Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (32). Erkenntnis des Menschen, Erkenntnis der Engel. Geistliche Führung.

Fünftes Kapitel

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und untrüglich, wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende einige Regeln vorgeschrieben.

Die unten angeführten Ratschläge können aus dem Kontext gerissen schnell als ein „christlich-katholischer Anti-Intellektualismus“ missverstanden werden. Das es so etwas gegeben hat oder gar noch gibt hat die bürstenschnittige Pastoralassistentin in ihrem Studium von einem immer noch in der Aufklärung (wir meinen hier die philosophische Periode und nicht „Dr. Sommer“) stehenden altliberalen Professor gelernt.  Insbesondere der Ausspruch vom Abt Absalon:

„Da regiert der Geist Christi nicht, wo der Geist des Aristoteles herrscht“

wiegt schwer und ist recht polemisch. Katholizismus ist aber nicht anti-intellektuell. Er ist über-intellektuell, weil das Geistige das Natürliche übersteigt. Beim Verwenden eines jeden Zitates muss man sich dessen bewusst werden, worüber man eigentlich spricht. Kardinal Bona spricht nicht über das Studium, über die Steuererklärung oder die Wahl des besten Autos oder Rasenmähers innerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten. Er spricht über die Unterscheidung der Geister auf der höchsten, geistigen Ebene unseres Seins, die wir die Seele nennen. Der Mensch besteht ja aus:

  1. Leib
  2. Seele

Die Seele jedoch wird in der christlichen Tradition dreigeteilt in die:

a. vegetative Seele oder das, was wir modern auf Neurotransmitter basierte Gefühle bezeichnen,

b. rationale Seele oder unser Intellekt,

c. die Geistseele oder den Sitz unserer Gottesbegegnung.

Kardinal Bona spricht ausschließlich über die Ereignisse auf der Ebene 2. c). Er meint weder 2. a) die Gefühlsebene, welche wie wir jetzt wieder lernen und das Mittelalter es schon lange wusste, sehr vom vegetativen System (Hormone, Neurotransmitter, Gehirnfunktionen, Ernährung, Schlaf etc.) abhängig ist. Nehmen Sie länger Prosac, Schlafmittel oder andere Antidepressiva ein und Sie werden sich selbst nicht wiedererkennen.  Kardinal Bona meint aber auch nicht die 2. b) die rationale Ebene, wo man logisch mit Hilfe von Syllogismen schlussfolgern kann. Weil der Geist Gottes dermaßen geistig und überweltlich ist, daher kann er sich weder an die Bestimmungen der Ebene 2. a) noch der Ebene 2. b) halten. An die Regel der Nicht-Intervention jedoch hält sich nicht der böse Geist. Daher schreibt auch irgendwo der hl. Johannes vom Kreuz, dass je sinnlicher ein übernatürliches Erlebnis ist, ja, ja, ein sinnliches übernatürliches Erlebnis, desto wahrscheinlicher ist es, dass es vom Teufel kommt. Denn der böse Geist kann sowohl emotionale als auch psychische Zustände hervorrufen, was viele Leser unserer Blogs in eigenem Leben erfahren. Er kann auch unsere rationale Gedankenkraft sehr trüben, hauptsächlich durch Emotionen, oder auch die falsche Prämisse vorgeben,  auf welcher wir, auch richtig schlussfolgernd, falsche Gedankenkonstrukte aufbauen. Deswegen sollen wir, so Kardinal Bona, bevor wir die Einflüsterungen auf unserer Ebene 2. c) unterscheiden absolut ruhig werden und die Ebenen 2. a) und 2. b) so gut es geht abschalten. Der böse Geist schafft Verwirrung, um sich verstecken zu können, der gute Geist braucht sich nicht zu verstecken. Er wirkt in der Ruhe und schafft Ruhe. Sind wir unruhig, dann sollten wir keine bindende Entscheidungen treffen, das weiß ein Weltmensch auch. Aber wir sollen eben nicht eine Nabelschau betreiben und „auf unser Herz“ hören, sondern sollen von uns selbst frei werden, um auf Gott – den ganz Anderen – zu hören.  Daher hat der unten zitierte hl. Chrysostomus recht:

„Nichts ist schlimmer als wenn man geistige Dinge rein menschlichen Ansichten und Gründen unterwirft“.

DSDZ (Der Schreiber dieser Zeilen) hat schon öfters in seinem Leben Gottes Willen darin erkannt, was er selbst am wenigsten für sich selbst gewählt hätte. Er hat schon selbst und freiwillig gewählt (wie Jona nach dem Schiffbruch), aber die Initiative kam von Außen. Es war fast immer mit viel Selbstüberwindung („Oh, Gott, nur nicht das … bitte, bitte ..“) sowie mit dem Impuls wegzulaufen verbunden. Die Propheten des Alten Testaments machen uns diesen Weg vor. Aber die Selbstüberwindung wird nicht nur am Anfang benötigt, sondern die ganze Zeit.

Ist es denn immer Quälerei?

Interessanterweise nicht, denn man erfährt auch Gnadenstöße wie Windböen, die das Unmögliche möglich machen. Gott macht schon fast die ganze Arbeit. Er will bloß unsere Zustimmung an uns wirken zu können.  Sind Sie ruhig, sind Sie im Gnadenstand und wollen Sie Gott wirklich dienen, dann werden Sie eine absolute Klarheit bei der Geistesunterscheidung erfahren. Jegliche Unklarheit, jedes „Jedoch-Aber-Wenn“ kommt vom Widersacher Gottes. Wenn sich der allmächtige Gott Ihnen wirklich mitteilt, warum sollte er denn unklar sein? Er wird Sie doch ausreichend bereinigt haben, damit Sie seine Stimme wirklich vernehmen können. Aber Sie müssen selbst für die Zeit dieser Unterscheidung alle unteren Ebenen abschalten, damit Sie zur richtigen Entscheidung gelangen können.

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3 Gedanken zu „Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (32). Erkenntnis des Menschen, Erkenntnis der Engel. Geistliche Führung.

  1. Verstehe ich das richtig, dass die Seele unter a) und b) zwar unruhig und verwirrt sein kann, aber gleichzeitig unter c) ruhig und gelassen?
    Sind dann (wenigstens neutrale) Dinge / Umstände, die von anderen an mich herangetragen werden (sei es auch ein Job- oder Wohnungsangebot bzw. ein ungeplantes Treffen mit gewissen Personen) eher als zu c) zugehörig zu betrachten; also den Willen GOTTES bestätigend – unabhängig vom (objektiven) Gnadenstand derjenigen anderen Person?,

    1. @ Tom

      Sie haben es falsch verstanden.

      Kardinal Bona beschreibt das, was wir von uns aus tun können, um die Geister in uns zu unterscheiden. Stellen Sie sich drei Kleidungsstücke in einer Wäschetrommel vor. Sie wollen nur das Stück 3 beobachten. Das ist viel einfacher, wenn es keine anderen Wäschstücke gibt. Deswegen soll man für Ruhe auf den Ebenen a) und b) sorgen, denn die Ebene c) ist sehr subtil. Gott kann zwar manchmal durch seine Gnade wirken, dass wir auf c) trotz Unruhe auf a) und b) ruhig bleiben, aber das sind seine unverhofften Gnadengaben und kein Regelfall.

      Herrscht bei Ihnen ein völliges Durcheinander auf allen Ebenen und keine Beunruhigung ist in Sicht. Sie aber müssen schnell entscheiden und haben nicht einmal die Zeit den Großen Exorzismus zu beten, dann entscheiden Sie nach Logik und gesundem Menschenverstand und ändern Sie Ihr bisheriges Vorhaben nicht. Z.B. Jemand, den Sie gemieden haben hat Sie eingeladen und Sie haben keine Zeit oder Ruhe, um es zu entscheiden, dann gehen Sie nicht hin, denn Sie werden für das Meiden wohl Ihre Gründe haben.

      Es ist gut in eiligen Fällen mehrere große Kreuzzeichen zu machen also sich wirklich gründlich zu bekreuzigen, weil das, so Richalm von Schöntal, die Dämonen verjagt. Ich sehe im Gegensatz zum Richalm keine Dämonen, aber die Kreuzzeichen wirken sehr beruhigend, als wäre man aus einer Unwetterfront herausgekommen. Erfahrungen letzter Woche.

      Gottes Willen ist immer recht zart und kommt vom Innen. Es ist wie beim Hörtest, die hören ein sehr leises Geräusch, dass immer lauter wird. Kommt etwas „von außen mit Geräusch“, wie sich hl. Ignatius von Loyola ausdrückt, dann ist es der böse Geist.

      Faustregel: Sorgen Sie für möglichst viel Überlegenszeit, handeln Sie so wenig spontan wie möglich.

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