Tradition und Glauben

22. Juli – hl. Büßerin Maria Magdalena

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Vierte Lesung

Predigt vom heiligen Papstes Gregor. Maria Magdalena, die in der Stadt als Sünderin gegolten hatte, hatte dadurch, dass sie den liebte, der die Wahrheit ist, die Makeln ihres Lasters abgewaschen; und das Wort dessen, der die Wahrheit ist, erfüllte sich: „Ihr sind viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat.“ Diejenigen nämlich, die vorher in der Sünde kalt geblieben war, die kam daher durch die Liebe gewaltig zur Glut. Sie ging vom Grabe des Herren nicht weg, auch als die Jünger sich entfernten; sie suchten nach demjenigen, den sie nicht fand; sie weinte beim Suchen und, entbrannt im Feuer der Liebe zu ihm, glühte sie vor Sehnsucht nach demjenigen, von dem sie glaubte, er sei gestohlen. So kam es, dass sie ihn damals allein zu sehen bekam, weil sie zurückgeblieben war, um ihn zu suchen; denn was dem guten Werke bis die Kraft gibt, ist die Beharrlichkeit.

Fünfte Lesung

Sie suchte also zuerst und fand keineswegs; sie verharrte beim Suchen, und so kam es, dass sie ihn fand. So ist es möglich geworden, dass die Sehnsucht, deren Erfüllung sich hinausschob, größer wurde, und dass die Sehnsucht mit größerer Kraft das erfasste, was sie fand. So ist zu erklären, dass von ihm die Kirche als Braut im Hohen Lied sagt: „Auf meinem Lager suchte ich in den Nächten den Liebling meiner Seele.“ Den Liebling suchen wir nämlich auf dem Lager, wenn wir während der so geringen Ruhe dieses Lebens auch seufzen in der Sehnsucht nach dem Heiland. In der Nacht suchen wir; denn wenn auch der Geist in ihm wachen ist, bleibt dennoch das Auge noch finster.

Sechse Lesung

Aber demjenigen, der seinen Liebling nicht findet, bleibt nur übrig, dass er „aufstehend und die Stadt durchwandert“, d. h. die heilige Gemeinschaft der Auserwählten aufmerksam und suchend überschaut; dass er „in den Stadtvierteln und auf den Plätzen sucht,“ d. h. so sieht, wie sie auf den schmalen und auf den breiten Pfaden wandern; dass er, wenn er bei ihnen etwas finden kann, dessen Spuren nachzugehen sucht; denn es gibt auch manche unter den Weltleuten, die bezüglich des Tugendwandels etwas Nachahmenswertes haben. Beim „Suchen treffen uns aber die Stadt Wächter;“ denn die heiligen Väter, die den Bestand der Kirche bewachen, kommen unseren guten Wünschen entgegen, indem sie uns durch Wort oder Schrift belehren. Und wenn wir „bei diesen ein wenig vorbeigegangen sind, finden wir den Liebling;“ denn unser Heiland war, obwohl er mit seiner Menschheit zu den Menschen gehörte, aufgrund seiner Gottheit über den Menschen.

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Siebte Lesung

Evangelium (Luc 7, 36-50)

In jener Zeit bat ein Pharisäer Jesus, dass er bei ihm speise. Er ging in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. Nun lebte in jener Stadt ein Weib, eine Sünderin. Als sie erfuhr, dass er in dem Hause das Pharisäers zu Tische sei, brachte sie ein Alabastergefäß mit Salböl und trat hinter ihn zu seinen Füßen. Sie benetzte seine Füße mit ihren Tränen, trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes, küsste seine Füße und salbte sie mit der Salbe. Als der Pharisäer, der ihn geladen hatte, dies sah, sprach er bei sich: „Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine dieses Weib ist, das ihn berührt; sie ist ja eine Sünderin.“ Da redete ihn Jesus an und sprach: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen.“ „Meister, rede“, entgegnete dieser. „Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner, der eine war ihm 50 Denare schuldig, andere der andere 50. Da sie nicht bezahlen konnten, schenkte er beiden die Schuld. Welche von ihnen wird ihn nun mehr lieben?“ Simon antwortete: „Ich glaube der, dem er mehr Geschenk hat.“ „Du hast recht geurteilt“, entgegnete er ihm. Dann wandte er sich zu dem Weibe und sprach zu Simon: „Siehst du dieses Weib? Ich kam in dein Haus, und du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; sie aber hat meine Füße mit Tränen vernetzt und sie mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seitdem sie hereinkam, nicht aufgehört, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; diese aber hat meine Füße mit Salbe übergossen. Darum sage ich dir: Ihr werden viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat; wem aber weniger gegeben wird, der liebt auch weniger.“ Dann sprach er zu ihr: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Da sprachen die Tischgenossen zueinander: „Wer ist dieser, dass er sogar Sünden vergibt?“ Er aber sprach zu dem Weibe: „Dein Glaube hat dir geholfen, geh hin in Frieden.

Auslegung vom heiligen Bischof Augustinus. Als das Evangelium vorgelesen wurde, habt ich dir mit größter Aufmerksamkeit zugehört; und die Begebenheit ist vor den Augen eures Geistes berichtet und dargestellt worden. Ihr habt nämlich nicht mit leiblichen, sondern mit geistigen Augen gesehen, wie der Herr Jesus Christus im Haus das Pharisäers zu Tische war, und die von ihm erhaltene Einladung nicht ablehnte. Ihr habt auch gesehen, wie die in der stadtbekannte Frauensperson, die natürlich in schlechtem Ruf verstand, da sie Sünderin war, ohne Einladung sich zum Gastmahl hineindrängte, wo ihr Arzt seinen Platz hatte und in frommer Rücksichtslosigkeit die Genesung suchte; sich hineindrängend, weil sie lästig war für das Gastmahl, willkommen für den Empfang der Segen. Sie wusste nämlich, an welch schlimmer Krankheit sie litt; und sie wusste auch, dass derjenige geeignete war sie zu heilen, zu dem sie gekommen war.

Achte Lesung

Sie trat also hinzu, nicht zum Haupt des Herrn, sondern zu seinen Füßen. Und diejenige, die lange einen schlechten Wandel geführt hatte, suchten die Spuren in richtiger Weise. Zunächst vergoss sie Tränen im Herzen, und wusste die Füße des Herrn durch ihr hingeben des Bekenntnis, sie wischte sie ab mit ihren Haaren, küsste sie, sei liebte sie. Stillschweigend redete sie; sie gab kein Wort von sich, zeigte aber ihre Ergebenheit. Weil sie also den Herrn berührt hatte durch das Benetzen, Küssen, Abwischen und Salben seiner Füße, kam der Pharisäer, der den Herrn Jesus Christus eingeladen hatte, und der zur Gattung der stolzen Menschen gehörte, von denen der Prophet Isaias sagt: „Sie reden: weiche weit von mir, denn ich bin ein Reiner“ zu dem Glauben, der Herr habe die Frauensperson gar nicht gekannt.

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Neunte Lesung

O Du pharisäischer Mann, der du den Herrn als Gast einladen ist und ihn mit Hohn behandelst; du speisest den Herrn und siehst nicht ein, von wem du gespeist werden muss. Woher weißt du anders, dass der Herr nicht gewusst habe, wer die Frauensperson war, als daher als sie zu ihm hintreten durfte, als dass er zuließ, dass jene seine Füße küsste, als dass er zuließ das Abwischen, das Salben derselben? Sollte der nicht gestattet werden dürfen, dass solches an den reinen Füßen ein unreines Weib tat? Wenn eine solche Frauensperson zu den Füßen jenes Pharisäers hinzugetreten wäre, hätte er gesagt, was Isaias von solchen sagt: „Weg von mir, rühre mich nicht an; denn ich bin ein Reiner.“ Sie trat aber zum Herrn als Unreine, um als Reine wegzugehen; sie trat als Kranke zu ihm, um als Gesunde wegzugehen; sie trat hinzu also Bekennende, um als ihn Preisender wegzugehen.

Kirchengebet: Lass uns, wir bitten dich auch, an der Fürsprache der heiligen Maria Magdalena eine Hilfe erhalten, auf deren flehen hin du dich hast erbitten lassen, ihren vier Tage im Grabe liegenden Bruder Lazarus vom Tode zum Leben zu erwecken.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

Quelle: Quelle: Das kirchliche Stunden Gebet oder das römische Brevier, übersetzt und erklärt von Erzpriester Stefan Dr. theol. et phil., Bd. 2: Ostern mit Schluss des Kirchenjahres, Regensburg: Pustet 1927, 989-991.

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