Anna Gallicana: Hast du am Sonntag schon was vor? (3 von 3)

Praktische Überlegungen zur Sonntagsheiligung

Aber da war doch noch was – ach ja: die Sonntags-Heiligung.

Die 10 Gebote sind logisch und verständlich. Jedes Kind kann verstehen, was sie von ihm verlangen. Leider befinden wir uns heute in einer modernistischen Umgebung, die nach menschlichem Ermessen nicht vorhersehbar war, mit all ihren technischen Möglichkeiten. Daher dürfen wir uns heute nicht am Buchstaben einer Interpretation festklammern, sondern müssen den ursprünglich gewollten Sinn wieder finden. Denken Sie hier mal an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Alle, die das Opfer am Straßenrand liegen ließen, haben nur das Gesetz befolgt und sich genau an die Auslegung gehalten. Trotzdem war ihr Verhalten falsch.

Ich habe jahrelang mit unserem Pfarrer über das Thema Sonntagsheiligung diskutiert. Wie schon eingangs erwähnt, habe ich als Student begonnen, sonntags zu arbeiten, da das Pensum einfach nicht zu schaffen war. Diese Angewohnheit habe ich lange beibehalten, denn als Aushilfslehrer habe ich schließlich ‘nur’ die Aufgaben meiner Schüler korrigiert, und nicht wirklich gearbeitet … Das war zwar nach ursprünglicher Meinung unseres Pfarrers keine Sünde, meiner Meinung nach jedoch grundfalsch, denn

  • erstens hatte ich keinen Ruhetag mehr und machte 7 Tage die Woche das gleiche,
  • zweitens ging ich am Sonntag ohne Not meinem Broterwerb nach und
  • drittens habe ich den Sonntag dadurch nicht geheiligt.

Inzwischen konnte ich unseren Pfarrer von meiner pragmatischen Sicht der Dinge überzeugen und habe diese üble Angewohnheit aufgegeben.

Ja aber was macht man denn zur Heiligung? Mit dem körperlichen oder geistigen Ausgleich allein ist das nicht getan. Dabei kommt es sicher darauf an, ob Sie den Sonntag allein oder mit der Familie verbringen. Jedenfalls sollte Ihnen bewusst sein, dass dieser Tag Gott gehört und ihre Beschäftigung daran anpassen.

Ich denke, dass es den Sonntag heiligt, wenn sie als Büroangestellter den Sonntagnachmittag mit den Kindern in der Küche verbringen und gemeinsam kochen, Kartoffeln schälen, dabei Marienlieder singen oder den Rosenkranz beten und die Zeit für ein Gespräch über Gottes Gaben, die Schwierigkeiten mit den 10 Geboten etc. nutzen – auch wenn Sie dabei leichte körperliche und niedrige Tätigkeiten ausführen, weil man sich dabei geistig mit Gott beschäftigen kann; das ist jedenfalls wesentlich besser als etwa vor dem Fernseher zu sitzen …

Am besten führen Sie – wie für den vormittäglichen Messgang – für den Sonntag-Nachmittag ein Ritual ein, das den Ansprüchen genügt. Rituale sind nicht nur für Kinder wichtig, sie geben uns Orientierung und helfen uns spontane Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Eigentlich müssten Sie hierzu ihren Seelenführer befragen, mit ihm ihre Gewohnheiten und Verbesserungsmöglichkeiten besprechen und sich von ihm Ausnahmen und Abweichungen genehmigen lassen. Leider scheint diese Art vom Aussterben bedroht zu sein und wir sind auf Bibel, Katechismus und gesunden Menschenverstand angewiesen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen gesegneten Sonntag.

 

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