Missbrauchsstudie der DBK oder außer Spesen nichts gewesen! (4 von 5)

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Welche Zahlen erhalten wir?

Die Stichprobe bestand also aus 38.156 Personal- und Handakten der 27 Diözesen aus den Jahren 1946 bis 2014, in welcher bei 1.670 Klerikern sich Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger einfanden (MGH-Zusammenfassung, S. 3). Diese 1.670 Kleriker stellten folgerichtig 4,4 Prozent aller  Kleriker aus den Jahren 1946-2014, deren Akten die DBK zugänglich machte. Was hierbei sehr auffällt, ist die Größenordnung von 4,4%, die an den John Jay Report, die US-amerikanische Untersuchung über den sexuellen Missbrauch entnommen zu sein scheint. John Jay kam auf 4,0% (MGH-Zusammenfassung, S. 9), die DBK auf 4,4%. Interessant.  Der John Jay Report, der hier heruntergeladen werden kann, untersuchte aber die Daten aus allen 202 Diözesen und 221 Orden aus den Jahren 1950-2002,[1] welche diese dem Forscher zur Verfügung stellten. Obwohl also wahrscheinlich auch eine Vorauswahl stattfand, vielleicht mehr, vielleicht weniger als in Deutschland, so wurde eine weitaus größere Population untersucht, da auch die Ordensmänner. Stellen wir doch die beiden Befunde nebeneinander:

USA

Deutschland

Zeitraum

1950-2002 1946-2014

Anzahl der Diözesen

202 27

Anzahl aller Orden

221 ?

Anzahl aller Priester im o.a. Zeitraum

109.694 ?

Anzahl aller Priester in der Studie  

109.694 38.156

Anzahl der Täter

10.667 1.670

Prozentanteil der Täter

4% 4,4%

Was fällt uns auf? Dass anscheinend, jemand, vielleicht Kardinal Marx mit seinem Jesuiten (reine Spekulation natürlich) sich den John Jay Report angeschaut hat und sagte, dass mehr als 5% bei uns nicht rauskommen darf. Verstanden? Denn wie plausibel ist es, dass der Prozentanteil von klerikalen Missbrauchstätern, auch Perverslinge genannt, so nahe beieinander in zwei Ländern liegt, welche, kirchengeschichtlich gesehen, dermaßen wenig miteinander zu tun haben. USA ist beinahe ein Kontinent, der Katholizismus begann sich dort erst am Ende des 19 Jhdt. zu entwickeln, er ist ethnisch ganz anders zusammengesetzt als der in Deutschland und war lange die Religion der unterprivilegierten irischen, italienischen oder polnischen Einwanderer. Die amerikanische Elite war protestantisch, siehe WASP. In Deutschland war Katholizismus bis 1962 in allen Schichten verwurzelt und bis heute mehr beim Adel als in den bürgerlichen und unteren Schichten. Denn aus den Schichten, in denen es Katholiken gibt, rekrutieren sich meistens auch die Priester. Daher kann man annehmen, dass ein typisch amerikanischer Priester anders als ein typisch deutscher Priester ist. Wenn die beiden Vergleichsgruppen dermaßen heterogen sind, wie kann es sein, dass die Missbrauchszahlen so nahe beieinander liegen. Sollten die Angaben über klerikalen Kindesmissbrauch aus Australien (Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse, 2017) stimmen, welche die Täterzahl mit 7% angeben (MHG-Studie, S. 21), dann spielt doch die Spezifik eines Landes oder eines Kontinents eine Rolle. Deutschland und USA liegen aber Kopf an Kopf. Sehr auffällig.

[1] Jay, John, The Nature and Scope of Sexual abuse of Minors by Catholic Priests and Deacons in the United States 1950-2002, Methodology, S. 13

 

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