Hilary White, Was man im Notfall tun soll: „Was ist Ihr Brotberuf?“ (3 von 3)

Wenn man die unten angegebenen Vorschläge von Hilary White liest, so kann man sich wirklich fragen, ob sie nicht zu viel verlangt? Denn, laut ihren Ausführungen muss man, um sich seine Zukunft als Priester abzusichern:

  1. vor dem Seminar einen Brotberuf lernen,
  2. darüber hinaus auch reich von Haus aus sein,
  3. parallel zum Studium handwerklich arbeiten oder/und auf sein Aktienportfolio achten,
  4. sich ein zweites finanzielles Standbein sicher, wenn man dann plötzlich nach der Weihe auf der Strasse steht. 

Nein, diese Vorschlagsliste ist nicht so sehr ungewöhnlich. Es ist das Leben eines Akademikers, der es ernst mit der Wissenschaft meint. Es ist das leben vor einer Professorenstelle, die in manchen Ländern besser, in anderen schlechter bezahlt wird. Wenn Sie richtig forschen, können Sie nichts nebenbei machen und haben kein Geld. Wenn Sie nicht forschen und arbeiten, dann können Sie akademisch nichts und bekommen beim richtigen Wettbewerb (also außerhalb der Frauen- und Priesterquote) keine Stelle und falls Sie doch eine erhalten, dann wissen Sie, dass Sie nichts können und ein Betrüger sind. Die intelligenteren Studenten und Kollegen wissen es auch. Während Sie aber als Akademiker meistens irgendwo unterrichten können, kann ein Priester außerhalb der Kirche sein „Handwerk“ nirgends ausüben. Wenn er suspendiert ist auch nicht. Das ist noch der zusätzliche Franziskus-Effekt, dass manche jungen Männer das Priestertum gar nicht anstreben werden, weil sie sich sagen:

All das Lernen, all die Asketik und das Zölibat und wofür? Jetzt stehe ich auf der Straße.

Sind denn die oben genannten Punkte (1) bis (5) überhaupt zumutbar? Bei den Aposteln waren sie es und alle anderen Heiligen, die reich waren, haben ihr Geld noch zusätzlich verschenkt, um von der Vorsehung zu leben. Das Geld hat sich immer irgendwo gefunden. Durch die Umverteilung, d.h. durch Almosen. Wenn man nichts muss, weil man von vorne und hinten umsorgt wird (Stichwort: Kirchensteuer), dann kann man auch nichts. Und zwar in keinem Bereich. Man muss sich das Leben, wie ein Zirkeltraining vorstellen. Auch wenn Sie eine sehr technische Sportart trainieren wie z.B. Judo oder Tischtennis, so brauchen Sie ab und zu das Zirkeltraining, um die Kondition zu haben diese Technik überhaupt ausüben zu können. Was nutzt es denn wenn Sie Tai-Otoshi theoretisch können [DSDZ hat auch eine Judo-Vergangenheit], wenn Sie zu dick sind diese Wurftechnik überhaupt anzuwenden? Gott heiligt uns wirklich durch alles. Nicht nur durch „das Eigentliche“. Denn Gott, nicht wir, bestimmt, was „das Eigentliche“ ist. DSDZ muss jetzt viele Fertigkeiten lernen, um seinen Blog vollends zu kommerzialisieren, was innerhalb der nächsten Wochen oder gar Tage eintreten wird.

Ist das „Drum-Rum“ das „Eigentliche“?

Nein, aber ohne die Schale gibt es keinen Kern. Ohne praktische Strukturen gibt es keinen abstrakten und geistlichen Inhalt. Nur Menschen, die viel erlebt haben, können andere wirklich verstehen und begleiten, denn so bildet sich die Empathie aus. All diese Untergrundpriester in der Vergangenheit sind doch durch die Verfolgung in der Heiligkeit gewachsen, welche sie anderen im Untergrund und später auch auf der Oberfläche sozusagen weitergeben konnten. Wenn man wirklich nichts außer Gott hat, dann kommt man Gott schon näher. Wir Laien sollen die Schätze des Glaubens, wie die Bediensteten des Leningrader Museums, für die Zukunft aufbewahren. Koste es, was es wolle. Dazu dient auch dieser Blog, der sich bemüht ein wenig Katholizismus in der Katholizismus-freien katholischen Kirche in Deutschland zu sichern, welche die reichste auf der ganzen Welt ist. Wir brauchen im Katholizismus keine Warmduscher und Muttersöhnchen, unter den Priestern und auch nicht solche, die vor allem und jedem Angst haben. Wir werden alle von Gott streng gerichtet werden, dem wir nicht sagen werden können:

Ich habe die Hausaufgaben gemacht, aber mein Heft vergessen und die Rente war nicht sicher!

Gott weiß es besser und er ist fordernd. Er will, dass wir endlich aus der „Komfortzone“ ausbrechen, denn in der Hölle gibt es keine Komfortzone. Amen.

Bei wie vielen jungen Männern sehen wir voraus, dass sie aus dem Seminar weggeekelt werden, weil sie die falsche „sexuelle Orientierung“ haben? Jeder dieser jungen Kerle muss in der Lage sein, vor den Augen des Direktors in mit den Fingern zu schnippen und direkt in einen anständigen Arbeitsplatz zu wechseln, nicht wegen irgendeiner Empfehlung eines korrupten Bischofs, sondern wegen seiner soliden Fähigkeiten. In der Klasse der weißen Kragen  gibt es Vorurteile gegen die Arbeit im Blaumann, aber die Betriebe rufen nach geschickten Männern und einen Berufsabschluss als Landmaschinenmechaniker bekommt man wesentlich billiger und schneller als einen Universitätsabschluss. Das ist ein wirtschaftlicher Aktivposten, den wir uns nicht leisten können, in die Luft zu jagen.

Das erinnert mich an eine Diskussion, die ich vor einigen Jahren mit dem Prior eines Benediktinerklosters hatte, das viele junge Berufungen anzieht. Einer der Jungen wollte eintreten und sagte mir, dass sie ihm empfohlen hatten, zunächst auf das College zu gehen und Philosophie zu studieren. Dieses College erlässt offensichtlich einen Großteil des Schulgeldes und vergibt Arbeitsstudien an jene Studenten, die sich auf das Priestertum und das Ordensleben vorbereiten, so dass diese die studentische Kreditfalle vermeiden können. Dies ist fein, gute Idee. Aber ich fragte ihn, was er den könne.

„Können Sie eine Wasserleitung reparieren? Wissen Sie etwas darüber, was man Schafe füttert oder wie man eine Kuh versorgt? Können Sie Traktor fahren?“

Dieser nette Kerl, der sicher eine Berufung hat, konnte Bücher lesen und Sachen im Internet nachschauen, und eine klasse Abhandlung über Thomas Aquinas schreiben, aber nicht viel mehr.

Es muss eine Änderung in der Haltung unserer verbleibenden treuen Institutionen geben. Braucht ein Kloster wirklich all diese Ordensmitglieder mit Doktortiteln der Philosophie und Theologie? Wäre es nicht auch nützlich, einen Elektriker, einen Sanitärinstallateur, einen Schreiner, einen Koch zu haben oder jemanden der weiß, wie man einen Traktor oder ein Auto repariert? Oder – für eben diesen Zweck – einen Steuerberater oder Investmentbanker? Wenn Sie darauf bestehen, Menschen mit akademischen Graden zu haben wäre vielleicht ein Abschluss in der Landwirtschaft gut für ein monastisches Kloster mit viel Ackerland, wie z. B. Clear Creek [oder in Deutschland Münsterschwarzach, Anm. d. Übs.)] oder dieses neue Karmelitenkloster in Nebraska. Ich denke es ist Zeit zu beginnen, unsere Standesdünkel zu überwinden.

Junge Männer, die das Priestertum anstreben, werden dafür sorgen müssen, Berufschancen und eine unabhängige finanzielle Grundlage zu haben, genau so, wie man früher Geld für schlechte Zeiten zurücklegte. Einfach ausgedrückt, sie müssen aufhören, finanziell von der Hierarchie abhängig zu sein. Diese Schwachstelle ist derzeit eine Pistole an ihrem Kopf. Den nächsten jungen Mann, der etwas darüber zu mir sagt, dass er Diözesanpriester werden möchte, werde ich fragen:

„Wie gesund sind Ihre Aktien?“

Den nächsten Kandidaten für das Ordensleben werde ich fragen:

„Toll! Was sind Sie von Beruf? Welche Sicherheiten haben Sie?“

Ich kann gut verstehen, dass einige Häuser der Kongregation der Oratorianer ihre Kandidaten bitten, mit einem unabhängigen Einkommen zu kommen, das bezüglich dessen, was wir andernorts sehen, nicht wie eine schlechte Idee klingt. Vielleicht könnte man katholische Vermögensberater ermutigen ein Programm zu erstellen um junge Männer zu lehren, mit Kapitalanlagen eine gesunde finanzielle Grundlage zu schaffen.

In der Zwischenzeit müssen wir unsere Energie wieder auf den Glauben an sich konzentrieren anstatt auf die physischen und sogar kanonischen Strukturen, die ihn umgeben. Dieses Kloster in Deutschland ist verloren. Jene Bischöfe wollen den Besitz und sie werden ihn bekommen. Was die Gruppe der Laien tun sollte, statt eine Petition zu schreiben um es zu retten ist, einen Platz zu finden, so die Nonnen ihr Charisma des Ordenslebens leben können – ohne bischöfliche Schikane. Bischöfe werden gute Priester nicht schützen und unterstützen? Dann ist das unsere Aufgabe. Der Vatikan möchte alle religiösen Gemeinschaften dazu bringen, zu verweltlichen. Marxistisches, Anti-Nonnen, LCWR Muster [Leadership Conference of Women Religious, Konferenz der Oberinnen von Frauenorden in Amerika, eine sehr modernistische und feministische Organisation Anm. d. Übs.]? Wir sind nicht hilflos. Wir beginnen, Klostergebäude zu kaufen und eröffnen einen Fonds, um die Nonnenflüchtlinge zu unterstützen.

Unser Ziel muss es sein, den kostbaren Schatz zu erhalten, das Glaubensgut, das sakramentale Leben, die großen Charismen und Artefakte des Ordenslebens.

Dies erinnert mich daran, was das Kuratorium des Eremitage Museums in St. Petersburg angesichts der anrückenden Deutschen Armee tat. Sie nahmen die Kunstwerke, einige der großartigsten in der Welt, von der Wand, packten sie ein und verbargen sie. Über eine Million kostbarer Kunstwerke wurden mit der Eisenbahn versandt und im Ural verborgen. Zwei Züge kamen unversehrt an, aber einer war noch immer vor Ort, als die Deutschen die Stadt umzingelten und begannen, die Stadt zu belagern.

Die Website des Museums teilt uns mit:

„Trotz Hungersnot und bitterkalter Temperaturen fuhr das Museum fort, die Aufgabe der Bewahrung [der Kunstschätze] fortzuführen. Mit nur einer Notbesetzung, die verblieben war, war es schwierig, die weiten Gebäude und ihren kostbaren Inhalt gegen Schnee, Wind und Regen zu schützen. Ausgerüstet mit Erste-Hilfe-Sets, angetan mit Helmen und Handschuhen, räumten die Luftschutzwarte nach jedem Bombenanschlag, der das Gebäude traf, Haufen zerbrochener Bausteine und die Überreste verkohlten Bodenbelags weg; sie halfen, nach Angriffen in der Umgebung die Lebenden und die Toten auszugraben, die Verwundeten zu verbinden. Zwölf Luftschutzkeller wurden im Museumskomplex eingerichtet, und bis zu den ersten Evakuationen vom März 1942 wurden dort 12.000 Menschen dauerhaft untergebracht, darunter der Museumsdirektor, der gefeierte Akademiker Iosif Orbeli.“

„Die Angestellten der Eremitage sowohl in Sverdlovsk als auch in Leningrad arbeiteten als Museumsdiener, führten ihre akademischen Arbeiten und Vorträge in Krankenhäusern fort, hielten Konferenzen ab, schrieben Artikel über ihre Arbeiten. Kein Gegenstand ging während der Evakuation verloren.“

Um jedermanns Moral aufrechtzuerhalten, führten die Mitarbeiter des Museums weiter Führungen und Vorträge durch, beschrieben perfekt die Kunstwerke, die man entfernt hatte, während Bomben fielen und die Mitarbeiter wie auch die Vorgesetzten gleicherweise Hunger litten. Sie wussten um den Wert dessen, was sie hatten und taten alles in ihrer Macht Stehende, um es zu erhalten und zu schützen.

Klingt das Alles nicht ein wenig … hmmm … schismatisch? Nicht unbedingt. Jeder Bischof, der durch seine Handlungen und nicht nur gerade mit seinen Tweets zeigen kann, dass er noch immer Katholik und kein Wolf ist, ist willkommen, zu uns zu kommen. Aber wir wären Toren, auf sie zu warten. Was immer Sie auch über Erzbischof Lefebvres Lösung im Lauf der letzten Jahrzehnte denken mögen, es scheint sicherlich indiskutabel, dass der „Zustand des Notfalls“, auf den er vorbereitete, nun schließlich gekommen ist. Und in einem Notfall werden bestimmte Normen natürlich ausgesetzt.

Es ist eine simple Tatsache, dass es bald „vagabundierende“ Priester geben wird, die man aus ihrem Dienst geworfen hat, weil sie den Glauben aufrechterhalten. Es wird Nonnen und Mönche ohne Heimat geben, wie im England von Heinrich VIII. Ich denke es ist nur vernünftig, dass jene, die auch den Glauben erhalten möchten, ihnen eine helfende Hand reichen und ihnen an Unterkunft bieten sollten, was wir können.

Was wir diese Woche gesehen haben [geschrieben am 22.07.2018, zur Erinnerung] macht klar, dass wir nicht uns nicht einfach weiter zurücklehnen können und Bischöfe „bitten“, den Glauben zu erhalten und zu verteidigen. Es ist nun nicht mehr genug, mit glühenden Augen und einem festen Glauben in ein Seminar oder ein Kloster einzutreten. Die Geisteshaltung allein wird kein großer Trost sein, wenn der junge Mann nicht mehr so jung ist und sich auf der Straße vor der Kirchenkanzlei stehen sieht, ohne Kenntnisse, ohne Geld, ohne Arbeit (, ohne Krankenversicherung) und ohne Perspektiven.

Wenn es wahr ist, dass wir in alledem wirklich alleine sind, dann sei es so. Lassen Sie uns aufhören zu lamentieren und beginnen, praktische Dinge dagegen zu tun

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