Anna Galicana: Die hasenspickende Familienmutter und das Coronavirus

Anna Galicana gewährt uns einen Einblick in ihrem Coronavirus-Alltag, der von Angst und Panik geprägt ist. Eine Stimme in der Diskussion. 

Na, das hat mir gerade noch gefehlt. Ich bin im Hauptberuf Familienmutter und im Nebenjob Lehrerin. Das sollte eigentlich auch reichen. Für alle, die das noch nie probiert haben: das ist ein echt harter (‘taff‘ sagt man da wohl im Geschäftsleben) und vor allem schwierig zu organisierender Managementjob; leider auch ein ziemlich schlecht bezahlter. Aber, das hat man sich wohl selbst ausgesucht. Wirklich? Na ja, wie die meisten, bin ich da einfach irgendwie reingerutscht und habe wohl vorher das Kleingedruckte nicht gründlich durchgelesen (außerhalb meiner vier Wände tue ich das immer! ja wirklich) und dann war es halt zu spät. Und mal ehrlich, ich liebe meine Familie, auch wenn’s nicht immer einfach ist.

Ja, und dann kamen seit Weihnachten die ersten traurigen Meldungen aus China. Das Elend der chinesischen Christen ging mir schon immer zu Herzen und die chinesische Kultur und Sprache finde ich seit Kindesbeinen an sehr interessant. So habe ich schon ziemlich früh von den Virusfällen erfahren und die Chinesen in mein Gebet eingeschlossen.

Ja und dann kam so dann und wann der Gedanke, ein paar Tage Quarantäne täten mir auch gut. Ich muss dazu sagen, dass dieses Jahr für unsere Familie aufgrund von Studium, Ausbildung, Aufnahmeprüfungen und einem extrem langen Weg zur Arbeit (5 Std. Autofahrt täglich) wirklich ziemlich stressig ist. Da bleibt halt im Haus alles liegen, sogar an Weihnachten lag noch die Ostertischdecke auf dem Esstisch … Tja, die Versuchung war also echt groß, sich mal eine Auszeit zu wünschen, etwas durch zu schnaufen, aufräumen und alles wieder auf die Reihe zu kriegen. Ja, da haben Sie richtig gelesen: kriegen! Denn was dann passierte, das war Krieg.

Der Virus kam auch zu uns. Nein, Gott sei Dank nicht in die Familie. Nur ins Land. Und, von wegen Verschnaufpause. Plötzlich gab es jeden Tag neue Hiobsbotschaften, das darfst du und das darfst du nicht, dafür brauchst du dieses oder jenes Dokument …

Wir Lehrer wurden erstmal alle heimgeschickt und wir sollten nun Unterricht von zu Hause aus machen. Nun, ich will ja nicht unken, aber das hab ich mir gleich gedacht, dass das nicht klappt. Unsere Schule wollte, dass wir den Stundenplan einhalten! Die Schulen meiner Kinder auch… Leider haben sie dabei vergessen, dass wir zu Hause kein Büro mit zig Computern und unbegrenztem Internetzugang haben. Meine Schüler übrigens auch nicht. Und die Internet-Plattform über die ich mit meinen Schülern kommunizieren sollte, ist gleich am ersten Vormittag um 9 Uhr zusammengekracht.

Nun, aufgrund meiner Managementerfahrung als berufstätige Familienmutter habe ich System D ausgerufen und alles mal neu organisiert: Zeitpläne für Internet- und Computernutzung für alle Familienmitglieder. Ausreichend Zeit (mindestens 3 bis 4 Tage) für meine Schüler, um die Kurse zu lesen und mir zu antworten (mein Direktor hat inzwischen meine Organisation für die ganze Schule übernommen!)

Einkaufen: Man braucht ja nicht dasselbe, wenn man den ganzen Tag auswärts ißt. Also, scharf nachdenken, die Aufgaben verteilen, und los: Chaos pur. Supermärkte geplündert. Teilweise geschlossen. Schlangen vor dem Ladeneingang und an der Kasse. Und schon wieder ein Tag weg. Sind die Geschäfte morgen noch auf? Kann ich an der Bank noch Geld abheben? Nehmen die Geschäfte noch Geld oder nur Karte? Fragen über Fragen. Und das wird nicht besser. Hoppla, nochmal Schlange stehen, weil wir das Katzenfutter vergessen haben. Wie konnte das nur passieren. Und zu Hause ist gerade der Hamster gestorben. Er hat den Stress eben auch mitbekommen und sein kleines Herz hat das nicht ausgehalten. Also, Hamster begraben, Kinder trösten … unter diesen Umständen nicht wirklich einfach.

Und dann noch das Wichtigste, von dem man kaum zu sprechen wagt:

“Kinder, wir müssen beten. Diese Krise ist eine Strafe Gottes.”

Und dann die letzte offizielle Messe in unserer geliebten Kapelle. Ich sitze da, schweren Herzens, im Kreise meiner Familie. Das Herz wird allen schwer, der Atem stockt, da fängt die erste an zu schlucken und weint. Was soll ich nur tun? Ich bin auch völlig am Boden zerstört. Die Messe war immer der Anker in meinem Leben, sie gab Kraft und Halt, und nun sollen wir auf unbestimmte Zeit darauf verzichten? Diesmal weine ich auch mit, wie alle anderen.

Als die Messe zu Ende ist, gehen die Gemeindemitglieder langsam raus. Wir zünden noch eine Kerze an und drücken uns in unsere Bank (immer dieselbe seit gefühlten Ewigkeiten). Der Pfarrer sitzt einige Reihen hinter uns und betet. Ich weiß, dass er jetzt von seiner Haushälterin zum Essen erwartet wird. Denken Sie jetzt nix Falsches, die Haushälterin ist über 80 und der Pfarrer ein ganz junger, nicht mal 30. Aber wir gehen nicht. Meine Tochter weint und will hierbleiben bis alles vorbei ist. Und so bleiben wir weinend noch fast eine halbe Stunde auf unserem Stammplatz. Unser Pfarrer ist sonst ein redseliger Typ, kein Wunder bei seinen 8 Geschwistern, aber er spricht uns heute nicht an und wartet geduldig bis wir uns endlich erheben und weinend den Weg nach draußen suchen. Keine Ahnung, wie wir nach Hause gekommen sind.

Wir beten viel gemeinsam in der Familie. Und noch kann man unter Einschränkungen mit dem Auto raus. Also suchen wir im Näheren und weiteren Umkreis eine Kapelle, die noch offen ist. Wenn wir eine finden, werden wir meist gebeten, nicht wiederzukommen … Eine Messe??? … … …

Und die Live-Übertragungen im Internet klappen auch nicht. Keine Ahnung, ob einfach unsere Internetverbindung zu schwach ist oder das Netz überlastet. Jedenfalls geht da gar nichts. Das wäre wenigstens ein kleiner Trost gewesen. In den Nachrichten werden immer neue Einschränkungen verkündet. Das wird sich wohl nicht in wenigen Wochen erledigen. Und ob wir danach noch Priester haben und eine Messe?

Wir haben uns jedenfalls auf einen Notfallplan geeinigt:

  • -> Zuerst beten, beten und nochmal beten. Und – nicht streiten! Das ist unter den gegebenen Umständen noch schwieriger als sonst.
  • -> Dann die Arbeit und die Schule, soweit es geht.
  • -> Und drittens, sich um alle Katastrophen kümmern.

Wir beten auch für alle Leser dieses Blogs, auch wenn uns wenig Zeit für’s Internet bleibt.

Christus regnat, Christus vincit, Christus imperat !

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