Tradition und Glauben

Roberto de Mattei, Die Wurzeln und geschichtlichen Konsequenzen des Modernismus (5 von 5)

Neo-Modernismus in der heutigen Kirche Wie weitreichend ist die Präsenz des Neo-Modernismus in der Kirche heute? Es ist schwierig, ein Seminar oder eine katholische Universität zu finden, die davor immun ist. Die Frage sollte umgekehrt gestellt werden: Welches Seminar oder welche katholische Universität ist dem Lehramt der Kirche treu? Leider ist es nicht schwierig, diese Frage zu beantworten. Der Modernismus durchdringt die Kirche, auch wenn nur wenige dies explizit behaupten. Unter ihnen ist Kardinal Gianfranco Ravasi, der in einem Artikel in der Zeitung Sole-24 Ore bekräftigte, dass die Idee bei der Grundlegung des Modernismus mit der Notwendigkeit eines kulturellen und systematischen „Aggiornamento der Analyse und Kommunikation der christlichen Botschaft verbunden sei“ und dass dieses Unternehmen „an sich nicht nur legitim, sondern notwendig war.“ In Ravasis Interpretation waren Loisy, Tyrrell und Buonaiuti „Theologen von großer intellektueller Qualität, die von der antimodernistischen Repression der Kirche angegriffen wurden.“[1] Außerdem verfasste Kardinal Ravasi ein Vorwort zu La vita di Antonio Fogazzaro[2], einem Buch von Tommaso Gallarati Scotti (1878-1940), das am 9. Dezember 1920 wegen der Verteidigung eines Autors, der schon mehrfach auf dem Index landete, dem vizentinischen Autor Antonio Fogazzaro (1842-1911), (ebenfalls) auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt wurde. Die Namen von Fogazzaro und Gallarati Scotti begleiten einander in den Seiten Kardinal Ravasis zusammen mit anderen Modernisten, wie Tyrrell, Loisy, Murri, Buonaiuti, von denen alle exkommuniziert wurden und an die Ravasi als Interpreten „des Ferments erinnert, das sich dann in Gesellschaft und Kultur entwickelte.“[3] Kardinal Kasper nimmt den Modernismus nicht so explizit wie Ravasi in Anspruch, aber seine philosophische und theologische Vision ist von denselben Fehlern durchdrungen. Seine Lehrer sind Schelling und Hegel, Heidegger und Rahner. Von diesen Autoren greift er die Idee einer „Erneuerung der theologischen Methode auf, in der das Werden vorherrscht, Zeit über Raum, Geschichte über Natur, Schrift über Tradition,…

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