Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (25) Kapitel: Vorstufen der Mystik? (15) Gebet der Einfachheit und Beschauung (ii). Quellen zum Gebet der Einfachheit.

Pater Poulain SJ stellt wieder einmal die Quellenbelege zusammen, welche das Gebet der Einfachheit empfehlen. Es sind hl. Johanna de Chantal, die sich auf hl. Franz von Sales beruft, hl. Ignatius von Loyola und ein P. Rouet. Sie alle zeigen, dass das Gebet der Einfachheit schon immer unerkannt und daher umstritten war. Warum? Weil man angeblich nichts tut.

  1. Es ist kein mündliches Gebet, wie das Rezitieren des Breviers.
  2. Es ist keine Betrachtung, bei der man sich aktiv bestimmte Szenen vorstellt oder seinen Verstand einsetzt.
  3. Es ist noch keine Beschauung.

Es ist also etwas dazwischen, was wenige gepflegt und daher erfahren haben.  Auch vor dem Konzil hat es Geistliche gegeben, die zwar gebetet, aber nicht innerlich gebetet haben, dass heißt keine Gottesbeziehung pflegten. Wie immer schön Ann Barnhardt unterstreicht, indem sie bewusst auf die protestantischen Wurzeln dieser Redeweise verweist:

Man muss eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus pflegen.

Die katholische Mystiker sprachen vom „Freund Gottes“, vom „Bräutigam“ etc., meinten aber dasselbe. Katholizismus ist vorrangig kein Regelwerk, welches dazu dient jemandem mit einer „Moralkeule“ eins überzubraten, sondern Freundschaft mit dem Heiland, der nach und nach uns auf sein Niveau hebt. Sonst sind wir nur trockene, moralisierende Dogmatiker sei es der vorkonzialiaren neuscholastischen oder der nachkonziliaren liberal-atheistischen Art, was eigentlich aufs selbe rauskommt, da man durch äußere Konstrukte die innere Leere und Verödung verbergen möchte. Der Gebetsweg führt aber von Außen nach Innen. Hl. Theresia von Avila beschreibt ihn sehr eingehend und ihre Bekehrung vom äußeren Einhalten der Vorschriften, bei dem sie über 20 Jahre lang innerlich nicht gebetet hatte, bis zu einer wirklich inneren Liebe zu Christus. Man könnte zwar meinen, dass die „Konzilsreformer“ und all die Zen-freudigen Jesuiten und Benediktiner es gut mit uns meinten, indem sie uns von dem Äußeren „rigiden Formalismus“ in der letzten Zeit „Klerikalismus“ genannt, „befreien“ wollten, aber all diese Versuche endeten im Atheismus oder Esoterik, denn der christliche Weg führt ausschließlich über das Äußere des Psalmengebets und der liturgischen Gebete zum Inneren ihrer Inhalte. Man muss ja zuerst etwas beten, um darüber nachdenken zu können, was man da betet und warum. DSDZ betete neulich wieder das Totenoffizium und konfrontiere sich mit dem Fegefeuergedanken des Hiobbuches. Ohne diese Lektüre wäre er auf manche Gedanken und Betrachtungen gar nicht gekommen, denn es ist wirklich nicht gleich, was man betet. Sie können zum Inneren der Kokosnuss ja nur durch die harte Schale durchdringen. Durch die Form zum Inhalt. Unser Geist muss durch die Übung der Rezitation der Psalmen zu ihren geistlichen Inhalten erzogen werden, denn niemand versteht oder „sieht“ gar diese Inhalte auf Anhieb. Das Gebet der Einfachheit ermuntert zwar zum Loslassen, aber man kann erst etwas loslassen, wenn man es vorher gehabt hat und deswegen kommt man zum Gebet der Einfachheit ausschließlich über die zwei vorigen Stufen der Rezitation und der Betrachtung.

Warum?

Weil man intellektuell und emotional ermüdet sein muss, um sich zu vereinfachen und beruhigen zu können. Im Sport haben Sie ja auch die Relax- und Entspannungsphase nachdem sie trainiert haben. Deswegen schreibt der hl. Ignatius, dass man die Scholastiker, also die Studierenden nicht mit Betrachtung als Gebetsübung überfordern sollte. Weil sie ja permanent lernen, denken, betrachten, sich Abstraktes vorstellen, und somit intellektuell ausreichend aktiv sind. Sie können dann entspannen, indem sie „liebevoll an die Gegenwart Gottes denken“, wobei das Wort „denken“ hier allzu aktiv erscheint. Sie kommen am schnellsten auf diese Gebetsstufe, wenn Sie einen intellektuell anstrengenden Tag hatten, sodass Sie zu erschöpft sind, um diskursiv (nacheinander schlussfolgernd) denken zu können. Dann werden Sie selbst einfacher und betrachten einfach bestimmte Inhalte, ohne an diese zu aktiv zu denken. Es hört sich komplizierter an als es ist. Wenn Sie es tun werden, werden Ihnen diese Zeilen samt den zitierten Texten hilfreich sein. Ansonsten üben Sie sich in den früheren Gebetsstufen.

 

 

 

 

 

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