Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (16 von 21)

6_Bartolomeo_Guidobono_-_Madonna_col_Bambino,_san_Nicola_da_Tolentino_e_le_anime_del_Purgatorio_20120525122223.

Wie oft hören Sie schon jemanden in diesem Leben sagen:

„Das geschieht mir recht. Ich habe es verdient“.

Da aber „das Auge der Seele“, um es mit Plato zu sagen, von der Eigenliebe verblendet ist, ist man auch nicht in der Lage die objektive Wirklichkeit zu erkennen:

„Das ist der gerade Winkel und die Wand, die ich gebaut habe, ist schief“.

Weil einen die Sünde, ja auch die lässliche Sünde, einen dermaßen nach unten zieht und verblendet, wovon kürzlich die Rede war, deswegen halten so viele Menschen für keine Sünde etwas, was eine Sünde ist. Erst beim Tod, beim persönlichen Gericht erfährt man die ganze objektive Wirklichkeit und weiß, wie man daneben gelegen hat. Weil wir aber verpflichtet sind uns moralisch, geistig und intellektuell zu entwickeln, so werden wir auch danach gerichtet, was wir nicht erkannt haben. Im Augenblick des persönlichen Gerichts sieht man wirklich alles, was alle Nahtoderfahrungen bestätigen, welche die Menschen sehr grundlegend wandeln. Und deswegen ist dieses nachkonziliare Gerede so verhängnisvoll, die uns unsere „armen, guten Priester, die es so schwer haben“ vorsetzen. Es lautet in etwa wie folgt:

„Die haben es besser nicht gewußt. Waren aber gute Menschen. Sie haben den Müll getrennt und ökologisch gefangenen Thunfisch gegessen. Gott wird schon eine fünf gerade sein lassen, weil sie nach ihrem Gewissen gelebt haben. Denn Gott schaut aufs Herz!“

Das ist ein absoluter Unsinn. Gott schaut nicht auf das menschliche Herz, um sich selbst als Gott daran auszurichten, sondern Gott schaut auf sich selbst. Wir müssen uns Gott, natürlich durch seine Gnade angleichen. Das Maß aller Dinge ist Gott, nicht der Mensch. Wir haben eine Bringschuld Gott gegenüber, weil wir sein Geschöpf sind, von ihm ins Leben gerufen und anhängig. Wir können ja weder den Zeitpunkt der eigenen Geburt noch der Todes bestimmen. Weil jede Sünde die unendliche Beleidigung des unendlichen Gottes darstellt, daher ist sie so schlimm. Es zählt nicht nur, was man verbrochen hat, sondern gegenüber wem man es verbrochen hat. Weil wir in diesem Leben nicht sehen, wer und wie Gott tatsächlich ist, daher wissen wir nicht, wie schlimm unsere Sünden sind und wie hart wir für diese, auch für die materiellen Sünden, gerichtet werden.  Die irdische Kirche ist mit einer Kirche als Gebäude vergleichbar. Die Kirchenfenster sind die Geistlichen, welche, in einer Kaskade des Lichts, siehe Pseudo-Dionysius Areopagita, uns die göttliche Lehre der Heiligung, Reinigung und Erleuchtung mitteilen sollten. Dies tun sie mindestens seit 1962 nicht, weil sie dermaßen verdreckt und verrußt sind, dass sie kein Licht durchlassen. Somit sind wir alle in eine staubige Dunkelheit umhüllt, dennoch lässt Gott ab und zu kleine Lichter durchschimmern. Diese geben uns die Orientierung, denn Gott lässt uns, auch beim jetzigen Stand der Geistlichkeit, nicht ohne Gnadenhilfen. Und deswegen werden wir auch für unsere Unterlassungssünden gerichtet werden. Wenn wir es überhaupt ins Fegefeuer schaffen, so werden wir klar in Gott sehen, wie hl. Katharina von Genua schreibt, was wir alles verbrochen und unterlassen haben. Daher ist es sehr hilfreich Gott zu bitten, dass er uns unsere Sünden zeigt, damit wir ihm noch besser dienen können. Meistens ist es etwas anderes als das, was wir glauben oder was man uns sagt. Also bemühen Sie sich, denn noch sind Sie am Leben.

XVI. Kapitel

Ich sehe jene Seelen, die in der schmerzlichen Pein der Läuterung im Fegfeuer sind, mit der Einsicht in zwei innere Vorgänge: Die erste Einsicht ist die, daß sie gerne jene schmerzliche Pein erleiden. Ja, es scheint ihnen sogar, Gott erweise ihnen dadurch ganz große Barmherzigkeit im Vergleich zu dem, was sie verdient hätten, zumal sie nun einsehen, was Gott bedeutet. Denn wenn Gottes Güte nicht seine Gerechtigkeit durch seine Barmherzigkeit gemildert hätte, da seine Barmherzigkeit der Gerechtigkeit Genugtuung leistete mit dem Blute Jesu Christi, so würde eine einzige (Tod-)Sünde tausendfach die ewige Hölle verdienen. Darum sehen sie ein, daß ihnen große Barmherzigkeit erwiesen wurde; sie erleiden deshalb die schmerzliche Pein des Fegfeuers gerne und sie möchten nicht auf ein einziges Quantum davon verzichten, weil es ihnen scheint, daß sie es gerechterweise verdienen, und daß es so gut angeordnet ist; sie können sich darum auch über Gott nicht beklagen und es ist, so weit es auf den Willen ankommt, so, wie wenn sie schon im ewigen Leben wären. Der andere Vorgang ist eine gewisse Zufriedenheit mit der Anordnung Gottes. Sie sehen ja diese Anordnung Gottes von seiner Liebe und Barmherzigkeit gegen die Seelen verfügt.

Diese beiden Einsichten prägt Gott jenen Seelen in einem Augenblick ein; und da sie im Gnadenstand sind, erfassen sie dieselben, wie sie sind, gemäß ihrer Fähigkeit. Darum geben ihnen diese beiden Einsichten eine große Befriedigung, die ihnen niemals fehlt, die in ihnen vielmehr ständig wächst durch die immer größer werdende Annäherung an Gott.

Beide Vorgänge erkennen die Seelen aber nicht in sich und durch sich selbst, sondern in Gott; auf Ihn richten sie ihre Aufmerksamkeit viel mehr als auf die schmerzliche Pein, die sie erleiden, weil sie Ihm die größte Wertschätzung entgegenbringen. Denn jede noch so geringe Erkenntnis, die man von Gott haben kann, übertrifft jede Pein und jede Freude, die den Menschen erfassen können. Obgleich aber die Erkenntnis Gottes Pein und Freude übertrifft, so nimmt sie den Seelen (im Fegfeuer) dennoch keinen Funken, sei es von der Zufriedenheit, sei es von der schmerzlichen Pein.

 

Unterstützen Sie uns! Falls Sie diesen Beitrag wertvoll fanden und einen Gegenwert Ihrerseits beisteuern möchten, so können Sie uns etwas spenden.

Kommentar verfassen