Tradition und Glauben

Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (24) Kapitel: Vorstufen der Mystik? (14) Gebet der Einfachheit und Beschauung (i). Quellen zum Gebet der Einfachheit

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Eines der großen Vorzüge des Buches von Pater Poulain SJ ist das Quellenstudium, welches er zur Mystik getätigt hat und welches am Ende eines jeden Kapitels als eine Zitatensammlung zu den einzelnen Stufen des Gebets erscheint. Anbei sehen wir die Belege aus der Korrespondenz der Heiligen über das Gebet der Einfachheit, an denen wir erkennen können, wie Menschen das praktisch erlebt haben, was Pater Poulain SJ theoretisch beschreibt. Beim Ausdruck „Texte der Heiligen“, wie z.B, von hl. Johanna de Chantal ist Vorsicht geboten, weil viele Menschen, wenn sie solch eine Überschrift sehen gleich denken:

„Das ist für Heilige, das ist nichts für mich“.

Aber Heilige haben auch länger gebraucht bis sie heilig wurden und das, was wir in den Heiligsprechungsakten als das Ergebnis sehen, wurde lange durch Kämpfe und Mühen vorbereitet. Manche Heilige machten sich einfach über bestimmte Dinge, wie das Gebet der Einfachheit, Gedanken und konnten es beschreiben und zwar richtig beschreiben, denn Falschmystik gab es schon immer. Aus den unten angeführten Beispielen geht klar hervor, dass beim Gebet der Einfachheit man selbst nichts macht, sondern dass diese Gebetsstufe wirklich von Gott gemacht wird.  Damit unsere lieben Leser, insbesondere diejenigen bei gloria.tv, die sich meistens nur die erste Hälfte der Überschrift zu Gemüte führen, nicht verwirrt werden hier ein paar klärende Gedanken.

  1. Gebet der Einfachheit ist ein Gebet, das maximal 45 Minuten am Tage dauert, normal sind 30 Minuten.
  2. Man braucht meistens jahrzehntelange Gebetserfahrung eines tätigen Betens und Betrachtens bis man, so Gott es will, auf diese Stufe gelangt.
  3. Die Stufe der Einfachheit ist nicht mit allgemeinem Nichtstun im Leben und dem Warten auf „den Triumph des Unbefleckten Herzens“ identisch.
  4. Gebet der Einfachheit ist nicht Quietismus.

Wenn sogar Heilige nur kurz in diesem Zustand verbleiben konnten, weil unsere Natur nach Zerstreuungen und Mannigfaltigkeit sucht, so ist es doch nicht möglich, dass jemand 24 Stunden am Tag passiv bleibt und Gott in sich wirken lässt.  Zwar vermag es nur Gott mit seiner Gnade „diese Vereinigung beizuführen“, wie sich die hl. Johanna de Chantal ausdrückt, aber nur bei solchen die an den übrigen 23 Stunden 30 Minuten am Tag, ja, Schlaf zählt auch dazu, sich um Gott bemühen. Ansonsten liegt das Hineinschlittern in eine esoterisch-buddhistische Weltabgewandtheit nahe. Die unteren Quellenbelege werden eine Goldgrube für diejenigen sein, die tatsächlich das Gebet der Einfachheit erfahren. Ihnen wird ein Stein vom Herzen fallen, indem sie sagen:

„Das, was ich hier erlebe, ist also normal. So muss es sein.“

Alle anderen, welche noch nicht so weit sind, können sich wenigstens darüber belesen.

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