die ins Seminar eingetreten und später Priester geworden sind und die zahlreichen jungen Frauen, die Nonnen wurden (aus der Pfarrei Medjugorje allein gibt es über 30 lebende Priester und Schwestern), die soweit ich weiß, niemals eine Erscheinung, Botschaft oder Begegnung mit irgendeinem übernatürlichen Phänomen hatten, so ist es in der Tat eigenartig, dass nicht einer der „Seher‟ in diesen 27 Jahren, die zwischen 810 un 9.560 „Erscheinungen‟ hatten, eine Berufung zum Ordensleben erhalten hat. Und das selbe Phänomen verlangt auf eine bedrohende Art und Weise, dass Bischof Žanić die „Botschaften‟ von Medjugorie als echt anerkennt, ohne sie zu hinterfragen. Jede echte Ordensberufung ist ein Gnade Gottes und eine ernste Angelegenheit. Die Art und Weise, in der Ordensberufungen von den „Visionären‟ behandelt wurden, hat sich als unverantwortlich herausgestellt. Könnte dies möglicherweise eine Frage von Spielen ohne Grenzen sein, wenn man die Zahlen, „Visionen‟, „Botschaften‟, Geheimnisse‟ und „Zeichen‟ betrachtet?

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[4] O. P., p. 34.

[5] Arena, 31. 1. 2002, p. 20; Crkva na kamenu, 12/2002, p. 12.

[6] O. P., p. 28.

[7] O. P., pp. 30-31.

[8] O. P., p. 55.

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