Anna Gallicana, Hose oder Rock – das ist hier die Frage (1 von 2)

Doch, doch, genau das ist die Frage !

Sind Sie schon einmal in eine Kirche gegangen ? Möglichst in eine, die noch wie eine Kirche aussieht. Also mit einem Hochaltar, den man beim Eintreten sofort bemerkt, mit Kniebänken, damit man sofort erkennt, dass es sich hier um eine katholische Kirche handelt und vor allem mit Heiligenfiguren.

Es ist Ihnen vielleicht noch nicht aufgefallen, aber die Statuen sind nicht zur Verzierung da, sondern sie füllen den Raum, damit unsere Gedanken um sie kreisen. Etwa wie die Poster im Zimmer eines Teenagers. Als Katholiken sollten wir nämlich die Heiligen als unsere Vorbilder betrachten und in allem nachahmen: im Leben, im Denken, im Handeln und auch in der Kleidung.

Ja, die Herren der Schöpfung werden da wohl ein bisschen schlucken. Ich bin als hasenspickende Familienmutter zwar theologisch ziemlich ungebildet, aber ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung vom Himmel und vom ewigen Leben – wie sollte ich das ansonsten meinen Kindern erklären ?

Also zunächst glaube ich, dass sich der Liebe Gott die Zeit und die näheren Umstände seines Aufenthalts in diesem Erdental sehr genau ausgesucht hat und dass dementsprechend das Leben im Himmel damit zu vergleichen ist. Wenn Jesus, die Gottesmutter, die Apostel und die meisten Heiligen der folgenden Jahrhunderte also Kleider getragen haben, so werden wir im Himmel das auch tun, alle! Besonders die Männer. Also gewöhnt euch schon mal an den Gedanken. Und das sieht doch gut aus, oder?

Aber hier und heute?

Ja, ich verstehe das gut, dass man sich nicht gänzlich der herrschenden Mode entziehen kann. Unser Pfarrer trägt zwar tapfer seine Soutane, aber für andere Männer wäre dies beispielsweise ein K.O.-Urteil für eine Anstellung.

Nachdem diese Seite (die männliche) also geklärt wäre, kommen wir zur besseren Hälfte. Wir Damen können manchmal noch Röcke und Kleider in der Öffentlichkeit tragen. Ich gebe zu, dass ich das auch nicht immer kann, ebenso wenig wie viele meiner Bekannten und Freunde. Da sind zum Beispiel für Krankenschwestern hier im Ort Hosen Pflicht, für Busfahrer auch. Eine gute Freundin sitzt im Rollstuhl und muss dort mit einem Gurt zwischen den Beinen angeschnallt sein, nun stellen sie sich das mal im Rock vor … Als Lehrerin in unserer Mittelschule kann ich auch keine Röcke tragen, die Disziplin der Schüler ist nicht besonders gut und ich müsste den ganzen Tag meinen Rock bewachen, mich vor am Boden liegenden, filmenden Handys in Sicherheit bringen … ist schon lästig genug, die zu konfiszieren.

Trotzdem werden mir bestimmt alle (!) Leserinnen zustimmen, dass sie sich Kleid oder Rock anziehen, wenn sie gut aussehen wollen, weil sie auf eine tolle Hochzeit, eine Familienfeier etc. eingeladen werden oder wenn die jungen Mädchen ihrem Traumprinzen gefallen wollen. Das ist doch ein deutliches Zeichen dafür, dass wir uns in Kleidern schöner und wohler fühlen.

Und zur größten Einladung unseres Lebens, zur Messe, zur Begegnung mit dem Lebendigen Gott, möchten wir doch so schön wie möglich sein – äußerlich und innerlich. Das Äußere färbt doch auf das Innere ab und bringt uns in die richtige ‘Stimmung’. Wenn wir also die Kirche betreten, wünschten wir uns bewusst oder unbewusst, es unseren Vorbildern gleichzutun, heldenhaft allen Versuchungen zu widerstehen und diese wunderbaren Kleider zu tragen und einen Platz im Himmel zu bekommen.

Aus diesem Grunde wurden wahrscheinlich die Statuen aus den Kirchen entfernt.

Sollen wir nun der Messe fernbleiben, nachdem beide Geschlechter fast ausschließlich Hosen tragen? Das war natürlich eine rhetorische Frage. Nein, natürlich nicht. Wir werden uns also unseren Pfarrer zum Vorbild nehmen, der ja auch nicht in Soutane die Messe hält, sondern sich in der Sakristei eine Albe und eine Kasel (oder heutzutage meist nur eine bessere Pferdedecke) überzieht.

 

 

 

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