Medjugorje: Erklärung des Ortsbischofs Ratko Perić (7 von 7)

Der Heilige Stuhl hat zwar interveniert, aber too little and too late, wie die Engländer sagen. Zu spät und nicht ausreichend, wobei viele nicht wissen, dass die Beurteilung von Erscheinungen in den Zuständigkeitsbereich des Ortsbischofs und nicht der Universalkirche fällt. Man kann wirklich nicht sagen, dass sich Johannes Paul II. und Benedikt XVI. wegen Medjugorje ein Bein ausgerissen haben. Wenn jetzt aber offenbar wird, welche Dinge, siehe McCarrick, wie lange und wie bewusst zugedeckt wurden, dann scheint eine Marienerscheinung mehr oder weniger in den vatikanischen Berechnungen keine Rolle gespielt zu haben. Jetzt kommt Bergoglio und macht es offiziell, sodass auf den nächsten katholischen Papst noch viel mehr Arbeit wartet.

C – Die Interventionen des Heiligen Stuhls

            Die Glaubenskongregation intervenierte viermal durch zwei ihrer Sekretäre, während Kardinal Ratzinger auch eine wichtige Aussage machte.

            1985 verständigte Msgr. Bovone das Sekretariat der Bischofskonferenz von Italien, sie sollten keine offiziellen Pilgerfahrten nach Medjugorje organisieren.

            1995 schrieb Msgr. Bertone dem Bischof von Langres, Msgr. Taverdet, und wiederholte das selbe an Msgr. Daloz von Besançon, die [beide] daran interessiert waren, die Position des Heiligen Stuhls bezüglich Medjugorje zu erfahren.

            Schließlich schrieb 1998 der selbe Sekretär an Msgr. Gilbert Aubry, Bischof von Reunion. All diese Briefe betonten, dass Pilgerfahrten, ob privat oder öffentlich, nicht erlaubt sind, wenn sie von der Authenzität der Erscheinungen ausgehen, da dies im Widerspruch zur Bischofskonferenz von Jugoslawien wäre. Nichtsdestotrotz halten die Unterstützer der Begebenheiten von Medjugorje am Wort „Pilgerfahrt‟ fest und vernachlässigen die conditio sine qua non: dass sie die Authenzität der Erscheinungen nicht voraussetzen.

            Ratzingers “frei erfunden”. Als ein gewisser Deutscher 1998 verschiedene Stellungnahmen sammelte, die vermeintlich vom Papst und dem Kardinalpräfekten abgegeben worden waren, und diese in Form eines Memorandums an den Vatikan weiterleitete, antwortete der Kardinal in einem Schreiben vom 22. Juli 1998: „Das Einzige, was ich bezüglich der Stellungnahmen bezüglich Medjugorje sagen kann, die dem Heiligen Vater und mir zugeschrieben werden ist, dass sie eine komplette Erfindung sind‟ – frei erfunden.[27]

            Ad limina Besuch 2006. Während meines offiziellen Besuchs beim Heiligen Vater Benedikt XVI, drückte ich nicht nur meine Zweifel aus, sondern auch meinen Unglauben an die „Erscheinungen‟ von Medjugorje. Der Heilige Vater, der vor seiner Erwählung [zum Papst] Präfekt der Glaubenskongregation gewesen war, antwortete mit diesem Gedanken: „Wir in der Glaubenskongregation haben uns immer gefragt, wie ein Gläubiger Erscheinungen als authentisch akzeptieren kann, die so viele Jahre lang täglich geschehen.‟[28]

            Zusammenfassung. Nicht nur sind diese Stellungnahmen, die man dem Heiligen Vater und Kardinal Ratzinger zuschrieb, „komplette Erfindung‟, sondern auch die zahlreichen Botschaften von Medjugorje, die man der Madonna zuschreibt, sind komplette Erfindungen. Wenn man unseren Glauben als obsequium rationabile betrachtet – vernunftgesteuerten Dienst Gottes, wahre und gesunde geistliche Verehrung, wie es gerechterweise ist (Röm 12:1), kann er nicht die private Fantasie oder Illusion irgendeiner Person sein.[29] Die Kirche ist befähigt, dies zu sagen. In ihrem Namen haben 30 ausgewählte Priester und Ärzte, die zehn Jahre lang in drei Kommissionen gearbeitet haben, in über 30 Treffen, pflichtbewusst und fachmännisch die Ereignisse von Medjugorje untersucht und ihr Urteil verkündet. Und nicht einer, sondern zwanzig Bischöfe haben verantwortungsvoll erklärt, dass es keinen Beweis gibt, dass es sich bei den Geschehnissen in Medjugorje um übernatürliche Erscheinungen handelt. Der Gläubige, der beide Prinzipien anerkennt: ratio et fides, hält daher an diesem Prüfstein fest, überzeugt, dass die Kirche nicht betrügt.

            Bezüglich Medjugorje besteht eine reelle Gefahr, dass die Madonna und die Kirche privatisiert werden könnten. Die Leute könnten beginnen, eine Madonna und eine Kirche nach eigenem Geschmack, eigener Wahrnehmng und eigenem Trugschluss zu erfinden, indem sie ihren Verstand als Gläubige nicht dem offiziellen Lehramt der Kirche unterwerfen, sondern vielmehr die Kirche zwingen, ihrer Fantasie zu folgen und sie anzuerkennen.

            Naïve Gläubige könnten dann leicht die lebendigen Quellen der Gnade in ihren eigenen Pfarrgemeinden verlassen und hinunter nach Medjugorje reisen, oder den „Sehern‟ um die Welt folgen, die übrigens Dank der „Erscheinungen‟ gute Eigenheime und eine komfortable Existenz haben – zumindest sagen dies die Medien.

            Es gibt mindestens sechs oder sieben Ordensgemeinschaften oder quasi-Ordensgemeinschaften im Entstehen oder schon gegründet, von diözesanem oder keinem Recht, die sich selbst in Medjugorje durch ihren eigenen Willen gegründet haben, ohne sich unter das Diözesanbüro unterzuordnen. Diese Gemeinschaften sind mehr ein Symbol des Ungehorsams als ein charismatisches Zeichen des Gehorsams in dieser Kirche!

            In der Diözese Mostar-Duvno gibt es ein Problem, das in den letzten Jahren praktisch zum Schisma geworden ist. Mindestens neun Franziskanerpatres, die aus dem Franziskanerorden (OFM) ausgeschlossen und a divinis suspendiert worden waren, haben gegen die Entscheidung des Heiligen Stuhls rebelliert und nicht zugelassen, dass einige der Pfarreien von den Franziskanern in die diözesane Verwaltung überführt werden. Sie halten mindestens fünf Pfarreien gewaltsam besetzt, während sie in allen alle priesterlichen Funktionen weiterführen. Sie führen ungültig Hochzeiten durch, hören Beichte ohne kanonische Fakultäten [kirchenrechtliche Vollmachten], manche firmen ungültig Jugendliche, und 2001 luden sie einen altkatholischen Diakon ein, der sich ihnen fälschlicherweise als Bischof vorstellte, um ungefähr achthundert junge Leute in drei Pfarreien zu „firmen‟. Zwei dieser ausgeschlossenen Franziskaner gingen sogar so weit, den Schweizer altkatholischen Bischof, Hans Gerny, zu bitten, sie zu Bischöfen zu weihen, jedoch hatten sie keinen Erfolg. So viele ungültige Sakramente, so viel Ungehorsam, Gewalt, Sakrileg, Unordnung und Regelwidrigkeiten und nicht eine einzige „Botschaft‟ unter den zehntausenden von „Erscheinungen‟ wurde gesandt, um diese Skandale zu entschärfen. In der Tat eine sehr befremdliche Angelegenheit!

            Die Kirche hat von der örtlichen bis zur obersten Ebene, von Anfang an bis heute, klar und andauernd wiederholt: Non constat de supernaturalitate! Dies bedeutet praktisch, dass keine Pilgerfahrten erlaubt sind, die den Erscheinungen irgendeinen übernatürlichen Charakter zuschreiben, es gibt dort kein Heiligtum der Madonna und es gibt keine echten Botschaften, Offenbarungen oder echte Visionen!

            Dies ist heute der Stand der Dinge. Wie werden die Dinge morgen stehen? Wir legen sie in Gottes Hände und unter den Schutz Unserer Lieben Frau!

            Mostar, 1 September 2007

+ Ratko Perić

Bischof von Mostar-Duvno

[27] O. P., p. 283.

[28] Crkva na kamenu, 4/2007, p. 24.

[29] O. P., p. 84.

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