Tradition und Glauben

Paolo Pasqualucci, „Bruchstellen“ des II. Vatikanischen Konzils mit der Tradition der Kirche (5 von 6)

Es ist wirklich schrecklich zu sehen, wie all das, womit wir uns jetzt plagen, wie: Feminismus, Gender, Frühsexualisierung, Esoterik, Heidentum, Okkultismus und Satanismus wirklich ihren Ursprung in Vat. II hatten. Diese Ideen, welche Pasquallucci unten analysiert, waren vor 1962 in der Welt wirklich kaum vorhanden. Im Katholizismus waren sie aber wirklich noch niemals vorhanden. Das Konzil mit seiner erzwungenen Verbreitung in der ganzen Kirche fungierte als eine riesige Bazillenschleuder für die ganze Welt. Wie wir es auch drehen und wenden, Katholizismus ist immer noch die größte, die zahlreichste und die erfolgreichste Religion. Wenn also diese Religion irgendwelche abstrusen Ideen übernimmt, so ist es verständlich, dass diese Ideen wirklich auf der ganzen Welt verbreitet werden. Daher ist das Jahr 1968 erst durch das Konzil und nicht trotz des Konzils erklärbar. All die Lawinen der sexuellen Revolution und der Verbreitung der außerchristlichen Religionen bis zur Esoterik hin ist dadurch zu erklären, dass das Konzil diese Ideen in den katholischen und anschließend in den weltlichen Mainstream brachte. Das Yogazentrum um die Ecke, der Esoterikladen, der tantrische Sex, von der Allgegenwart des Buddhismus ganz zu schweigen, haben wirklich in Nostra aetate ihren Ursprung. Jemand wird jetzt aber sagen, dass doch nicht jeder katholisch sei und ob sich denn jeder diese Konzilsdokumente durchlesen werde. Dies stimmt, aber die Reihenfolge sah wie folgt aus:

  1. Die Konzilsdokumente lasen die Theologen und die Bischöfe.
  2. Die Konzilsdokumente wurden auf den theologischen Fakultäten implementiert.
  3. Diese Ideen übernahmen andere Fakultäten (Philosophie, Soziologie, Pädagogik, Kommunikationswissenschaften etc.)
  4. Diese Ideen kamen durch den Religionsunterricht in die Schulen.
  5. Diese Ideen kamen in die Presse und in die Medien.
  6. Wo die Betreiberin des Esoterik Shops sie auch aufgriff.

Natürlich dauerte das mehrere Jahrzehnte, aber der Ausbruch von New Age in den 1980ern, was den Mainstream anbelangt, ist nur dadurch zu erklären, dass diese Ideen vorher schon irgendwelche Breitenwirkung ausübten.

  1. Drei „Bruchstellen“, welche zusammenhängen: Die Öffnung für den Feminismus (GS 29, 52, 60) und öffentlichen Sexualkundeunterricht (Dekret über die christliche Erziehung Gravissimum educationis, GE 1), zurecht von den Vorgängerpäpsten (Pius XI. und Pius XII.) verdammt, weil dies unmoralisch und verderblich ist und der umsichtigen und privaten Einschätzung von Eltern und Lehrern bedarf; die Erhöhung der „Gemeinschaft von Leben und Liebe“ zu einem primären Ziel der Ehe, bis zu dem Punkt, dass das Ziel der Zeugung und Erziehung von Kindern lediglich als „die ultimative Krone“ [fastigium] dieser „Gemeinschaft“ erscheint und nicht als das ausschließliche Ziel, für welches sie besteht (GS 48).

  1. Die vielfachen ungewöhnlichen und irreführenden Stellungnahmen bezüglich nichtchristlicher Religionen in dem Dokument Nostra Aetate. Es erklärt sogar, dass diese „gleichwohl oft einen Strahl der Wahrheit widerspiegeln, welche alle Menschen erleuchtet“ (NA 2.3) und, unglaublich, die Katholiken ermahnt, „die guten geistlichen und moralischen Dinge als auch die soziokulturellen Werte, die man unter diesen Menschen findet, zu erkennen, bewahren und befördern“ (NA 2.3)! Diese Erklärung (aber auch LG 16: „gemeinsam mit uns beten sie den einen und barmherzigen Gott an [nobiscum Deum adorant unicum et misericordem]”) scheint sogar die Offenbarung, welche von Mohammed verkündet wurde, als echt anzuerkennen und hält die zweifelhafte „Christologie“ und „Mariologie“ des Korans für akzeptabel (NA 3.1). Bezüglich der Juden scheint die Erklärung zu glauben, dass Christus Juden und Christen bereits versöhnt habe und ignoriert einfach die Tatsache, dass der Judaismus sich nicht bekehrt hat und Christus gegenüber feindlich gesinnt bleibt, indem er seine falsche diesseitige messianische Hoffnung aufrechterhält. Diese vermutete Versöhnung macht die Theologie der Substitution unsicher, welche wie wir wissen den radikalen und offensichtlichen Ersatz des Judentums durch das Christentum als die einzig wahre offenbarte Religion einschließt (NA 4).

  1. In Würdigung des Hinduismus sagt die Erklärung, dass seine Anhänger „das göttliche Mysterium betrachten und es durch eine unerschöpfliche Fülle von Mythen und durch die Suche nach philosophischen Erkenntnissen ausdrücken. Sie suchen Freiheit von der Qual unseres menschlichen Zustandes, entweder durch aszetische Praktiken oder tiefgründige Meditation oder eine Flucht zu Gott mit Liebe und Vertrauen“ (NA 2.2). Diese Schilderung ist vollkommen irreführend, weil es den Katholiken dahinführt, die Mythologie und Philosophie des Hinduismus für zulässig zu halten, als ob er „das göttliche Mysterium“ tatsächlich „betrachte“, und als ob der Aszetismus und Mystizismus etwas vergleichbares erreichen könne wie der christliche Aszetismus. Wir wissen jedoch, dass die Mischung aus Mythologie und Spekulation, welche die Spiritualität Indiens seit der Zeit der Vedas (16. – 10. Jhd. v. Chr.) charakterisiert, sich selbst mit einem Konzept aus der Göttlichkeit und der Welt betrügt, das monistisch und pantheistisch ist. Tatsächlich weiß der Hinduismus – indem er Gott als unpersonale und kosmische Kraft begreift – nichts von der Vorstellung der Schöpfung ex nihilo und unterscheidet als Ergebnis dessen nicht zwischen wahrnehmbarer Realität und übernatürlicher Realität, materielle Realität und geistlicher Realität, zwischen dem Ganzen und einzelnen Dingen. Als Ergebnis dessen löst sich jedes individuell existierende Ding in den unbestimmten kosmischen Einen auf, von dem Alles entspringt und zu dem Alles auf ewig zurückkehrt, während Alles, was als Einzelnes existiert, in sich selbst eine reine Erscheinung sei. Diesem Denken, das lt. Konzil „fundiert“ ist, fehlt unvermeidlich [sowohl] die Vorstellung der individuellen Seele (welche im Gegensatz [zum Hinduismus] bereits den alten Griechen bekannt war) [als auch] was wir den freien Willen nennen.

Das Bild wird von der Lehre der Wiedergeburt vervollständigt, einem absolut inakzeptablen Konzept, das im Schema der Dogmatischen Konstitution De deposito fidei pure custodiendo, verdammt wird, die in der Vorbereitungsphase des Konzils entworfen wurde und von den Novatores oder progressiven Kardinälen und Bischöfen zu Beginn des Konzils zum Scheitern gebracht wurde (mit dem Einverständnis von Papst Johannes XXIII.), zusammen mit dem Rest der eindrucksvollen und extrem akkuraten Vorbereitungsarbeit, die drei Jahre dauerte. In der Tat scheint die sog. Hindu-„Aszese“ eine Form von Epikureismus zu sein, die verfeinerte und egozentrische Suche nach einer überlegenen spirituellen Indifferenz gegenüber jedem Wunsch, sogar einem guten, und gegenüber aller Verantwortung; eine Indifferenz, die mit der Behauptung gerechtfertigt wird, dass alle Leiden die Fehler eines vorherigen Lebens gutmachen, wie es von dem falschen Glauben an die Reinkarnation gelehrt wird.

  1. Über den Buddhismus, eine teilweise gereinigte, autonome Variante des Hinduismus‘, stellt die Deklaration fest, dass „[er] in seinen verschiedenen Formen das radikale Ungenügen dieser veränderlichen Welt verwirklicht; er lehrt einen Weg, auf dem der Mensch mit einem gläubigen und vertrauensvollen Geist fähig sein kann, entweder den Zustand der vollkommenen Befreiung zu erwerben, oder durch seine eigenen Bemühungen oder durch höhere Hilfe höchste Erleuchtung.“ (NA 2.2). Dies ist das Bild eines Buddhismus, wie er von dem bekannt unorthodoxen Henry de Lubac S. J. verzeichnet dargestellt wird; d. h., überdacht und verschönert, um ihn arglosen Katholiken präsentieren zu können. In der Tat sind sie nicht darüber informiert, dass als Kontrapunkt zu dem „radikalen Ungenügen dieser veränderlichen Welt“ die Buddhisten eine wahre und reale „Methaphysik des Nichts“ setzen – sozusagen -, nach der die Welt und unser eigenes „Selbst“ nur wahrnehmbare Wesen sind (und nicht nur zufällig und vergänglich, sondern gleichzeitig wahrhaft reale [Wesen], wie für uns Christen). […] Für den Buddhisten ist alles „Werden und Vergehen“ zur selben Zeit, Leben ist ein beständiger Fluss, durchdrungen von allgemeinem Schmerz, der zu überwinden ist indem man sich davon überzeugt, dass alles eitel ist, dass alles was man braucht ist sich davon zu überzeugen, durch eine intellektuelle Initiation von jedem Wunsch frei zu werden, eine Gnosis. Im Tantra Buddhismus wird eine solche Gnosis über die Grenzen der Ethik und Bescheidenheit hinweg gepusht, indem man den angeblich befreienden Gebrauch der sogenannten „sexuellen Magie“ bekennt. Buddhistische Initiation zielt darauf ab, vollkommene Indifferenz zu Allem zu erreichen, Nirvana („Verschwinden“ oder „Auslöschung“); eine unbedingte Voraussetzung für die absolute Entsagung; alles, was sich darin findet, ist die Leere selbst, der Friede des absoluten Nichts, ein Nichtsein, in dem unser „Selbst“ vollkommen ausgelöscht wird, aufgelöst im kosmischen Ganzen. Dies ist das „Stadium der vollkommenen Befreiung“, welches das II. Vatikanum wagte, in die respektvolle Aufmerksamkeit der Katholiken zu rufen.

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