Tradition und Glauben

Paolo Pasqualucci, „Bruchstellen“ des II. Vatikanischen Konzils mit der Tradition der Kirche (1 von 6)

Der unten angeführte Text, den wir in der herausragenden und aufopferungswilligen Übersetzung von Eugenie Roth wiedergeben, denn der Text ist schwierig, ist ursprünglich im März 2018 bei onepeterfive erschienen. Da er zu den Texten dieser Art gehört, die nicht sehr schnell altern, so bringen wir ihn erst jetzt. Die erste Vorrede stammt von Steven Skojec, der eigentliches Text setzt unterhalb der Überschrift ein. Das obere Bild stellt eine Höllenqual dar, welche darin besteht, das man beim gedeckten Tisch verhungert, zur Freude der Dämonen. Wie wir nach dem Vat. II „der Tisch des Wortes“, das Blah-Blah-Blah der Theologie haben und alle verhungern, wenn wir nicht zu den Esoterikern oder den Evangelikalen überlaufen. Gut gemacht, Konzil!

Es ist unvermeidlich geworden, dass wir in unseren Versuchen, die gegenwärtige Krise in der Kirche zu verstehen, auf die Ereignisse zurückschauen müssen, die sie herbeigeführt haben. Diesbezüglich gibt es vielleicht kein mehr debattiertes Thema als die Frage, ob das II. Vatikanische Konzil ungerechterweise durch eine schlechte Umsetzung und Interpretation beschädigt wurde — durch den unklaren und oft gewagt so genannten „Geist des Zweiten Vatikanums“ – oder ob es in sich selbst problematisch und somit nachhaltig prägend war, indem es uns zum gegenwärtigen Punkt der Kirchengeschichte gebracht hat. Was jedoch außer Frage steht ist, dass das Konzil auf die eine oder andere Weise eine entscheidende Rolle in der Abweichung des zeitgenössischen Katholizismus‘ von seit langer Zeit bestehenden Traditionen der immerwährenden Kirche hatte – liturgisch, sakramental und lehrmäßig.

Heute legen wir eine Analyse von Paolo Pasqualucci vor, einem katholischen Philosophen und emeritierten Professor der Rechtsphilosophie  an der Universität von Perugia, Italien. Pasqualucci stellt in dieser Bearbeitung der Einführung zu seinem Buch Unam Sanctam – A Study on Doctrinal Deviations in the Catholic Church of the 21st Century, (Unam Sanctam – Eine Studie über lehramtliche Abwege in der Katholischen Kirche des 21. Jahrhunderts) 26 eindeutige Bruchstellen mit der Tradition der Kirche in den Texten der Dokumente des II. Vatikanums selbst heraus.

Wir legen dies unseren Lesern nicht als das letzte Wort zum II. Vatikanum vor, sondern als Einführung zu einem notwendigen Gespräch, das schließlich für viele Katholiken eine Überlegung wurde, die nun gezwungen sind zu beurteilen, wie und warum wir zum heutigen Zustand der Kirche gekommen sind — und was wir möglicherweise korrigieren müssen, um unseren Weg zurück zu finden. Wir möchten Professor Pasqualucci für die Erlaubnis danken, sein Essay hier zu veröffentlichen, Dr. Maike Hickson, der die Veröffentlichung möglich gemacht hat, und Giuseppe Pellegrino für seine mühevolle Arbeit, das gesamte Stück für unsere Leser ins Englische zu übersetzen.

Paolo  Pasqualucci: Die „Bruchstellen des Zweiten Vatikanischen Konzils mit der Tradition der Kirche – eine Zusammenfassung“

Ich veröffentliche hier, dank Maike Hickson, ohne Fußnoten und leicht bearbeitet den ersten Teil der „Einführung“ meines Buches: P. Pasqualucci, “UNAM SANCTAM. Studio sulle deviazioni dottrinali nella Chiesa Cattolica del XXI  secolo”, Solfanelli, Chieti, 2013, pp. 437; pp. 10-18.

Es gibt 26 „Bruchstellen“ die ich aufliste, wobei ich mir bewusst bin, dass man auch mehr finden würde. Die ersten zwölf nehme ich aus dem Werk von Msgr. Brunero Gherardini: “Concilio Ecumenico Vaticano II.  Un discorso da fare” (2009) und aus “Quod et tradidi vobis – La tradizione vita e giovinezza della Chiesa”(2010). Man kann sie auch finden – teilweise vorweg genommen – in dem grundlegenden Text von Romano Amerio, “IOTA UNUM. Studio delle variazioni della Chiesa cattolica nel secolo XX”, 1985, ohne selbstverständlich das Werk von Msgr. Marcel Lefebvre zu vergessen, “J’accuse le Concile!”(1976).   

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  1. Es scheint, dass die tatsächliche Bedeutung, die man der Pastoralen Konstitution Gaudium et Spes– Über die Kirche in der modernen Welt (GS)- beimisst, nicht mit der Tradition der Kirche übereinstimmt; sie scheint im Ganzen durchdrungen zu sein von dem Geist der sogenannten „Neuen Aufklärung“.

  1. GS 22.2 bekräftigt, dass der Sohn Gottes durch Seine Menschwerdung „sich in gewisser Weise mit jedem Menschen vereint hat“, eine außerordentliche Bekräftigung, welche die Menschwerdung auf jeden von uns zu erweitern und dabei den Menschen zu vergöttlichen scheint.

  1. Die Zuordnung desselben Glaubens an Christus zu allen Christen, einschließlich derer, welche von der katholischen Kirche „getrennt“ sind, stellt den katholischen Glauben unzulässigerweise mit dem Glauben von Schismatikern und Häretikern gleich. Man nimmt insbesondere zur Kenntnis, dass das DekretUnitatis Redintegratioüber den Ökumenismus sogar „getrennte Kirchen und Gemeinschaften“ ungeachtet ihrer „Defizite“ als wahre und geeignete „Heilsmittel“ betrachtet, „die ihre Wirkkraft eben aus der Fülle der Gnaden und Wahrheit erlangen, welche der Kirche anvertraut sind“ (UR 3.4).

  1. GS 24.3 bekräftigt, das „der Mensch die einzige Kreatur auf Erden ist, welche Gott um ihrer selbst willen wollte“, als ob der Zweck, welche die Erschaffung des Menschen führte, etwas anderes gewesen sein könnte als die Feier der Ehre Gottes und Gottes als letztes Ziel aller Dinge.

  1. Die Vorstellung von der Kirche, welche in dem gewundenen Artikel 1 der Dogmatischen Konstitution über die Kirche,Lumen Gentium(als von der Tradition unterschiedlich) hervorsticht, präsentiert als „Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“, ohne das übernatürliche Ziel der Kirche zu erwähnen – das ist die Rettung der Seelen – das Einzige, was ihre Existenz rechtfertigt.

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