Missbrauchsstudie der DBK oder außer Spesen nichts gewesen! (3 von 5)

42fea82f7b97e3bf4f6cec73bad5f13f--medieval-times-medieval-art

Wer wurde untersucht?

Die MHG-Studie gibt an:

Es handelte sich um alle im Untersuchungszeitraum (s.u.) aktiven oder im Ruhestand befindlichen

  • katholischen Priester („Diözesanpriester“),

  • hauptamtlichen Diakone,

  • Ordenspriester im Gestellungsauftrag, d.h. Priester katholischer Orden, die vorübergehend oder dauerhaft Priesterfunktionen im Verantwortungsbereich einer Diözese ausüben. (MHG-Studie, S. 33)

Dies bedeutet ausschließlich Diözesanpriester und Diakone, sowie diejenigen Ordenspriester, die im sog. „Gestellungsauftrag“ einer Diözese übergeben wurden.

Wer wurde nicht untersucht?

Laien, Frauen oder weibliche Angehörige katholischer Orden (MHG-Studie, S. 33-34), aber auch nicht

  • alle männlichen Ordensangehörigen, die nicht per Gestellungsauftrag Priesterfunktionen im Bereich einer Diözese ausübten, (MHG-Studie, S. 33-34)
  • Fälle, die bereits nach Rom zur Glaubenskongregation übermittelt worden sind.

Was bedeutet das? Dass mindestens 50% der möglichen Täter, die in Orden ihr Unwesen trieben, vorsätzlich außer Acht gelassen worden sind. Wenn wir annehmen, dass die Anzahl der Ordenspriester und Ordensbrüder in den Jahren 1946 – 2014 zumindest 50% aller Priester ausmachten, dann ist das wirklich eine ganze Menge. Wenn man dabei noch berücksichtigt, dass es Männerorden waren, wie die lieben Jesuiten oder Benediktiner, die Internate führten und die männlichen Jugendlichen erzogen, so können wir annehmen, dass sicherlich über 50% aller Missbrauchsfälle sich in den Orden abspielte. Wenn dieses Beuteschema in allen Ländern vorkam, hier ein sehr verstörender Film aus Italien und ein noch schlimmeres Zeugnis aus den USA, warum denn nicht in Deutschland? Natürlich in Deutschland auch, die DBK wusste es und deswegen nahm sie die Männerorden aus der Untersuchung raus. Die Frauenorden sollten natürlich diesbezüglich, im Sinne der Gerechtigkeit und der Gleichberechtigung ebenfalls untersucht werden. Aber auch die schweren Fälle, die tatsächlich nach Rom gemeldet wurden, wurden in der Studie nicht berücksichtigt, was nur in 14% der Fälle stattfand (MHG-Studie, S. 9), obgleich diese Meldung obligatorisch war. Dazu lesen wir in der MHG-Studie, S. 50:

Die Einleitung eines kirchenrechtlichen Verfahrens war in 18 Diözesen (66,7 %) der Regelfall, während dies in acht Diözesen (29,6 %) nicht regelmäßig geschah. Eine Diözese (3,7 %) gab hierzu keine Antwort. Die obligatorische Meldung jedes den Ansprechpersonen bekannt werdenden Missbrauchsfalls an die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom war in 17 Diözesen (63,0 %) gegeben. Neun Diözesen (33,3 %) verneinten die obligatorische Meldung nach Rom. Eine Diözese (3,7 %) machte hierzu ebenfalls keine Angabe (vgl. Tab. 1.11).

Wir müssen diese Zahlen aber immer wieder reduzieren, denn:

  • Aus der unbekannten Anzahl X aller Missbrauchsfälle in den Jahren 1946-2014,
  • Stellte die DBK nur die Zahl Y dem Projekt zur Verfügung,
  • Aus welcher, bestimmte Fallbeispiele Z genauer untersucht wurden.

Wir wissen also nicht:

  • Wie viele Priester, Ordenspriester mit Gestellungsauftrag, Ordenspriester ohne Gestellungsauftrag und Ordensbrüder es in der Zeit 1946-2014 gegeben hat,
  • Wie viele Missbrauchsfälle sich tatsächlich in diesem Zeitraum ereignet haben, weil Akten vernichtet und manipuliert worden sind, wohl nicht alles gleich in die Akten kam, Kardinal Marx erinnert sich selbst daran, dass „früher nicht jeder Vorgang in den Akten gelandet sei“, so die Zeit.
  • Wie viele dieser Fälle tatsächlich rechtlich und kirchenrechtlich verfolgt wurden sowie an die Glaubenskongregation weitergeleitet worden sind.

Die Dunkelquote ist enorm, zumal sehr viele Opfer sich niemandem anvertrauten. Deswegen ist es völlig nachvollziehbar, dass seriöse Wissenschaftler es ablehnten diese Studie durchzuführen, bei der man lediglich von „einer großen Stichprobe“ (MGH-Zusammenfassung, S. 2) sprechen kann. Wo aber und wie gestochen werden konnte, bestimmte die DBK.

 

Unterstützen Sie uns! Falls Sie diesen Beitrag wertvoll fanden und einen Gegenwert Ihrerseits beisteuern möchten, so können Sie uns etwas spenden.

2 Gedanken zu „Missbrauchsstudie der DBK oder außer Spesen nichts gewesen! (3 von 5)

Kommentar verfassen