Amazonas-Synode oder Vorwärts in die Vergangenheit (4 von 7)

Instrumentum laboris im Lichte der kirchlichen Lehre

(2) Pantheismus und Kosmotheismus

Instrumentum laboris Nr. 12 zeigt den metaphysischen Hintergrund des Bergoglio-Regimes. Es ist der Pantheismus oder der Panentheismus, wonach es überall „gottet“, da zwischen Gott und Welt nicht unterschieden wird. So lesen wir:

Das „Gute Leben“ („buen vivir“)

  1. Das Streben der indigenen Völker Amazoniens nach dem Leben in Fülle konkretisiert sich in dem, was sie als „Gutes Leben“ („buen vivir“) bezeichnen. Es geht darum, im „Einklang mit sich selbst, mit der Natur, mit den Menschen und mit dem höchsten Wesen zu leben. Im gesamten Kosmos kommuniziert alles mit allem, nichts und niemand schließt aus oder wird ausgeschlossen, so dass wir alle miteinander das Projekt eines Lebens in Fülle schmieden können“.

Wir werden noch im letzten Teil unserer Aufzeichnungen darlegen, dass dieses Dokument sich eine Kirche mit einem Amazonas-Gesicht wünscht, sodass es nicht irrelevant ist, was man in den Regenwäldern wirklich so denkt und praktiziert. Worum geht es? Um „Einklang mit sich selbst“. Wie hört es sich an? Jawohl, wie ein Esoterikseminar für Frauen im Klimakriterium, welche in lila Latzhosen mit Indianerschmuck behängt nach ihrer Selbstverwirklichung suchen. Dieselbe Einstellung, dieselbe Sprache, derselbe Hintergrund. Dennoch zeigt der Ausdruck, „Einklang mit sich selbst“, dass das Amazonasgebräu in einer deutschen Gelehrtenstube gebraut wurde, da die Urvölker nicht dermaßen egozentrisch und idealistisch ausgerichtet sind wie die deutsche, nachkantische Seele. Wenn wir davon ausgehen, dass eine jede Kultur dieselben Schritte durchlebt, so können wir feststellen, dass bei den alten Griechen das lyrische Ich oder das selbstbewusste Individuum erst in der nachhomerischen Lyrik zu Wort kommt. Dies geschieht recht spät denn die subjektive Innerlichkeit der ersten Lyrik der archaischen Epoche fällt in die Jahre 730-480.[1] Die griechische Philosophie ist auch erst an der Natur interessiert und das Individuum und seine Belange werden erst von den Sophisten und Sokrates im V. und VI. Jahrhundert vor Christus entdeckt. Die Entdeckung des Individuellen findet also recht spät statt und ist überhaupt eine recht westliche Angelegenheit. Je östlicher (Fernost), südlicher (Afrika) oder westlicher (Südamerika) Sie sich bewegen, umso mehr schwindet das Individuum zugunsten des Kollektivs und/oder der Allgottheit. Wenn die Urvölker des Amazonasgebiets also noch Jäger und Sammler sind, demnach keine Kulturnation, so ist es doch wirklich ausgeschlossen, dass ein Amazonasbewohner hauptsächlich an den Einklang mit sich selbst denkt. Er denkt kollektiv, er denkt an das Überleben. Um mehr zu sagen müsste man die Anthropologen befragen.

Wie wir aber anhand Nr. 12 sehen, so ist dem Ideal des „guten Lebens“ der Amazonas-Völker die Idee einer transmundanen (überweltlichen) und personenhaften Gottheit fremd. Es eröffnet sich uns ein spinozistischer Kosmotheismus (Deus sive natura), in dem man das Gleichheitszeichen zwischen Gott und Kosmos stellt. Man „schließt“ natürlich „niemanden aus“ und man macht es „miteinander“. Wenn das nicht Deutsch ist, was dann? Was sagt aber der Denzinger dazu? Lesen wir ein paar verurteilte Thesen zum Thema Pantheismus:

Syllabus Pius‘ IX. (1864)

[Es ist nicht so, dass]

  1. Es existiert kein höchstes, weisestes und vorsehendstes göttliches Wesen, das von diesem All der Dinge unterschieden ist; und Gott ist dasselbe wie die Natur der Dinge und deshalb Veränderungen unterworfen; und in Wirklichkeit wird Gott im Menschen und in der Welt, und alles ist Gott und besitzt Gottes ureigene Substanz; auch sind Gott und die Welt und daher Geist und Materie, Notwendigkeit und Freiheit, Wahres und Falsches, Gutes und Böses, Gerechtes und Ungerechtes ein und dasselbe (26’). (DH 2901)

Dekret des Hl. Offiziums (1861) Irrtümer der Ontologisten

[Es ist nicht so, dass]

  1. Die geschaffenen Dinge sind in Gott als Teil im Ganzen, und zwar nicht im formalen Ganzen, sondern im unendlichen, völlig einfachen Ganzen, das seine »Teile« ohne irgendeine Teilung oder Verminderung seiner selbst außerhalb setzt. 2846

Erstes Vatikanisches Konzil. „De Filius“ Kanonen

  1. Wer sagt, die endlichen Dinge – sowohl die körperlichen als auch die geistigen oder wenigstens die geistigen – seien aus der göttlichen Substanz ausgeflossen, oder die göttliche Wesenheit werde durch Offenbarung oder Entwicklung ihrer selbst alles, oder schließlich, Gott sei das allgemeine bzw. unbestimmte Seiende, das, sich selbst bestimmend, die in Arten, Gattungen und Einzelwesen unterschiedene Gesamtheit der Dinge bildet: der sei mit dem Anathema belegt. (3024)

Leo XIII.: Dekret des Hl. Offiziums: Irrtümer A. Rosminis (1887)

[Es ist nicht so, dass]

  1. Durch die göttliche Abstraktion wird das anfängliche Sein hervorgebracht, das erste Element der begrenzten Seienden; durch die göttliche Einbildung aber wird das begrenzte Wirkliche hervorgebracht bzw. alle Wirklichkeiten, aus denen die Welt besteht1. (3214)

[Es ist nicht so, dass]

  1. Die Liebe, mit der Gott sich auch in den Geschöpfen liebt und die der Beweggrund dafür ist, daß er sich zum Schöpfen bestimmt, begründet eine moralische Notwendigkeit, die im vollkommensten Seienden immer ihre Wirkung erzielt: Nur diese Notwendigkeit läßt nämlich in den vielen unvollkommenen Seienden die Freiheit nach beiden Seiten unversehrt1. (3218)

Wenn jetzt aber unsere bürstenschnittige Pastoralassistentin kommt und uns verärgert die Frage an den Kopf wirft:

Wie ist aber der Satz:

Es geht darum, im „Einklang mit sich selbst, mit der Natur, mit den Menschen und mit dem höchsten Wesen zu leben. Im gesamten Kosmos kommuniziert alles mit allem, nichts und niemand schließt aus oder wird ausgeschlossen, so dass wir alle miteinander das Projekt eines Lebens in Fülle schmieden können“.

zu den verurteilten Sätzen in Beziehung zu setzen? Das steht doch ganz was anderes drin!

So antworten wir, dass die verurteilten Sätze den philosophisch-theologischen Hintergrund des Satzes im „Einklang mit sich selbst, mit der Natur, mit den Menschen und mit dem höchsten Wesen […]“ darstellt. Dieser verschieden formulierte „Einheitsgedanke“ ist Pantheismus, welche von der Kirche mehrmals verurteilt wurde.

[1] Latacz, Joachim (Hg.), In: Herwig Görgermanns, Die griechische Literatur in Text und Darstellung. Bd. 1: Archaische Periode, Stuttgart 19982, 147,13.

 

 

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