„Ante luciferum genitus“ oder darum ist der Teufel neidisch

Beim Schreiben der nächsten Folgen unserer Antipapst-Reihe wird DSDZ klar, dass viele unserer Leser (Ausrede: Kaninchenzuchtverein) oder Leserinnen (Ausrede: Hasenspicken) diese Reihe zu lang und zu schwierig finden werden, um sie zu Ende zu lesen. Dagegen kann DSDZ kaum etwas tun, denn noch einfacher und gleichzeitig in die Tiefe gehend kann er nicht schreiben. Er tut was er kann und wie er kann, dennoch gibt es Menschen, auf welche beim ersten Fremdwort oder gar lateinischen Ausdruck der Schleier des Unverständnisses (wie bei dieser Statue von Corradini) fällt und auf ihnen haften bleibt.

Es ist ein Stressfaktor, eine traumatische Erfahrung im Kleinen. DSDZ erlebt dasselbe bei manchen logischen oder mathematischen Beweisen oder Formeln, die er sich selbst erarbeiten muss. Das geht immer noch schneller als nach Lehrern zu suchen. Wenn er sich durch all die Beweisketten durchgequält hat, ist es einfach, vorher aber nicht. Andererseits kann man manches einfach nicht anders als fachgerecht ausdrücken, daher muss man, um einen logischen Beweis zu verstehen, auch Logik lernen. Anders geht es nicht. In der Theologie ist es genauso, womit diese Einführung abgeschlossen wäre. Dennoch wollen wir die Antipapst-Reihe ab und zu mit einfacherer Kost durchsetzen, damit wir nicht alle vom Fleisch fallen.

Heute am 7. Januar feierte die Kirche bis 1955 die Oktave des Epiphanie-Festes, welche im Brevier so begangen wurde, dass eine Woche lang in der Matutin dieselben Antiphonen und dieselben Psalmen mit verschiedenen Lesungen durchsetzt, gelesen wurden. Dies betrifft auch die anderen Horen: andere Antiphonen, dieselben Psalmen. Auf diese Art und Weise gelangt man wirklich in die Tiefe, weil man gleichsam über den bekannten Psalmen die neuen Epiphanie-Antiphonen betet. Interessanterweise haben Sie diese Wirkung nur beim Tridentinischen Brevier, da in den nachfolgenden Brevieren die Psalmen der meisten Horen wechseln. Da das Neue auf dem Hintergrund des Bekannten schnell auffällt, so ist es einfach für den Beter die Texte der Antiphon beim Rezitieren der altbekannten Psalmen zu meditieren. Ja, zwei in einem. Zeitsparend. Die heutige erste Antiphon der Laudes ist sehr interessant. Sie lautet auf Lateinisch[1] wie folgt:

 Ant. Ante lucíferum génitus, et ante sǽcula, Dóminus Salvátor noster hódie mundo appáruit.

Auf Deutsch heißt es:

 Ant. Vor dem Morgenleuchten aus dem Schoss der Gottheit stammend und vor allen Zeiträumen, ist der Herr, unser Heiland, heute der Welt geoffenbart worden.

Das Lateinische luficer, fera, ferum bedeutet

A) als Adjektiv

  1. der erleuchtet ist,
  2. ans Licht bringend

B) als Substantiv

  1. der Planet Venus oder Morgenstern
  2. im übertragenen Sinne licht- heilbringend auch der Tag.

Denn das Adjektiv lucifer wird gebildet aus dem Substantiv lux, lucis– „das Licht“ und dem Verb fero – „bringen“. Weil der Morgenstern, gleichbedeutend mit dem Planet Venus, morgens das Licht bringt, daher ist der Morgenstern ein Lichtbringer. Aber Luzifer ist auch der Eigenname Satans, wie er in der Vulgata steht, denn der Engelssturz ist selbstredend in der Bibel beschrieben:

quomodo cecidisti de caelo lucifer qui mane oriebaris corruisti in terram qui vulnerabas gentes

 13 qui dicebas in corde tuo in caelum conscendam super astra Dei exaltabo solium meum sedebo in monte testamenti in lateribus aquilonis

 14 ascendam super altitudinem nubium ero similis Altissimo

 15 verumtamen ad infernum detraheris in profundum laci

 16 qui te viderint ad te inclinabuntur teque prospicient numquid iste est vir qui conturbavit terram qui concussit regna

 17 qui posuit orbem desertum et urbes eius destruxit vinctis eius non aperuit carcerem (Jes 14,12-17)

 

Was die populäre Einheitsübersetzung wie folgt wiedergibt:

Ach, du bist vom Himmel gefallen, du strahlender Sohn der Morgenröte. Zu Boden bist du geschmettert, du Bezwinger der Völker.

 13 Du aber hattest in deinem Herzen gedacht: Ich ersteige den Himmel; dort oben stelle ich meinen Thron auf, über den Sternen Gottes; auf den Berg der (Götter)versammlung setze ich mich, im äußersten Norden.

 14 Ich steige weit über die Wolken hinauf, um dem Höchsten zu gleichen.

 15 Doch in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen, in die äußerste Tiefe.

 16 Jeder, der dich sieht, starrt dich an, er blickt genau auf dich hin und denkt: Ist das der Mann, der die Königreiche in Schrecken versetzte, der die Erde erbeben ließ,

 17 der die Welt zur Wüste gemacht hat, ihre Städte zerstörte, der die Gefangenen nicht nach Hause entließ? (Jes 14,12-17)

 Dabei heißt der erste Teil des ersten Verses wie folgt:

Wie bist Du vom Himmel gefallen Luzifer/Morgenröte (Jes 14,12)

Während der nachkonziliare historisch-kritische Alttestamentler diesen und den nachfolgenden Vers:

Ach, du bist vom Himmel gefallen, du strahlender Sohn der Morgenröte. Zu Boden bist du geschmettert, du Bezwinger der Völker.

 Du aber hattest in deinem Herzen gedacht: Ich ersteige den Himmel; dort oben stelle ich meinen Thron auf, über den Sternen Gottes; auf den Berg der (Götter)versammlung setze ich mich, im äußersten Norden.

 auf einen Assyrerkönig Sargon II. (gest. 705), Sin-ahhe-eriba (gest. 681 v. Chr.), Nebukadnezar II. (gest. 562 v. Chr.) oder Nabonid (gest. 538 v. Chr.) bezieht oder man tat dies wenigstens in den 1980-gern, aus welcher Zeit der Bibelkommentar von DSDZ stammt (Ja, ja, damals hat Sue-Ellen wirklich noch getrunken), so beziehen diesen Vers die Kirchenväter auf den Engelsfall oder den Sturz Luzifers vom Himmel.[2] Das Wort Luzifer kommt demnach “in der Bibel”, wie unsere protestantischen Freunde sagen würden, durchaus vor und zwar fünfmal: Joh 11, 17; Is 14, 12; 2 P 1,19; Ps 109,3; Job 38,32, wobei die Doppeldeutigkeit des Wortes Luzifer in der Exegese mehr als einmal verwendet worden ist. Weil Luzifer in der Offenbarung – Wort Gottes – vorkommt, deswegen ist es nicht verwunderlich, dass das Wort „Luzifer“ als „Morgenröte“ verstanden auch in der Liturgie vorkommt. Somit stimmt es nicht, „dass die katholische Kirche in ihrer Liturgie Luzifer anbetet“, wie es manche youtuber wollen. Diese Doppeldeutigkeit Luzifer – Dämon – Morgenröte wird auch in der ersten Antiphon der Epiphanie- Laudes deutlich:

Ante lucíferum génitus, et ante sǽcula, Dóminus Salvátor noster hódie mundo appáruit.

Übersetzen wir es wie folgt:

Vor dem Luzifer gezeugt und vor aller Zeit, der Herr unser Erlöser ist heute der Welt erschienen.

Das Lateinische genitus kommt im Credo vor: genitus non factus – „gezeugt nicht geschaffen“, was aussagt, dass Christus, der Logos, kein Geschöpf wie andere Geschöpfe ist, daher nicht „geschaffen oder gemacht“, sondern direkt von Gott herstammt und Gott ist, als Sohn ist er „gezeugt“ oder „geboren“ – beides heißt genitus. Zwar empört sich Gregor von Nazianz, einer der kappadokischen Väter, ein wenig darüber, dass man, wenn es um Gott geht, überhaupt solche Worte wie „gezeugt“ verwenden muss, welche ganz natürliche und sexuelle Vorgänge darstellen. Er gibt dennoch resigniert zu, dass die menschliche Sprache über keine besseren Ausdrücke verfügt, um den tatsächlichen Hergang oder das Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater wiederzugeben als das Griechische gignomai (vgl. DH 71, 188, 284, 367, 470, 800, 4522), von dem das theologisch-lateinische genitus stammt. Christus ist also nicht nur „gezeugt“ – genitus, sondern dazu noch ante saecula – „vor aller Zeit“, da die Zeit mit der Schöpfung angefangen hat, wie hl. Augustinus meinte. Weil Christus als Gott überzeitlich ist, so wurde Er vor jedem Geschöpf, auch ante luciferum – „vor Luzifer“ außer- und überzeitlich gezeugt, nicht geschaffen. Denn an dieser Stelle macht die Übersetzung lucifer qua „Morgenröte“ wirklich wenig Sinn. Christus war vor Luzifer da und daher ist Luzifer neidisch.

Können wir denn die Emotionen Luzifers einsehen?

Interessanterweise schon, nicht nur durch theologische Lektüre, Lektüre von Privatoffenbarungen, Aussagen von Besessenen bei den Exorzismen, sondern ganz weltlich durch die Fernsehserie Lucifer. Sollte irgendjemand noch daran zweifeln, dass uns die Medien auf ein satanisches Zeitalter vorbereiten, indem sie Luzifer als einen positiven Helden darstellen, dann möge er sich diese Serie anschauen oder er tut es besser nicht. Sie ist sehr gut visuell gemacht, sehr dekadent und DSDZ musste über all das okkulte und vor allem gnostische Hintergrundwissen staunen, welches die Schreiber dieser Serie an den Tag legen. Solch ein Wissen lernen Sie nicht im Studium, es ist ein tiefes okkultes Wissen, in das Sie initiiert werden müssen. Es ist durchaus möglich, dass die Serie an sich ein okkultes Ritual darstellt und dass Sie vom Anschauen allein dämonisch infiziert werden können.

Echt jetzt?

Ja, wenn der Papstsegen durch Fernsehen oder Radio wirkt und es Ablässe dafür gibt, wenn Gebete für abwesende Personen wirken, dann wirken leider auch Verwünschungen oder Zauber auf Menschen die abwesend ist.

Wie schützt man sich dagegen?

Dadurch, dass man im Gnadenstand lebt und Sakramentalien verwendet, siehe die letzte Antipapst-Folge. Um auf das Luzifer-Motiv zurückzukommen, so verrät uns diese Fernsehserie, von der wir abraten, wie der gefallene Engel so denkt. Er fühlt sich vom „anderen Sohn“ – Christus – vom Thron gestoßen. Er meint, dass er – Luzifer – der „erste Sohn“ des Vaters – Gottes – sei, dessen Erstgeburt ihm „von dem Anderen“, d.h. Christus, weggenommen wurde. Das sagt der blasphemische Serien-Luzifer, dasselbe sagen die gnostischen Texte. Luzifer ist also neidisch und kann seinen Sturz nicht verwinden. Die Heilige Schrift bezeichnet den Neid als die Hauptmotivation des Teufels, der andere Geschöpfe darum beneidet, was er selbst nicht haben kann.[3]

invidia autem diaboli mors introivit in orbem terrarum 

Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt (Weish 2,24)

Während die eigentliche Motivation des Engelsturzes im Stolz bestand, denn er wollte ja nicht dienen,[4] so ist sein Verhältnis allen Geschöpfen gegenüber vom Neid gezeichnet. Es darf ihnen nicht besser ergehen als ihm selbst. Ja, der Dämon hasst alles und neidet alles: die Pflanzen, die Tiere und vor allem die Menschen. Der amerikanische Exorzist Father Ripperger sagt, dass er sich vom Dämon nicht die Lebensfreude rauben lassen will. Das ist sehr richtig beobachtet, denn der unglückliche Luzifer will nicht, dass wir irgendeine Freude erleben oder gar dauerhaft haben. Dabei gibt es durchaus die Eutrapelia – die „gute Unterhaltung“ nach Aristoteles, welche die goldene Mitte hält. Das ist Freude, das ist Humor. Gestern sah DSDZ eine Fernsehsendung, in der Menschen etwas machten, was ihnen selbst Freude machte und womit sie andere beschenkten. Sie waren dabei glücklich und strahlten Glück aus. Ja, es war ein Gut – bonum – ganz unten an der hierarchischen Bonum-Skala, aber „der Dämon hat nicht einmal das“, dachte sich DSDZ. Er beneidet uns sogar um solch einen Unsinn, weil er uns glücklich macht. Und heute kam die Antiphon – ante luciferum genitus – „vor dem Luzifer gezeugt“, welche erklärt, warum Luzifer neidisch ist. Weil er nicht der Erste und Wichtigste ist. Viele Menschen wissen nicht, dass diejenigen Gebete exorzistisch wirken, welche dem Dämon etwas auf den Kopf zusagen. Er kann sich gegen die Wahrheit nicht wehren, weil er selbst die Wirklichkeit objektiv sieht. Er kann sie uns gegenüber verfälschen, aber er selbst kann sich gegen die Wahrheit nicht wehren. Und deswegen hat der Große Exorzismus diese erzählerischen aber auch beleidigenden Passagen, wie andere Exorzismen auch. Alle unseren Gebete richten sich sowohl an die unsichtbare Welt wie auch gegen die unsichtbare Welt. Wir sind wirklich die ganze Zeit von guten und gefallenen Engeln umgeben, sodass solche Gebete wie ante luciferum genitus uns wirklich helfen. Und hier kommen wir auch zum Thema des Lateins. Der Vers ante luciferum wirkt nur auf Lateinisch, denn im Deutschen oder in einer anderen Sprache müssen Sie sich entweder für Luzifer oder für Morgenröte entscheiden. Beides zugleich geht nicht. Im Lateinischen schon. Und so zeigte die Fülle der Liturgie, die leider schon durch die Reformen des Pius X. gedimmt wurde, das absolut kosmische Ausmaß der Erscheinung Christi, vom Engelssturz angefangen. Sie haben aber nichts verpasst, liebe Leserin und lieber Leser, Sie können auf Ihrem Handy diese Gebete verrichten und mit dem einen Auge sogar den deutschen Text nachverfolgen. Die Laudes sind für den 7. Januar ganz übersetzt, die Matutin noch nicht. Eigentlich sind wir nicht ausreichend für unsere Zeiten dankbar, welche uns erlauben am X-beliebigen Ort das X-beliebige Brevier der Vergangenheit zu beten und uns selbst damit zu heiligen. Sie wollen doch nicht wie Ihr Herr Pfarrer oder ein Monsignore enden, gell?

[1] [Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: lucifer. Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 33327 (vgl. Georges-LDHW Bd. 2, S. 709)
http://www.digitale-bibliothek.de/band69.htm ]

[2] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will 2012, 384-835; Ott, Ludwig, Grundriss der Dogmatik, Bonn 201011, 185; Premm, Matthias, Katholische Glaubenskunde. Ein Lehrbuch der Dogmatik, Bd 1: Gott, Schöpfung und Sündenfall, Wien 19582, 562.

[3] Diekamp-Jüssen, Dogmatik, 383.

[4] Ebd., 384-385.

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