Kardinal Bona und das „Tagebuch der Stoßgebete“. 16. Bei der Rückkehr

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My home is my castle – „mein Heim ist meine Burg“, sagt der Angelsachse. Für einen Mönch aber ist seine Zelle der innerste, geweihte Raum. Geweiht sind das Klostergrundstück, die Klostergebäude, die Kirche, die Klausur, alle Aufenthaltsräume und natürlich die eigene Zelle. Als DSDZ in Fontgombault war, so wurde ihm klar hinter wie vielen Wällen sich die Mönche verschanzen, um ihre Heiligkeit und Gottesfurcht bewahren zu können. Der in der Welt lebende Mensch, insbesondere derjenige im Neuheidentum der Bundesrepublik Deutschland, entbehrt all dieser Schutzwälle, was auch der Grund ist, warum DSDZ ungern seine mittlerweile auch mehrmals geweihten Räume verlässt. DSDZ fand neulich ein sehr interessantes Buch, dass wohl nach 1219 geschrieben wurde und erst 2009 wissenschaftlich auf Lateinisch herausgegeben worden ist. Es heißt Liber revelationum de insidiis et versutiis daemonum adversus homines – „Das Buch der Offenbarungen über die Fallen und Tücken der Dämonen gegen die Menschen“  (Liber revelationum (Schmidt, Paul Gerhardt (Hsg.), in: Monumenta Germaniae Historica. Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters, Bd. 24, Hannover: Hahnsche Buchhandlung 2009). Es wurde von einem Zisterzienserabt, der wohl im Jahre 1219 starb einem Mitbruder diktiert, welcher dieses Buch niederschrieb und herausgab. Wir werden daraus wohl noch reichlich schöpfen, denn Literatur dieser Art – Dämonensichtungen in der first person perspective – ist sehr selten. Richalm war sicherlich nicht psychisch krank, er berichtet sehr kurz, nüchtern und scholastisch gelehrt über seine Erfahrungen. Er hatte in seinem Klosterleben wichtige Ämter erfolgreich bekleidet, war zweimal Prior, bevor er zum Abt gewählt wurde, was wohl ein psychisch kranker Mensch nicht bewältigt hätte. Er befahl dem Mitbruder mit der Veröffentlichung nicht nur seinen, Richalms Tod abzuwarten, sondern auch den Tod des Redakteurs, welcher sich jedoch nicht an dieses Verbot hielt und nach Richalms Tod das Buch dem Lektor des Klosters zur Einsicht vorlegte. Für die psychische Gesundheit Richalms spricht der Umstand, dass er Angst hatte für verrückt erklärt und gar gesteinigt zur werden (Kap. 50).

Aber kommen wir hier auf den Punkt, der mit dem heutigen Beitrag zusammenhängt. Richalm sah, dass die Klostergäste ihre eigenen Dämonen ins Kloster mitbrachten, welche noch zusätzlich den Abt angriffen und für Verwirrung sorgten. Man sollte sich diese Dämonenschwärme wie Bienenschwärme, die Menschen umringen, vorstellen. Zum Glück sehen nur wenige Menschen diese Dinge, aber wir alle spüren ihre Auswirkungen. Es passiert doch, dass wir uns in der Gegenwart einer Person oder an einem Ort sehr schlecht fühlen, ohne es uns erklären zu können. Wenn es Dämonen gibt  – und die gibt es nach der Lehre der Kirche – dann sind sie präsent. Da es heutzutage kaum gesegnete Räume gibt und nach der Lehre der frühen Kirchenväter jeder Heide und Sünder ein Tummelplatz für Dämonen war, die wie Maden im Speck in ihm wohnten, dann leiden wir heutzutage an einem gewissen Dämonenüberschuss. Daher ist es gut durch das „Tor der Gerechtigkeit“ nach Hause einzutreten, wo, abhängig von unserem Grad der Heiligkeit und der verrichteten Gebete, es weniger Dämonen geben sollte. Daher ist es für viele Klöster so verhängnisvoll diese exzessive Hotelgastwirtschaft zu betreiben und wirklich jeden rein zu lassen. Aber die meisten Klöster sind dermaßen verweltlicht, dass es wirklich nicht auffällt, ob man sich innerhalb oder außerhalb befindet. Sorgen wir also dafür, dass unser Heim zu einer geweihten, inneren Burg wird und beten wir dieses Gebet, wenn wir nach Hause kommen. Amen.

Cum regrederis.
Aperite mihi portas iustitiae, et ingressus in eas confitebor Domino. Haec porta Domini, iusti intrabunt in eam.
Bei der Rückkehr.
Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit und beim Eintritt will ich in ihnen den Herrn preisen. Dies ist das Tor des Herrn, die Gerechten treten durch sie ein.

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