Tradition und Glauben

1. August – Petri Kettenfeier oder über die Vorsehung

Heute feiert die Kirche das Fest der Ketten des heiligen Petrus – S. Petri ad Vincula, welches 1960 als unvereinbar mit der Mentalität des modernen Menschen abgeschafft wurde.

Was mag „die Reformer“ an diesem Fest gestört haben?

Es waren wohl die folgenden Dinge:

  • Wunder,
  • Engelserscheinung,
  • Bedeutung der Person Petri,
  • konsequente Wunder über Jahrhunderte,
  • christliche Herrscher,
  • Reliquienkult.

Wenn also ein Fest durch das Konzil oder kurz davor abgeschafft wurde, dann können wir davon ausgehen, dass es heiligende und heilbringende Mysterien enthält. Es gibt nämlich nur die eine Vorsehung Gottes, welche jedoch Gottes Plan in sehr verschiedener Weise verwirklicht. Durch die:

  1. Allgemeine Vorsehung (providentia generalis), welche sich auf alle Geschöpfe erstreckt (Planeten, Photonen, Bakterien, Tiere etc.) und nicht bloß das Große und Ganze, sondern auch alle Einzelheiten des Seins und des Wirkens der Geschöpfe umfasst.
  2. Spezielle Vorsehung (providentia specialis), welche die Vernunftwesen und ihre Hinführung zum Endziel, dass sie selbst erstreben, zu ihrem Gegenstand hat. Kurz und gut alle Menschen und Engel.
  3. Speziellste Vorsehung (providentia specialisssima), welche nur die Prädestinierten umfasst und sie zur himmlischen Seligkeit führt.[1]

Dies bedeutet, dass abhängig davon, was Gott mit einem vorhat, er ihn durch die spezielle oder die speziellste Vorsehung ausstattet. Man kann davon ausgehen, dass den Heiligen, insbesondere dem heiligen Petrus, die providentia specialissima zuteil wurde und zwar als die providentia extraordinaria – die außerordentliche Vorsehung, welche sich durch Wunder manifestierte und daher auch die providentia supernaturalis – übernatürliche Vorsehung, ihrer Wirkung nach, war.[2] Weil ein so früher Tod Petri, wie er von König Herodes geplant wurde (siehe Apg 12, 1-11) das Ende der Kirche bedeutet hätte, so griff Gott durch die wunderbare Befreiung Petri aus dem Gefängnis durch einen Engel wunderbar ein. Obwohl Petrus von insgesamt 16 Soldaten bewacht wurde und zwischen zwei Soldaten gefesselt schlief, so wurde er dennoch von Gott befreit. Warum? Weil Gott allmächtig ist und seine Pläne verwirklicht. Obwohl aber Petrus spätestens nach dem Tod des Jakobus wusste, dass er selbst in Lebensgefahr schwebt, verließ er Jerusalem nicht, dankte nicht ab, zog sich nicht in ein Landhaus zurück, von wo er an das bayerische Klerusblatt schrieb, sondern wirkte weiter, in der Hoffnung, dass Gott ihn auch schützen wird. Vielleicht hätte Benedikt XVI. ein Vorbild gehabt, wenn es dieses Fest noch gäbe. Aber die Geschichte von den Ketten Petri geht weiter, denn einer von den Soldaten, welche in bewachten, bewahrte die Ketten auf, nachdem er selbst Christ geworden war. Diese Ketten wurden in seiner Familie bis zur Zeit Konstantins gehütet, wo unsere Geschichte, nach der Berichterstattung der zweiten Nokturn des Tridentischen Breviers, weitergeht:

Als unter der Regierung des Kaisers Theodosius des Jüngeren [401-450] dessen Gattin er Eudocia nach Jerusalem kam, um ein Gelübde zu erfühlen, erhielt sie daselbst viele Geschenke; insbesondere bekam sie ein ausgezeichnetes Geschenk: eine eiserne Kette, die mit Gold und Perlen geziert war; und das war, wie man behauptete, dieselbe, mit der der Apostel Petrus von Herodes gefesselt worden war. Eudocia erwies derselben fromme Verehrung und schickte sie später nach Rom zu ihrer Tochter Eudoxia [422-493], die sie zum Papst brachte. Dieser zeigte ihr dafür eine andere Kette, und zwar die, mit der derselbe Apostel unter dem Kaiser Nero gefesselt worden war.

Als nun der römische Papst die Kette mit der von Jerusalem gebrachten zusammen legte, geschah es, dass diese sich so miteinander verknüpften, dass sie nicht zwei, sondern eine von demselben Handwerker gefertigte Kette zu sein schienen. Auf dieses Wunder hin fing man an, diesen heiligen Ketten eine solche Verehrung zu erweisen, dass man aus dem Grunde eine Kirche unter dem Namen „Kirche zu den Ketten des heiligen Petrus“ mit dem Titel der Eudoxia auf dem Berge Esquilin einweihte und dass man zum Andenken daran ein Fest am 1. August einführte.

Von dieser Zeit ab begann man die Verehrung, die man an diesem Tage den wertlosen Berühmtheiten der Heiden zu erweisen pflegte, auf die Ketten des heiligen Petrus übertragen; und die Berührung derselben brachte den kranken Genesung und trieb die bösen Geister aus. Bezüglich dieser Art Heilung ereignete sich im Jahre des menschlichen Heiles 969, das ein zum Gefolge des Kreises Otto [I. 936-973] gehören der Graf vom bösen Geist erfasst wurde und sich selbst mit seinen Zähnen zerfleischte. Daher wurde er auf Geheiß des Kaisers zum Papst Johannes [XIII. 965-972] geführt; und als die Kette den Hals des Grafen berührte, entwich der fluchwürdige Geist und ließ den Mann frei und von da ab verbreitete sich die Verehrung der heiligen Ketten in der Stadt immer mehr.[3]

Schauen wir uns doch die Ereignisse näher an, welche beweisen, dass die frommen Menschen in der Vergangenheit nicht naiv waren, sondern nach übernatürlichen Beweisen für das Übernatürliche suchten und diese bekamen. So bekam die Kaiserin Eudocia Ketten zum Geschenk, von denen sie nicht wissen konnte, ob sie echt sind oder nicht. Dies wusste weder der Papst noch ihre Tochter Eudoxia. Als aber die Kette, mit welcher nach der Überlieferung Petrus in Rom gefesselt worden war mit derjenigen Kette verbunden wurde, mit welcher er in Jerusalem gefesselt wurde, geschah ein Wunder. Aus zwei Ketten wurde eine Kette, womit alle Zweifel an der Echtheit ausgeräumt waren. Zu Ehren dieser Kette oder eher der wunderbaren Ereignisse wurde das heutige Fest eingeführt und die Kette wirkte weiter Wunder, was das Gefolge des Kaisers Otto bestätigen konnte. Die petrinische Herkunft der Kette wurde also durch mehrere, aufeinanderfolgende Wunder bezeugt. Vielleicht wirkt die Kette auch heute noch Wunder. Wir wissen es nicht. Die Kette konnte aber nur deswegen Wunder wirken, weil Petrus durchgehalten hat. Er war mehrmals im Gefängnis. Aus dem ersten wurde er befreit, aus dem zweiten nicht. Gott hat Petrus so lange beschützt, wie lange Petrus in den göttlichen Plänen, mit denen er mitwirkte, notwendig war. Wir können also davon ausgehen, dass es in unserem Falle auch so sein wird. Das Fest der Ketten Petri gab den Gläubigen diese Gewissheit.

Was bedeutet aber seine Aufhebung?

Doch das, dass es keine Vorsehung gibt, dass Gott keine Wunder wirkt, dass Petrus niemand besonderer war und dass wir einer Welt aus Chaos und Zufall unterworfen sind. All das will uns der Teufel glauben machen. Aber das stimmt nicht und interessanterweise sind die Folterinstrumente der Einen, wie die Ketten Petri, Mittel der Heiligung und Befreiung der Anderen. Jemand muss also vorarbeiten, damit andere die Früchte seines Leidens nutzen können. Dies ist eine Dimension, welche uns allen, insbesondere aber unseren lieben Geistlichen, entgeht. Schade.

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[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 215.

[2] Ebd., 215-216.

[3] Das kirchliche Stundengebet oder Das römische Brevier, übersetzt und erklärt von Erzpriester Stephan, Bd. 2: Ostern mit Schluss des Kirchenjahres, Regensburg 1927, 1007

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