Tradition und Glauben

Predigten zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage II – 1. Sonntag der Fastenzeit

Evangelium des ersten Sonntags in der Fastenzeit

Mt 4, 1 – 11 Alsdann [nach der Taufe durch Johannes den Täufer] wurde Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Da trat der Versucher an ihn heran und sprach: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so befiehl, daß diese Steine da zu Brot werden. Er gab ihm zur Antwort: „Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Dann nahm ihn der Teufel mit in die Heilige Stadt, stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprachh zu ihm: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so stürze dich hinab. Es steht ja geschrieben: Deinetwegen hat er seinen Engeln befohlen: Sie sollen dich auf ihren Händen tragen, damit du deinen Fuß an keinen Stein stoßest.“ Jesus entgegnete ihm: „Es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.“ Sodann nahm ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: „Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.“ Da gebot ihm Jesus: „Hinweg, Satan! Es steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen.“ Da verließ ihn der Teufel, und siehe, Engel kamen herbei und dienten ihm.

Predigtext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Papst Gregor.
Homilie 16 zu den Evangelien.
Es pflegt von einigen der Zweifel aufgeworfen zu werden, auf wessen Antrieb hin Jesus in die Einöde geführt worden sei, weil es doch unten heißt: „Es nahm in der Teufel in die heilige Stadt“; und wiederum: „Es nahm ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg“. Jedoch wird im wahren Sinne und ohne Frage in gebührender Weise angenommen, dass geglaubt werden muss, er sei vom Heiligen Geist in die Einöde geführt worden, so dass also ihn dorthin sein Geist führte, wo ihn zur Versuchung der böse Feind finden würde. Aber da! Wenn es vom Gottmenschen heißt, er sei vom Teufel auf einen hohen Berg oder in die heilige Stadt geführt worden, so sträubt sich der Geist, so etwas zu glauben; die menschlichen Ohren erschaudern, es zu hören. Und doch erkennen wir, dass dies nicht unglaublich ist, wenn wir erwägen, was an ihm auch sonst geschehen ist.

Gewiß ist der Teufel das Haupt aller derjenigen, die Unrecht tuen; und dieses Hauptes Glieder sind alle, die Unrecht Tuen. War nicht ein Glied des Teufels Pilatus? Waren nicht des Teufels Glieder die Juden, die Christus verfolgten, die Soldaten, die ihn kreuzigten? Was also ist zu staunen, wenn er sich von ihm auf den Berg führen ließ, da er es doch zuließ, von seinen Gliedern gekreuzigt zu werden? Es ist also für unseren Heiland nichts Entwürdigendes, daß er versucht werden wollte, da er ja dazu gekommen war, getötet zu werden. Es war doch billig, daß er unsere Versuchungen durch seine Versuchungen überwand, wie er gekommen war, unseren Tod durch seinen Tod zu überwinden.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

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