Anna Gallicana oder aus dem Leben einer hasenspickenden Familienmutter

Wir lassen vorerst unsere Antipapst-Reihe ruhen, weil DSDZ weiter Teile verfassen muss, welche die Barnhardt-These theologisch ausbauen und philosophisch erweitern werden. Ansonsten steht uns bald die Kommerzialisierung des Blogs ins Haus, da wir jemanden gefunden haben, der aus der Anonymität heraustritt, um den Kopf für uns hinzuhalten. Um Spenden für die künftige Anwaltskosten wird jetzt schon gebeten. Wir wollen aus verschiedenen Gründen auf unserem Blog etwas anbieten, was es woanders nicht gibt. Dieses etwas wäre die Sicht einer theologisch nicht gebildeten hasenspickenden Familienmutter, welche jedoch kein einfaches Mütterchen vom Lande ist. Wir haben diesen jemand in der Mitarbeiterin Anna Gallicana, welche unter diesem Pseudonym ihre Beiträge verfassen wird. 

DSDZ ist zwar vielseitig, aber er ist dennoch keine Frau. Als er neulich die Shopping-Queen schaute (ja, er schaut manchmal so etwas), da wurde es ihm klar, dass es sich bei der Weiblichkeit um ein Paralleluniversum handelt, zu dem ein Mann keinen Zugang hat. Ja, es ist gut so, aber er kann durch den fehlenden Zugang die Frauen nicht erreichen. 

Wie verändert man die Gesellschaft? Durch die Frauen.

Warum? Weil sie Mütter sind und viel Einfluss durch die Erziehung auf Männer und Frauen haben.

Weil sich die Männer wenigstens teilweise in der Werbezeit nach den Frauen richten. Manche tun es auch lebenslang in der Ehe. Verändert man Frauen, so verändert man nach und nach die Männer. Da DSDZ ledig ist und sich nicht daran erinnern kann, dass ihn langfristig (kurzfristig eigentlich auch nicht) eine Frau irgendwohin lenken konnte, wo er selbst nicht hinwollte, so fehlt in seinem Leben das weibliche Korrektiv. Denn die Geschlechter sind dazu da einander zu ergänzen, was sehr schön Virginia Woolf in ihrer Erzählung “Room of one’s own” subsumiert. Für diejenigen, die es nicht gelesen haben oder nicht lesen werden, stellen wir sein Fazit kurz dar:

Virginia Woolf behauptet, dass Frauen keine große – Shakespeare-ähnliche – Literatur geschafft haben, weil sie kein eigenes Zimmer hatten.

Ja, liebe Leserinnen und Leser, so einfach ist das. Das betraf wohl alle Frauen, aller Schichten, die Kardashians von heute eingeschlossen. Kein Zimmer – keine Literatur. Ein Zimmer – große Literatur. Die Männer haben sie unterjocht, sie nicht schreiben lassen, sie die Kinder gebären lassen, vom Spicken des Hasen ganz zu schweigen. Denn solch einen Hasen muss man erst einholen, um ihn zu fangen, um ihn zu töten, zu häuten, auszunehmen und erst dann zu spicken. Ja, eine Frau hat es da nicht leicht und sie muss eine gute Läuferin mit Sprinteinlagen sein, denn solch ein Hase ist schnell (Geschwindigkeit bis zu 70 km/h). Da bleibt, nach Virginia Woolf, die interessanterweise das Hasen-Argument nicht benutzt, kaum Zeit für Literatur. Tja, so ist es nun mal. 

Aber ganz im Ernst gesprochen, so muss man feststellen, dass Virginia Woolf unrecht hatte und diejenigen Frauen keine Literatur schufen, die keine Literatur schaffen wollten. Daher sind wir sehr glücklich die schreibende und hasenspickende Mutter vorzustellen, die dazu noch eine gläubige Katholikin ist. 

 

 

 

(9) Kommentare

  1. Anna Gallicana sagt:

    Zuviel des Lobes …
    Und übrigens, den Hasen lasse ich vom männlichen Geschlecht fangen, ich renne nicht so schnell wie ich denke.

    1. Traditio et Fides sagt:

      Sprint ist aber keine reine männliche Sportart mehr:)))

  2. Susanna sagt:

    Ist “hasenspickende Hausfrau” eine polnische Umschreibung für ein braves, aber ungebildetes Hausmütterchen? Ich selber habe nämlich nie einen Hasen gespickt – der gehört nämlich nicht in das “normale” Kochwissen einer bayrischen Hausfrau… Die Bayern sind durch den guten Schweinebraten und das Bier so behäbig geworden, dass sie ihr Schlachtvieh beim Metzger kaufen, weil sie – wären sie auf die Hasenjagd angewiesen – verhungern würden 😉
    Diese “hasenspickende Hausfrau” wird, ehrlich gesagt, langsam ein wenig …. anstrengend.

    1. Traditio et Fides sagt:

      @ Susanna
      Nein, die „hasenspickende Hausfrau“ ist keine polnische Umschreibung, sondern eine Eigenschöpfung von DSDZ. Aber die Wurzeln sind deutsch und literarisch. Die Idee das Hasenspicken als ein Endkunst der weiblichen Haushaltskünste zu sehen, stammt aus dem Roman “Die Poggenpuhls” von Theodor Fontatne, wo die mittlere Tochter Sophie einer verarmten Adelsfamilie gerade diese Künste aufleben lässt, welche sonst als nicht standesgemäß untergegangen worden wären. Denn Sophie konnte “kochen, häckeln, sticken und einen Hasen spicken”. Somit steht das Hasenspicken für eine hausfraulichen Vollkommenheit. Die polnischen Leser halten es sogar für einen altgebrachten deutschen Brauch, da ich auf diesem Blog so oft davon schreibe.

      Ob es anstrengend ist?

      Alles Vollkommene strengt an, das Hasenspicken auch. Vielleicht ist manch eine Leserin darauf gekommen es selbst zu versuchen? Das hasenspickende Hausmütterchen ist zwar eine Kunstperson, aber manch eine Leserin kann sich mit ihr grosso modo identifizieren. Sie steht dafür, dass dieser Blog auch theologisch nicht gebildete, mit Haushalt beschäftigte Frauen erreichen möchte, welche wenig Zeit für die Lektüre von stricte theologischen Texten haben, weil der Hase nicht wartet.

      Finden Sie diese Bezeichnung hasenspickendes Hausmütterchen:
      a. frauenfeindlich?
      b. hasenfeindlich?
      c. haushaltsfeindlich?

      Welche Bezeichnung schlagen Sie stattdessen vor?

      Oder möchten Sie bei uns nur Sätze wie diese Lesen:

      “höchster Fall des Wesensvollzuges der menschlichen Wirklichkeit” (K. Rahner, Grundkurs des Glaubens)

      “als vollständige, ihrer selbst bewusste rein menschliche Person Gott gegenüber, der sich ihm zusagt und ihn annimmt, während Christus als Mensch die Zusage Gottes annimmt” (Vogels, Rahner im Kreuzverhör)

      nicht zu vergessen:

      “die Selbstaussage des Vaters nur in die Geschichte hinein und sei deswegen nicht nochmals als sagend, nämlich innertrinitarisch Du-sagend zu konzipieren” (Vogels, Rahner im Kreuzverhör)

      Jemand hat geschrieben, dass Karl Rahner die deutsche Sprache vergewaltigte. Wir gehen den umgekehrten Weg: back to the roots, nicht zum Nibelungenlied, sondern zu Fontane. Und solch ein hasenspickendes Mütterchen schaden im Gegensatz zu Rahner niemanden.

      Nein, es steht “massakrierte” nicht “vergewaltigte”, kommt aber aufs selbe raus.

      1. Traditio et Fides sagt:

        Der Hasenbeitrag hat jetzt schon mehr Klicks als gestern der Predigt-Beitrag von 8.00 bis 24.00. Ach, die menschliche Natur….

  3. Susanna sagt:

    Nein, @Tradition et Fides, es ist weder frauenfeindlich, aber ein Klischee,
    noch hasenfeindlich – aber bei genauerer Betrachtung , von der Warte des Hasen her gesehen schon :-),
    noch haushaltsfeindlich.

    Aber es ist ein Anachronismus.

    Diese hasenspickende Hausfrau, die die gute Sophie Poggenpuhl aber nie war, gibt es einfach so nicht mehr.

    (Auch die in “Shopping Queen” gezeigten Frauen repräsentieren NICHT das durchschnittliche weibliche Geschlecht – das ist einfach Dekadenz pur und zum Glück noch nicht wirklich represäntativ für die Frauenpsyche.)

    Mochte Sophiechen das Hasenspicken auch gekonnt haben – getan es in aller Regel die gute alte Friederike, die Haushälterin der Poggenpuhldamen war es, die alle Arbeit verrichtete.
    In MEINEM Fontane steht auch KEIN Wort davon, dass sie kochen, häkeln und sticken konnte, sondern :

    ” …sie war musikalisch, zeichnete, malte, dichtete zu Geburtstagen und Polterabenden und konnte einen Hasen spicken.” Ja und sie schrak nicht einmal vor Physik und Spektralanalyse zurück 🙂
    Und diese Talente und deren Ausübung empfand man in diesen Kreisen als “einigermaßen zweifelvoll” und “unstandesgemäß”, war aber wegen der wirtschaftlichen Not darauf angewiesen.
    Also keineswegs als Ideal.

    1. Traditio et Fides sagt:

      @ Susanna

      Ich entnehme daraus, dass Sie keinen Hasen spicken können. Schade. Aber Sie haben recht: eine hasenspickende Frau ist sicherlich nicht repräsentativ und sie kann auch nichts repräsentieren.

  4. Anna Gallicana sagt:

    @ Susanna

    Sie müssen meine Artikel ja nicht lesen.
    Als Traditio et Fides diese Figur erwähnte, fühlte ich mich sofort angesprochen. Und vielleicht interessiert sich der eine oder andere Leser nach geistigen Höhenflügen mit DSDZ für meine unrepräsentative Meinung, so zur Entspannung.
    Wenn Sie allerdings eine repräsentative Meinung haben wollen, sind Sie hier ganz falsch. Die bekommen Sie besser bei FAZ oder Bild oder …

    Nix für ungut.

    1. Traditio et Fides sagt:

      Ich bestätige. Wer hier gelandet ist, ist sicherlich nicht repräsentativ.

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