Amazonas-Synode oder Vorwärts in die Vergangenheit (6 von 7)

Instrumentum laboris im Lichte der kirchlichen Lehre

(5) Kirche 2.0 oder das Amazonas-Update

Nach Instrumentum laboris soll die kirchliche Lehre vom Amazonas-Geist, dem Waldgeist, inspiriert und erweitert werden:

  1. Um eine ganzheitliche Ökologie im Alltagsleben Amazoniens voran zu bringen, müssen wir die intergenerationale Gerechtigkeit und Kommunikation beachten. Dieser Begriff berücksichtigt die Weitergabe von überlieferten Erfahrungen, Kosmologien, Spiritualitäten und Theologien der indigenen Völker zur Sorge um das gemeinsame Haus. „Wenn wir kämpfen, müssen wir uns auf Gottes Kraft stützen, denn die Schöpfung gehört Gott, und Gott setzt sein Schöpfungswerk fort. Der Kampf unserer Vorfahren, die sich für diese Flüsse und für unsere Territorien einsetzten, verpflichtet uns, für eine bessere Welt für unsere Kinder zu kämpfen.“

Was soll stattfinden?

[…] die Weitergabe von überlieferten Erfahrungen, Kosmologien, Spiritualitäten und Theologien der indigenen Völker […]

Die Kirche soll sich also von Heiden belehren lassen. Warum? Weil Gott mit der Schöpfung eins ist, siehe Pantheismus weiter oben.

  1. Im Buch Genesis wird die Schöpfung als Manifestation von Leben und Lebensunterhalt mit Chancen und Grenzen vorgestellt. In der ersten Schöpfungserzählung (Gen 1,1-2,4a) wird der Mensch dazu aufgefordert, sich zur Schöpfung genauso zu verhalten wie Gott es tut. Die zweite Schöpfungserzählung (Gen 2,4b-25) erweitert diese Perspektive durch den Auftrag, den Garten zu „bebauen“ (die hebräische Bezeichnung bedeutet zugleich auch „dienen“) und „zu bewahren“ (also liebevoll und schonend damit umzugehen) (Gen 2,15). „Das schließt eine Beziehung verantwortlicher Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur ein“ (LS 67). Dies wiederum verlangt, die Begrenztheit des eigenen geschöpflichen Daseins demütig anzuerkennen, denn wir sind nicht absolute Herrscher (Gen 3,3).

Natürlich wird „wird der Mensch [nicht] dazu aufgefordert, sich zur Schöpfung genauso zu verhalten wie Gott es tut“, weil er kein Gott ist. Er wird vielmehr dazu aufgefordert sich die Erde untertan zu machen, was eben das Gegenteil von „liebevoll und schonend damit umgehen“ ist. Gott hat keine „Beziehung“ zu der materiellen Schöpfung, sondern nur zu der personenhaften Schöpfung: Engel und Menschen. Es gibt auch keine “Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur“, weil der Mensch über der Natur steht. Sie dient ihm, als dem Abbild Gottes, nicht er ihr. Es könnte nur „eine Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur“ stattfinden und nur dann könnte der Mensch der Natur dienen, wenn die Natur göttlich wäre, wie es der Pantheismus behauptet. Der Naturkult wäre demnach ein Götterkult, was er auch bei den Heidenvölkern ist. Die Schöpfung aber hat keine personenhaften Züge, sodass eine Versöhnung mit der Schöpfung, wie die Nr. 99 sie fordert und die Behauptung in Nr. 100, dass Christus die Schöpfung erlöst, sind verfehlt.

  1. Eine entscheidende Wurzel für die Sünde des Menschen besteht darin, sich selbst aus der Natur herauszunehmen, sich nicht als Teil von ihr zu verstehen, sie grenzenlos auszubeuten und so das ursprüngliche Bündnis mit der Schöpfung und mit Gott zu brechen (vgl. Gen 3, 5). „Die Harmonie zwischen dem Schöpfer, der Menschheit und der gesamten Schöpfung wurde zerstört durch unsere Anmaßung, den Platz Gottes einzunehmen, da wir uns geweigert haben anzuerkennen, dass wir begrenzte Geschöpfe sind“ (LS 66). Nach dem Bruch durch die Sünde und nach der Sintflut stellt Gott den Bund mit Mensch und Schöpfung wieder her (vgl. Gen 9,9-17) und ruft den Menschen dazu auf, sie zu bewahren.

  1. […] Jesus Christus erlöst die gesamte Schöpfung, die durch den Menschen der Sünde unterworfen ist (Röm 8,19-22).

Christus ist nach der katholischen Lehre nur für Menschen gestorben, nicht für Tiere, nicht für Mineralien, nicht für Engel. Nach Röm 8,19-22 „wartet die Schöpfung auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes“, d.h. sie wartet auf die Heiligkeit der erlösten Menschen. Wenn die Menschen heiliger werden, dann ziehen sie die Schöpfung nach sich, was die tierfreundlichen Aspekte der Heiligenlebensläufe (hl. Franziskus, hl. Antonius von Padua) erklärt. Die Idee, dass die Schöpfung von Materie einer Erlösung bedarf es gnostisch, denn sie setzt voraus, dass die Materie entweder personenhaft ist oder dass die Schöpfung an sich schlecht ist. Von einem gnostischen Kontext zeugt auch der Ausdruck von den „Liebkosungen des Gottes, der sich in die Geschichte inkarniert“ (Nr. 19)

  1. In Amazonien ist das Leben ins Territorium eingepflanzt, daran gebunden und gehört zu ihm. Das Territorium ist der physische Raum für Leben und Ernährung, macht das Leben möglich, unterhält es und setzt ihm Grenzen. Darüber hinaus können wir sagen, dass Amazonien – oder auch jeder andere territoriale Raum indigenen bzw. gemeinschaftlichen Lebens – nicht nur ein ubi (ein Wo, einen geografischen Raum) darstellt, sondern auch ein quid, also ein Etwas, das heißt ein bedeutungsvoller Ort für den Glauben bzw. für die Erfahrung Gottes in der Geschichte. Das Territorium ist ein theologischer Ort, von dem aus man den Glauben lebt; und zugleich ein besonderer Quellgrund für die Offenbarung Gottes. Solche Räume sind Orte von „Epiphanie“, von Gotteserfahrung, an denen ein Reservoir von Leben und Weisheit für den Planeten aufzufinden ist, von Leben und Weisheit, die von Gott sprechen. In Amazonien werden die „Liebkosungen des Gottes“, der sich in die Geschichte inkarniert, offenbart (vgl. LS 84)

Gott kann sich nicht in die Geschichte inkarnieren, weil er sich nur einmal in Jesus Christus inkarniert hat die Ideen der Inkarnierung in der Geschichte stammt von Hegel, der niemals im Amazonas war.

Das Instrumentum laboris will, dass die Kirche die Amazonas-Medizin, sprich Hexerei, übernimmt (Nr. 84), andererseits sollen die indigenen Völker mit westlicher Medizin versorgt werden (Nr. 89). Kurz und gut, es soll eine Kirche mit dem Antlitz von Amazonien entstehen (Nr. 106), sodass nicht nur die kirchliche Lehre, sondern gar die Bibel um Amazonien Elemente erweitert werden soll:

Nr. 123

  1. c) Angesichts der Tatsache, dass Narrativität die indigenen Völker charakterisiert, mit Hilfe derer sie ihre tausendjährige Weisheit weitergeben, sollte man eine Katechese erarbeiten, in der Sprache und Bedeutung der Erzählungen indigener sowie afrika-stämmiger Kulturen mit entsprechenden biblischen Erzählungen in Dialog gebracht werden.

Warum? Weil nach dem Credo der Modernisten, wie es auf den deutschen Universitäten gelehrt wird, die biblischen Erzählung bloß Erzählungen oder Märchen aus einer bestimmten Kultur sind. Warum sollte denn die jüdische Kultur, die weiß, europäisch und patriarchalisch ist, dermaßen präferiert werden, was die biblischen Erzählungen anbelangt? Andere Völker haben auch ihre Geschichten. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Die Kirche soll demnach um Amazonien erweitert werden, nicht nur durch die Verantwortung der Frauen (Nr. 79), sondern auch durch die Liturgie von Amazonas, welche Laienpriester vorsieht (Nr. 126 c)

Nr. 126

  1. c) Die Gemeinden können nur selten die Eucharistie feiern, weil es an Priestern fehlt. „Die Kirche lebt von der Eucharistie“, und die Eucharistie baut die Kirche auf.60 Aus diesem Grunde wird darum gebeten, die Kriterien für die Auswahl und Vorbereitung der zur Zelebration autorisierten Amtsträger zu ändern, statt die Gemeinden ohne Eucharistie zu lassen.

Daher soll die Amtsgewalt rotieren (Nr. 127), neue Ämter, hauptsächlich für Frauen sollen geschaffen und das Zölibat soll abgeschafft werden (Nr. 129).

Nr. 129

a)

  1. In der Überzeugung, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist, wird darum gebeten, im Blick auf die entlegensten Gebiete der Region die Möglichkeit zu prüfen, ältere Menschen zu Priestern zu weihen. Diese Menschen sollten vorzugsweise Indigene sein, die von ihrer Gemeinde respektiert und akzeptiert werden. Sie sollten geweiht werden, obwohl sie schon eine konstituierte und stabile Familie haben, mit dem Ziel, die Spendung der Sakramente zu sichern, die das Leben der ChristenInnen begleiten und stützen.
  1. Im Wissen um die tragende Rolle, die Frauen heute in der Kirche Amazoniens wahrnehmen, müsste man ein offizielles Dienstamt bestimmen, das Frauen anvertraut werden kann.

c) Rolle der Frauen:

  1. Im kirchlichen Bereich wird die Mitwirkung von Frauen in den Gemeinden nicht immer geschätzt. Deshalb wird verlangt, die Frauen mit ihren Charismen und Talenten zu respektieren. Sie wollen wenigstens den Raum zurückgewinnen, den Jesus den Frauen gegeben hat, „wo wir alle – Frauen und Männer – Platz haben“.61

  2. Es wird ebenfalls vorgeschlagen, dass Frauen Führungspositionen übernehmen sowie immer breitere und relevantere Verantwortlichkeiten im Bereich der Bildung übernehmen, in Theologie, Katechese, Liturgie sowie Bildungszentren für Glaube und Politik.

  3. Die Stimme der Frauen soll gehört werden, indem sie bei Entscheidungen konsultiert und beteiligt werden. Auf diese Weise werden sie mit ihrer Sensibilität zur kirchlichen Synodalität beitragen.

  4. Die Kirche soll immer mehr die Art und Weise von Frauen zu handeln und Geschehnisse zu verstehen, übernehmen.

Damit die Pastoren von nun nahe ihrem Volk sein werden (Nr. 138) wird jetzt überall ein „planetarisches Echo“ erklingen (Nr. 141). Finanziert soll das alles werden durch die Vernetzung mit internationalen Organisationen (Nr. 146 h), welche die Beachtung der Menschenrechte (Nr. 146) hochschätzen. Ein Kommentar zu diesem haarsträubenden Unsinn erfolgt im nächsten Teil.

 

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