Tradition und Glauben

Christoph A. Ferrara, Die Heiligsprechungskrise (8 von 8)

In Teil I dieser Serie stellte ich die folgenden Dubia auf, da die Unfehlbarkeit von Heiligsprechungen nur eine wahrscheinliche theologische Meinung und kein Glaubensartikel sind: – Könnte die Gültigkeit einer Heiligsprechung, auch wenn sie nicht als solcher bezeichnet werden kann, in Frage gestellt werden, wenn nachgewiesen werden könnte, dass die Untersuchung des Kandidaten durch menschliches Versagen, Verzerrung oder Verlogenheit beeinträchtigt wurde? – Wäre ein päpstlicher Akt der Seligsprechung durch Rezitation der Seligsprechungsformel während des Seligsprechungsprozesses unfehlbar ex sese (aus sich selbst heraus), auch wenn es keine vorherige Untersuchung des Kandidaten gäbe? – Wenn der päpstliche Akt der Heiligsprechung unfehlbar ex sese ist, besteht dann eine Notwendigkeit für den von den Päpsten selbst entwickelten Untersuchungsprozess vor der Heiligsprechung, um Garantien für die Wahrhaftigkeit der Wunder und die Heiligkeit eines Kandidaten zu bieten; und wenn es notwendig ist, warum ist es notwendig? – Wenn ein päpstlicher Kanonisierungsakt nicht unfehlbar ex sese ist, ist dann die Integrität des Untersuchungsprozesses, der ihm vorausgeht, für den Anspruch auf Unfehlbarkeit nicht wesentlich, und wenn nicht, warum nicht? Diese Fragen, so bemerkte ich, „können nur vom Lehramt endgültig beantwortet werden“.  Die Kirche hat nie erklärt, dass sie nicht mehr diskutiert werden darf.  Im Gegenteil, sie haben nie aufgehört, Gegenstand von Debatten zu sein. Daraus folgt ein weiteres verwandtes Dubium, wie in diesem Teil II vorgeschlagen: Wenn die Integrität des Untersuchungsprozesses für die Unfehlbarkeit einer Heiligsprechung wesentlich ist, und wenn der Prozess angebliche medizinische Wunder untersucht, ist dann nicht auch die Beweisqualität zur Befürwortung der angeblichen Wunder ein wesentliches Element, so dass offensichtlich zweifelhafte Wunder, die auf natürliche Weise leicht erklärbar sind, einschließlich moderner „aggressiver“ medizinischer Behandlung, dazu neigen würden, das Vertrauen in die Gültigkeit der Heiligsprechung zu untergraben und Gründe für vernünftige Zweifel an ihrer Gültigkeit zu liefern? Paul VI. zelebriert die erste neue Messe , zerstört beinahe den römischen Ritus, wird zum päpstlichen Katalysator für Massenautritte und Glaubensabfall . Ich kann der gestern von Peter Kwasniewski geäußerten Ansicht nur zustimmen:   „Mit der stark zunehmenden Zahl von Heiligsprechungen; der Beseitigung der Hälfte der erforderlichen Anzahl von Wundern (die manchmal sogar aufgehoben werden); dem Fehlen einer robusten Rolle des Advocatus Diaboli; und der manchmal überstürzten Art und Weise, wie die Dokumentation überprüft oder manchmal übergangen wird (wie es anscheinend bei Paul VI. der Fall war), scheint es mir nicht nur, dass es unmöglich geworden ist zu behaupten, dass die heutigen Heiligsprechungen immer unsere Zustimmung erfordern, sondern auch, dass es Heiligsprechungen geben kann, zu denen man verpflichtet wäre, die Zustimmung zu verweigern“. Was Dr. Kwasniewski sagt, ist, dass sich die Natur der Heiligsprechung in den letzten Jahrzehnten verändert zu haben scheint, so dass es durchaus sein kann, dass wir es nicht mehr mit demselben zu tun haben, was uns der heilige Papst Pius X. beschert hat, und dass wir das Gewissen verletzen würden, wenn wir blind jedes Ergebnis des aktuellen Prozesses akzeptieren würden. Was den traditionellen, äußerst rigorosen Prozess zu ersetzen scheint, ist eine Art gewichtige Auszeichnung, die von einem Ausschuss, der diese Auszeichung ohne wesentlichen Widerstand garantiert, verliehen wird. Kurz gesagt, können wir nicht nicht mehr von einer angemessenen Sichtweise  einer hieb- und stichfesten Ermittlung ausgehen, dass jeder von der „Heiligenfabrik“ gebilligte Kandidat nicht nur die Anschauung Gottes erlangt hat, sondern ein Tugend-Modell für die universelle Kirche ist, die von allen Gläubigen wegen seines herrlichen Beispiels der Konformität mit dem göttlichen Willen verehrt werden muss.  Wer kann das mit aller Ehrlichkeit über Paul VI. sagen? Wie Dr. Kwasniewski bemerkt:   „Paul VI. beobachtete nicht hilflos die „Selbstzerstörung“ der Kirche (seine eigene Bezeichnung für den Zusammenbruch nach dem Konzil); er residierte nicht nur während der einmalig größten Autrittswelle  katholischer Laien, Geistlicher und Ordensleute seit der protestantischen Revolte. Er unterstützte und begünstigte diese innere Verwüstung durch sein eigenes Handeln …“ Viele Katholiken sind zu Recht besorgt wegen Papst Franziskus. Aber was er in den letzten fünf Jahren getan hat, sind wohl Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was Paul VI. die Dreistigkeit hatte, zu tun: eine neue Liturgie anstelle der Alten Römischen Messe und der sakramentalen Riten, was den größten inneren Bruch verursachte, den die katholische Kirche je erlitten hat. Dies entsprach dem Abwurf einer Atombombe auf das Volk Gottes, die entweder ihren Glauben auslöschte oder durch ihre Strahlung Krebs verursachte. Es war die eigentliche Verneinung der Vaterschaft, der väterlichen Funktion des Papsttums, das Familienerbe zu bewahren und weiterzugeben. Alles, was nach Paul VI. geschehen ist, ist nicht mehr als ein Echo auf diese Verletzung des heiligen Tempels. Sobald das Allerheiligste entweiht ist, ist nichts anderes mehr sicher; nichts anderes ist mehr stabil. Abschließend möchte ich sagen, dass ich die von John Lamont im August geäußerte begrenzte Schlussfolgerung nur als meine eigene annehmen kann: „[W]ir brauchen nicht alle Heiligsprechungen aus dem Charisma der Unfehlbarkeit auszuschließen; wir können immer noch behaupten, dass diejenigen Heiligsprechungen, die dem strengen Verfahren früherer Jahrhunderte folgten,…

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