Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (3 von 5)

Päpste, die über Häresien hinweg sahen oder sich schädlichen Schweigens oder Mehrdeutigkeit schuldig machten

Aber Päpste haben sich nicht nur moralisch, sondern auch doktrinell geirrt. Zwei sind der Häresie angeklagt, einer gar verurteilt worden.  Sie haben bisher nicht geirrt, als sie ex cathedra sprachen und zwar in den engen Rahmen, welche Vat. I aufweist. Ja, Päpste irrten auch vor Vatikanum II, obgleich selten und nicht als Norm.

Papst St. Peter (gest. ca. 64). Es mag gewagt erscheinen, mit dem Heiligen Petrus anzufangen, aber tatsächlich machte er schändliche Kompromisse mit der Anwendung eines Glaubensartikels, nämlich die Gleichheit der jüdischen und heidnischen Christen und die Abschaffung des jüdischen Zeremonialgesetzes – ein Fehler, für den er vom Heiligen Paulus zurechtgewiesen wurde (vgl. Gal 2:11). Dies wurde so ausführlich von den Kirchenvätern und den Kirchenlehrern und auch von jüngeren Autoren kommentiert, dass man das hier nicht gesondert behandeln muss. Es sollte darauf hingewiesen werden, dass Unser Herr in Seiner Vorsehung zuließ, dass sein erster Vikar mehr als einmal versagte, damit wir nicht empört würden, wenn es mit seinen Nachfolgern wieder passierte. Das ist auch der Grund, warum er Judas erwählte: damit der Hochverrat von Bischöfen uns nicht Ursache werde, den Glauben zu verlieren, dass Er weiterhin über die Kirche und die Geschichte der Menschheit herrscht. 

Papst Liberius (352-366). Die Geschichte ist kompliziert, aber das Wesentliche kann einfach erzählt werden. Der Arianische Kaiser Konstantin hatte im Jahr 355, mit typisch byzantinischer Arroganz, Liberius „abgesetzt‟, weil er dem Arianismus nicht beigepflichtet hatte. Nach zwei Jahren Exil kam Liberius zu einer Art Übereinkunft mit dem immer noch arianischen Kaiser, der ihm dann erlaubte, nach Rom zurückzukehren. Welchen Kompromiss einer Lehrformel er unterschrieb, oder gar ob er sie unterschrieb, ist unbekannt (der Hl. Hilarius von Poitiers behauptete, er habe unterschrieben), aber es ist sicherlich nicht ohne Bedeutung, dass Liberius, der 36. Papst der einzige von 54 Päpsten vom Hl. Petrus bis St. Gelasius I. ist, der im Westen nicht als Heiliger verehrt wird. Zumindest damals wurden Päpste nicht automatisch heiliggesprochen, besonders, wenn sie ihren Job vermasselten und es nicht schafften, die herausragenden Hirten zu sein, die sie hätten sein sollen. 

 Papst Vigilius (537-555). Es gibt vier Anklagen gegen Vigilius. Erstens intrigierte er mit der Kaiserin Theodora die ihm anbot, ihn zum Papst ernennen zu lassen, wenn er den abgesetzten Anthimus in Konstantinopel wieder in sein Amt einsetzt.[1] Zweitens bemächtigte er sich des Papstamtes. Drittens änderte er seine Position in der Angelegenheit der Drei Kapitel (Schreiben, die von den Bischöfen des Ostens verdammt wurden, da sie ihnen in ihrer anti-Monophysitischen Haltung zu weit gingen). Vigilius weigerte sich zunächst, der Verurteilung zuzustimmen, aber als das Zweite Konzil von Konstantinopel sie bekräftigte, wurde Vigilius durch Druck des Kaisers überredet, das Konzilsdekret zu ratifizieren. Es scheint, dass Vigilius die Verurteilung der Drei Kapitel als problematisch erkannte, da sie im Westen als Unterminierung der Lehre des Konzils von Chalzedon wahrgenommen wurden, es nichtsdestotrotz aber zuließen, dass er dazu verleitet wurde, dies zu tun. Viertens waren sein Schwanken bezüglich dieser Frage und seine endgültige Entscheidung verantwortlich für ein Schisma, das im Westen folgte, denn einige der Bischöfe von Italien weigerten sich, das Dekret von Konstantinopel anzunehmen. Ihr Schisma gegen sowohl Rom als auch den Osten sollte viele Jahre andauern.[2] 

Papst Honorius I (625-638). In ihren Bemühungen, die Monophysiten von Ägypten und Asien zu versöhnen, nahmen die Kaiser des Ostens die Lehre des Monotheletismus an, welche erklärte, dass, während Christus zwei Naturen hat, Er nur einen Willen habe. Als dies von Theologen als gleichfalls häretisch zurückgewiesen wurde, wurde dieser neuerliche Kompromiss dahingehend verändert, dass, obwohl Christus zwei Willen hat, diese nichtsdestotrotz nur „eine Energie‟ haben (daher der Name der Lehre, Monenergismus). Auch dies war falsch, aber der Patriarch von Konstantinopel machte Anstrengungen, eine Wiedervereinigung zu fördern, indem er die Debatte erstickte und eine Diskussion der Sache zu verbot. 634 schrieb er an Papst Honorius und suchte Unterstützung für seine Strategie, und der Papst gab sie indem er anordnete, dass weder der Ausdruck („eine Energie‟ oder „zwei Energien‟) verteidigt werden sollten. Indem er seine Antwort ausfertigte, lehnte er die orthodoxen Schreiber ab, welche den Begriff „zwei Energien‟ verwendet hatten. Noch schwerwiegender, er unterstützte jene, welche eine dogmatische Klarheit „hinschummeln‟ wollten, um eine Gruppe zu versöhnen, die gegen die Kirche rebellierte.

Fünfzehn Jahre später veröffentlichte Kaiser Konstans II ein Dokument, genannt der Typos, in dem er exakt die selbe Vorgehensweise anordnete, die Honorius angewendet hatte. Jedoch berief der neue Papst, Martin I, eine Synode, welche der  Typos verdammte und die Lehre von den zwei Energien stützte. Ein erzürnter Konstans ließ Martin nach Konstantinopel bringen und schickte ihn nach einer grausamen Gefangenschaft ins Exil auf die Krim, wo er starb; daher wird er als Märtyrer verehrt – der letzte päpstliche Märtyrer (bis jetzt). 680-681, nach dem Tod von Konstans, wurde das Dritte Konzil von Konstantinopel abgehalten, welches das Ziel der Harmonie mit den Monophysiten zugunsten [der Harmonie] mit Rom verwarf. Indem es offen Solidarität mit dem verfolgten Martin zeigte, verstieß es ausdrücklich und feierlich seinen Vorgänger: „Wir entscheiden, dass Honorius aus der heiligen Kirche Gottes ausgestoßen wird.‟ Der regierende Papst, Leo II, akzeptierte die Lehrschreiben dieses Konzils in einem Brief und verdammte Honorius mit derselben Offenheit: „Wir verfluchen Honorius, der sich nicht bemühte, diese apostolische Tradition zu reinigen, sondern durch einen profanen Verrat erlaubte, dass ihr makelloser Glaube preisgegeben werde.‟ In einem Brief an die Bischöfe Spaniens verdammte Papst Leo II. Honorius noch einmal als einer „der nicht, als er zur apostolischen Autorität berufen wurde, die Flamme der häretischen Lehre auslöschte, als sie aufkam, sondern sie durch seine Nachlässigkeit beschleunigte‟.[3] 

Papst Johannes Paul II (1978-2005). Johannes Paul II plante das Treffen der Weltreligionen in Assisi von 1986 auf eine Art und Weise, dass der Eindruck des Indifferentismus als auch das Begehen sakrilegischer und blasphemischer Akte nicht nur entstand, sondern in Übereinstimmung mit dem vom Papst bestätigten Programm war. Sein Küssen des Korans ist allen zu wohlbekannt. Er wurde auf diese Weise des Versäumnisses in seiner Pflicht schuldig, den einen wahren Katholischen Glauben zu wahren und zu verkündigen, und gab den Gläubigen erheblichen Anlass zum Ärgernis.[4] 

[1] Nach Henry Sires Bericht in Phoenix from the Ashes (Kettering, Ohio: Angelico Press, 2015, an manchen Stellen wörtlich zitiert), 17-18. Ich empfehle sein Buch als die beste Analyse der modernen Kirchengeschichte, die ich bislang gelesen habe.

[2] Er hat dies nicht durchgeführt – aber nur deshalb, weil der Kaiser es verboten hatte.

[3] Noch einmal nach dem Bericht in Sire, Phoenix, 18-19.

[4] Siehe Sire, Phoenix, 384-88.

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