Tradition und Glauben

Alma redemptoris Mater oder das nahrhafte Brevier

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Liturgiereform und Brevierreform

Der Katholik wird durch die Liturgie erzogen. Er wurde bis zum Vatikanum II zu seinem Wohl erzogen, nach dem Vatikanum II hingegen leider zu seinem Verderben. Derjenige, der das Brevier aus Pflicht betet oder es freiwillig tut, unterliegt dieser Veränderung noch vielmehr. Die alten Breviere wurden nach den Jahreszeiten unterteilt und so haben wir die pars verna, aestiva, autumnalis et hiemalis – also den Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterteil. Das Jammern über die Liturgiereform versuchen wir uns an dieser Stelle zu sparen, obwohl die Klage sicherlich hier und da noch durchbrechen wird. Die Natur ist zyklisch, das Brevier auch. Da der Schreiber dieser Zeilen schon das zweite Jahr hindurch das Tridentinische Brevier betet, also dasjenige, das zwischen 1570 und 1910 verpflichtend war, so stellt er fest, dass er immer mehr in diesen liturgischen Zyklus hineinwächst und sich an die Lesungen des Vorjahres erinnert, was ihm bei dem nachkonziliaren Brevier, das er über 25 Jahre lang gebetet hatte, nie passierte. Es liegt einfach an dem Brevier, nicht am Beter. Die alten Gebete und Lesungen hinterlassen halt einen bleibenden und heiligenden Eindruck, die neuen tun es nicht. Das Beten der alten Breviere erinnert an das Anfassen von Blattgold oder von Goldstaub. Irgendetwas bleibt an uns hängen und wir werden gleichsam vergoldet. Im Gegensatz zum natürlichen Goldstaub geht der „Gebetsstaub“ nicht aus. Die Fülle aber des Goldes bleibt übrig und geht nicht zur Neige.

Worauf beim Brevierkauf zu achten ist

 

Jeder der Leser dieses Blogs kann das „Experiment Tradition“ selbst unternehmen und sich wenigstens das letzte vorkonziliare Brevier aus dem Jahre 1962 kaufen[1] und es zu beten anfangen. Sollten Sie irgendwann einmal Latein gelernt haben, so werden Sie sich nach anfänglichen Mühen schnell an das Gelernte erinnern, sollten Sie kein Latein können, so gibt es das lateinisch- deutsche Diurnale mit allen Gebeten außer der Matutin, dem Nachtgebet.[2] Aber richtig heiligend wird es leider erst beim Brevier des Pius X und das Tridentinische Brevier gibt erst die Fülle wieder. Diese Breviere muss man antiquarisch erwerben, was tatsächlich billiger kommt als sich das neue Breviarium Romanum zu kaufen. Dennoch sind die Tridentinischen Breviere, welche ja im Jahre 1911 nicht mehr aktuell wurden, tatsächlich im benutzbaren Zustand schwer erhältlich. Empfehlenswert sind hier die französischen Ebay-Auktionen, weil dort die Hinterlassenschaften ganzer Klöster leider für die Klöster, aber gut für und, sehr günstig versteigert werden.[3] Beim Brevierkauf ist auf das Jahr der Ausgabe zu achten, im Zweifelsfall sich die Titelseite scannen lassen:

a. Bis 1910/1911 ist es das Tridentinische Brevier.

  • Gebetszeit aller Gebete pro Tag insgesamt: 3 Stunden bis 3, 5 Stunden, bei jemanden der Latein flüssig spricht. (Der Schreiber dieser Zeilen hat für die Sieben Bußpsalmen samt Litanei ca. 40 Minuten gebraucht.)

b. Zwischen 1910/1911 und 1955 ist es das Brevier des Pius X.

  • Gebetszeit pro Tag: Zwischen 1,5 Stunden und 2 Stunden.

c. Zwischen 1955 und 1962 ist es das Brevier des Pius XII.

  • Keine Angaben zur Gebetszeit, da nicht ausprobiert.

d. Ab 1962 ist es das Brevier des Johannes XXIII.

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  • Gebetszeit pro Tag: Zwischen 1 Stunde und 1 Stunde 15 Minuten.

Ad d. Das Brevier des Johannes XXIII.

Sollten uns irgendwelche Priester oder andere Kleriker lesen, so dürfen sie aufgrund von Summorum Pontificum ausschließlich das Brevier des Johannes XXIII beten (und nicht noch zusätzlich das nachkonziliare Stundenbuch), aber vollständig, dies bedeutet alle Horen: Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper und Komplet. In der Instruktion über die Ausführung des als Motu proprio erlassenen Apostolischen Schreibens Summorum Pontificum von Papst Benedikt XVI lesen wir:

Breviarium Romanum

  1. Den Klerikern wird gemäß Art. 9 § 3 des Motu proprio Summorum Pontificum die Möglichkeit gegeben, das Breviarium Romanum zu verwenden, das 1962 in Geltung war. Es muss vollständig und in lateinischer Sprache gebetet werden.[4]

Natürlich setzt sich ein Priester der Amtskirche, der das tut dem Spott, Gehässigkeit und Verfolgung seiner Mitbrüder aus, aber er soll es ertragen, sich auf das künftige, mögliche Martyrium vorbereiten (Stichwort „Flüchtlinge“) und dadurch seine Sünden abbüßen, die ja jeder hat. Der Schreiber dieser Zeilen hat dadurch einen enormen Zuwachs an Gnade und Heiligung erfahren, sodass er sein Experiment mit den älteren Brevieren fortsetzte. Er ist aber kein Kleriker und kann beten, was er immer möchte, ohne gegen seine „Standespflichten“ zu verstoßen. Der Kleriker kann aber mit seinem Beichtvater, im Sinne des Punktes 85 der letzten Relatio synodi,[5] eine „pastorale Unterscheidung“ betreiben, um Wege zu finden das Brevier von 1962 um das Brevier des Pius X zu erweitern, denn das von 1962 ist schon recht mager, natürlich mit dem nachkonziliaren verglichen, ist es die Fülle. Aber wir können uns schon denken, dass die Toleranz in der Amtskirche irgendwo ein Ende hat: Priesterkonkubinat – ja, Homosexualität – ja, Ehebruch – ja, nicht mehr aktuelle Breviere auf Lateinisch beten – nein. Aber ganz im Ernst gesprochen, wäre es empfehlenswert erst mit dem Brevier von 1962 anzufangen, um zu sehen, wie man sich entwickelt. Alle Breviere sind auch online zugänglich: nur hinsetzen, manchmal auf hinknien, und beten. [6] Denn will man nicht wie die Mitglieder unserer Bischofskonferenzen enden, so muss man etwas für sein spirituelles Leben tun, denn von nichts kommt nichts. Denn Gebet, wie wir hier oft schreiben, ist mehr als ein bewusster, intellektueller Akt. Es ist auch die unbewusste oder über-bewusste Heiligung. Jeder, der damit anfängt, wird es erfahren.

Brevier als Nahrung

Um ein geistliches Leben zu führen, braucht man Nahrung. Nicht nur Sakramente, Opfer oder Verdienste, sondern auch das Gebet. Man kann wirklich sagen, dass das Tridentinische Brevier die nahrungsreichste und ausgewogenste Ernährung bietet. Fleisch, Fisch, Kohlehydrate, Obst, Gemüse, Süßigkeiten, Spurenelemente – es hat einfach alles. Wenn Sie anfangen ihre Essensportionen zu verkleinern oder bestimmte Lebensmittel, wie z.B. Fleisch auszulassen, so kommt es nach und nach zur einseitigen Ernährung, danach zur Mangelernährung und schließlich zur Krankheit. Nicht von heute auf morgen, aber nach einigen Monaten oder Jahren. So ist es im Natürlichen, ebenso im Übernatürlichen. Denn ars orandiars credendi: „die Kunst/Fertigkeit zu beten, ist die Kunst/Fertigkeit zu glauben“. Deswegen hat die Kirche bis zum letzten Konzil so streng darauf geachtet, was man betet. Damit die Menschen geheiligt werden und keinen Häresien verfallen. Insbesondere diejenigen, die beten müssen also die geistlichen Stände. Das Thema der Zusammenbruches der Kirche durch die Neue Messe ist gut dokumentiert worden, der Zusammenbruch durch das Neue Brevier kaum. Doch das Neue Brevier wurde durch mehrere vorangegangene Reformen, alle unnötig, unserer Meinung nach, vorbereitet, sodass der Schock kleiner als bei der Messe ausfiel.

Warum sind die älteren Breviere, die nahrungsreicheren? Weil mit der Zeit immer mehr gekürzt wurde, sodass man erstens kürzer und zweitens weniger „nahrungsreich“ betete. So wurde z.B. die Marianische Antiphon, welche in der liturgischen Zeit variiert, im Tridentinischen Brevier nach der Laudes und nach der Komplet gebetet. Warum zweimal? Um sich der Mutter Gottes zweimal am Tag, am Morgen und vor dem Einschlafen anzuempfehlen und um ihren Schutz zu bitten. Denn alles muss, wie wir jetzt wissen, erbetet werden. Das Brevier Divino afflatu des Pius X. hielt dieses doppelte Beten der marianischen Antiphon noch ein, aber das Brevier des Pius XII. aus dem Jahre 1955 und das nachfolgende Brevier aus dem Jahre 1962 behielten marianische Antiphon nur nach der Komplet bei. Das nachkonziliare Brevier ebenso. Macht das was aus? Macht es was aus, ob man einen Apfel täglich oder zweimal täglich isst? Auf die Lebenszeit gesehen schon. Genauso die marianische Antiphon. Etwas wurde weniger. Etwas wurde auch anders, wie wir am Detail der marianischen Antiphon zeigen werden.

Während die vorkonziliaren Breviere in der Advents-und Weihnachtszeit die Antiphon Alma redemptoris mater vorschreiben, stellt das nachkonziliare Brevier Alma redemptoris, Ave regina caelorum und Salve regina zur Auswahl, wobei die zwei Letzteren vor dem Konzil anderen liturgischen Zeiten zugeordnet waren. So galt es:

  • Advents- und Weihnachtszeit – Alma redemptoris mater
  • Ab Mariä Lichtfest am 2. Februar bis Gründonnerstag – Ave, Regina Caelorum
  • Osterzeit bis zur Non nach Pfingsten- Regina Caeli
  • Von der Vesper I. am Trinitätssonntag bis zur Non am Samstag vor 1 Advent – Salve Regina

Dies bedeutet, dass jeder liturgischen Zeit eine andere marianische Antiphon zugeordnet war. Und seit dem Konzil haben wir was? Richtig, die Unordnung. Und wer ist ihr Urheber? Auch richtig, der Teufel. Diese nachkonziliare Veränderung bedeutet, dass durch die fehlende zyklische Wiederholung, durch die obligatorischen Optionen (Wortspiel beabsichtigt) der Beter kein Gefühl für einen Zyklus entwickeln kann, weil fast alles, fast immer zu beten ist. Was entsteht dadurch? Richtig, Chaos und Langeweile. Die Kirche sagt aber: De Maria numquam satis – „Über Maria ist niemals genug zu reden“. Warum? Unter anderem deswegen, weil der Teufel die Muttergottes einerseits hasst, andererseits sehr große Angst vor ihr hat. Deswegen hasst er auch den Rosenkranz, aber überhaupt jegliche Anrufung Mariens. Sollten Sie plötzliche Schwierigkeiten haben (Rechner fällt aus, Handy hat plötzlich kein Netz etc.), so versuchen Sie mehrere Ave Maria zu beten oder Unter Deinen Schutz und Beistand und Sie werden sehen, dass plötzlich diese Schwierigkeiten aufhören und falls nicht Sie selbst viel ruhiger werden. Alles erprobt und erfahren. Und deswegen wurde nach dem Konzil die marianische Frömmigkeit dermaßen gedrosselt, dass sie in Deutschland kaum noch vorhanden ist.

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Alma redemptoris mater

Wir wollen an dieser Stelle die marianische Antiphon Alma redemptoris mater, wie sie in der Advents- und Weihnachtszeit zweimal am Tag gebetet werden sollte, vorstellen. Und zwar in der Motette von Tomas Luis de Victoria. Das Stück ist recht lang und es empfiehlt sich genauer hinzuhören, um all diese Schönheit und Perfektion würdigen zu können.

Der Text lautet wie folgt:

Alma Redemptóris Mater, quæ pérvia cæli Porta manes, et stella maris, succúrre cadénti, Súrgere qui curat, pópulo: tu quæ genuísti, Natúra miránte, tuum sanctum Genitórem, Virgo prius ac postérius, Gabriélis ab ore
Sumens illud Ave, peccatórum miserére.

Die Übersetzung hingegen:

Heiligste Mutter des Herrn, die du hältst die Himmelstür offen,
Stern bist im Meere des Lebens, von dem wir Rettung erhoffen,
Sei uns Gefallenen Helferin, daß wir vom Fall uns erheben,
Die du dem eigenen Schöpfer geschenkt das leibliche Leben.
Jungfrau vorher und nachher, vom himmlischen Botschaftsverkünder
Gabriel selig gepriesen, erbarme dich gnädig der Sünder.

 

De Maria numquam satis – so soll man es halten.

[1] Beispielsweise hier: http://www.novaetvetera.de/nova/reihen_10003.html Es ist natürlich sehr teuer, aber es ist eine wirklich sehr gute Ausgabe, die jahrelang halten wird.

[2] http://www.sarto.de/product_info.php?info=p2136_Diurnale-Romanum-o–R-.html

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[3] http://www.ebay.fr/sch/i.html?_nkw=Breviarium%20romanum&ssPageName=GSTL

[4] http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_commissions/ecclsdei/documents/rc_com_ecclsdei_doc_20110430_istr-universae-ecclesiae_ge.html

[5] http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/Relatio-Abschlussbericht-Synode-2015.pdf

[6] http://divinumofficium.com/cgi-bin/horas/officium.pl

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