Tradition und Glauben

Himmelfahrt warum?

Da wir bei den Messen zum Himmelfahrtsfest über alles Mögliche hören werden nur nicht über die Himmelfahrt selbst, so wollen wir hier ganz kurz darlegen, warum Christus überhaupt gegen den Himmel aufgefahren ist.

Ja, warum denn?

Weil die Erde ein Jammertal ist und daher Christi erhöhter Natur nach seiner Auferstehung nicht entsprach. So in etwa fasst es Thomas von Aquin auf (Summ. theol. III, q. 57 a.1.) und ganz genau heißt es bei ihm wie folgt:

b) Ich antworte, der Ort müsse dem im Orte befindlichen Wesen entsprechen. Nun ist der Ort, in dem wir wohnen, der Ort des Entstehens und Vergehens, nämlich der Vergänglichkeit; — der Himmel ist der Ort der Unvergänglichkeit. Also kam es Christo, der unvergängliches Leben angenommen hatte, dem Leibe nach zu, im Himmel zu sein.

Christus ist Gott und Mensch und nach seiner Auferstehung in seiner Menschlichkeit verwandelt und erhöht. Er kehrt zum Vater von seiner Mission zurück und zeigt uns unsere eigentliche Heimat, welche im Himmel ist. Die Himmelfahrt Christi ist eine eindeutige Absage an den Horizontalismus des Deuterovatikanismus oder ohne Fremdwörter ausgedrückt:

Es stimmt nicht, dass das Paradies auf Erden ist, das Körperliche besser als das Geistige und Christus ganz, ganz nahe bei uns sein wollte.

Wäre dies der Fall, dann wäre er nicht gen Himmel aufgefahren. Er war und ist unsterblich, so hätte er auf der Erde bleiben können. Dies tat er jedoch nicht, um die richtigen Prioritäten zu setzen.

Quae sursum sunt sapite- Danach, was oben ist, danach trachtet! (Kol 3,2)

Nach dem hl. Thomas war Christus durch seine Himmelfahrt auf vielfache Weise die Ursache unseres Heils geworden:

Ich antworte, das Aufsteigen des Herrn sei Ursache unseres Heiles

1. von unserer Seite her; 2. von Christi Seite her:

1. Von unserer Seite her; weil durch sein Aufsteigen unser Geist veranlaßt wird, zu Ihm sich hinzubewegen in Glaube, Hoffnung und Liebe (Art. 1.) und weil wir größere Ehrfurcht vor Ihm haben, da wir Ihn nicht mehr als einen irdischen, sondern als einen himmlischen Menschen anerkennen, nach 2. Kor. 5.: „Und wenn wir Christum nach dem Fleische (d. h. als sterblich) gekannt haben, nun erkennen wir Ihn nicht mehr so.“

2. Von seiner Seite her ist Er Ursache unseres Heiles, weil er aufgestiegen:

a) „damit Er uns den Platz bereite“ (Joh. 14, 2.; Mich. 2, 13.); denn da Er unser Haupt ist, müssen wir als Glieder Ihm folgen, wie Er selbst sagt: „Damit wo ich bin, auch ihr seid“ (Joh. 14.); und um dies auszudrücken hat Er die Seelen der Altväter mit Sich genommen in den Himmel, nach Ps. 67.: „Aufsteigend in die Höhe, hat Er gefangen genommen und mit Sich geführt die Gefangenschaft;“ —

b) weil, wie der Hohepriester im Alten Bunde eintrat in das Allerheiligste, um für das Volk zu beten, Christus „in den Himmel eintrat, um unser Fürbitter zu sein;“ denn daß die menschliche Natur so im Himmel sich vorstellt, dies selbst ist eine gewisse Fürbitte für uns, daß Gott, der diese Natur in Christo so hoch erhoben hat, nun auch unserer sich erbarme, für die der Sohn Gottes die Natur des Menschen angenommen; —

c) weil Er nun im Himmel thronend als Gott und Mensch, göttliche Gaben den Menschen zuteil, nach Ephes. 4.: „Er stieg auf über alle Himmel, daß Er Alles anfülle“ d. i. „mit seinen Gaben“ (Glosse).

Wir sind alle naturwissenschaftlich geprägt und denken wohl beim „Himmel“ an die Wolken, die Atmosphäre etc., die wir auch bei jedem Flug um uns oder unter uns sehen. Aber das ist nicht der „Himmel“ im theologischen Sinne. Mit „Himmel“  sind transzendente geistliche Dimensionen gemeint. Reden Sie mit dem Esoteriker oder dem Okkultisten um die Ecke. Der wir es Ihnen erklären, viel besser als Ihr Pfarrer, Gott sei’s geklagt, weil die Esoteriker mit diesen „Dimensionen arbeiten“. Wir wollen besser nicht wissen, wie. Aber die menschliche Natur an sich war vor der Himmelfahrt Christi unfähig diese Dimensionen überhaupt zu durchschreiten. Denn durch die Annahme der menschlichen Natur in der Menschwerdung Gottes und ihre Erhöhung durch die Auferstehung und Himmelfahrt Christi wurde die menschlichen Natur so gewandelt, dass sie diese Dimensionen durchschreiten kann. Sie werden jetzt vielleicht sagen, dass Christus leibhaftig und den Himmel aufgestiegen ist, wir aber nur mit der Seele nach dem Tod. Dies stimmt, aber unsere Seele, wenn auch unkörperlich, so ist sie menschlich und nicht göttlich und da menschlich, so war ihr ein sicherer Aufstieg vor der Himmelfahrt Christi in diese Regionen nicht möglich. Zwar gibt es allerhand Himmelfahrts-Erzählungen in der Mythologie, diese aber, waren dämonisch und nicht göttlich. Die Dämonen können uns vieles vorgaukeln, von den höheren Himmelsregionen wurden sie aber vertrieben. Und gerade dorthin, wo die nicht mehr sind, kann die menschlichen Seele aufsteigen, zum Leid- und Neidwesen der Dämonen, natürlich. Deswegen sagt die Theologie, dass die Himmelfahrt Christi uns das Paradies geöffnet hat, was den Ort anbelangt, nicht die Schau (Summ. theol. III, q. 49 5 ad 4). Denn vor seiner Himmelfahrt konnte niemand das himmlische Paradies betreten, sondern es höchstens schauen, wie der gute Schächer (Summ. theol. III q. 52 4 ad 3.) Man kann sich also die Himmelfahrt Christi wie die Wirkung eines Eisbrechers vorstellen, der das Eis für die nachfolgenden Schiffe bricht. Denn erst danach war ein Eingehen in die Herrlichkeit Gottes für die Menschen möglich.  Die absolute Transzendenz Gottes wurde dadurch nicht aufgehoben, aber der Aufstieg der Seele zum himmlischen Paradies, das irdische von Adam und Eva gibt es ja nicht mehr, wurde möglich gemacht. Daher sollen wir uns am Vertikalen ausrichten, damit das Horizontale im Lot bleibt. Amen.

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