Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (31) 4. Kapitel: Die verschiedenen Arten mystischer Gnaden.

Würden wir unsere Pater Poulain SJ-Reihe mit Bergsteigern vergleichen wollen, so treten wir nun in die Höhen ab 5000 m ein. Es ist noch nicht die “Todeszone” über 7000 m, es ist aber schon über die 3000 m-Zone, welche mit dem Gebet der Ruhe anfing. Zwar werden nur sehr wenige Menschen in diese Höhen der mystischen Gnaden gelangen, aber wir wollen diese Höhen dennoch vorstellen und kommentieren aus Gründen der Vollständigkeit und der Darstellung der katholischen Lehre. Interessanterweise halten sich die meisten Katholiken mit kaum einem Gebetsleben für Experten, was die Privatoffenbarungen anbelangt, denen manche Foren, Portale und Blogs ausschließlich gewidmet sind, von den Büchern und Traktaten ganz zu schweigen. Wir können heute, im Juni 2019, klipp und klar davon ausgehen, dass es derzeit keine von Gott kommenden Privatoffenbarungen gibt.

Warum?

Weil:

  1. es kaum Menschen gibt, welche diese Höhen des Gebetslebens erreichen,
  2. es keine Kirchenvertreter gibt, die selbst (a) ein intensives Gebetsleben pflegen, (b) in rechtgläubigen Theologie bewandert wären und (c) die Prozesse des geistlichen Lebens so gut kennen würden, um diese Privatoffenbarungen als richtig oder falsch einschätzen zu können. 

Gott schickt also keine Privatoffenbarung, weil sie niemand (i) aufnehmen oder (ii) beurteilen kann. Bergoglio haut ja eine Häresie nach der anderen raus und fast niemand reagiert, besonders kein Bischof. Wie sollen sie denn in der Lage sein die subtile Materie der Privatoffenbarungen unterscheiden zu können? Daher wird Medjugorje praktisch als “Gebetsstätte” anerkannt, ohne dass eine Aussage über die Echtheit der immerwährenden “Gospa-Erscheinungen” getroffen wird. Daher erhalten gerade jetzt irgendwelche hysterisch-gnostischen Traktätchen, wenigstens in Polen, ein nihil obstat. 

Aber kehren wir zu Pater Poulain SJ zurück. Die mystischen Gnaden, die rein übernatürlichen Gnaden, welche die Seele in diesem hohen Zustand der Vollkommenheit empfängt, bestehen darin, dass sie:

  1. Gott selbst
  2. Geschaffene Wesen (Engel, Heilige, etc.)

sieht. Es ist also eine Vorwegnahme des Himmels, wo wir ebendiese Anschauung von Gott und in Gott erhalten werden. Während aber bei echter Mystik der Punkt (1) dem Punkt (2) vorangeht oder diesen begleitet, bestehen die Privatoffenbarungen ausschließlich in Punkt (2) und zeichnen sich dadurch aus, dass die Inhalte dieser Schauungen anderen mitgeteilt werden sollen. Bei echter Mystik betreffen die Gnaden (1) und (2) die Seele selbst und zeigen ihre Intimität mit Gott. Es sind einfach Begleitumstände der Vereinigung mit Gott, welche geistlich und nicht plastisch ist, sodass diese Phänomene nach und nach abklingen, wie wir noch später lesen werden. Die Phänomene (1) und (2) kommen deswegen so spät im geistlichen Leben vor, ab ca. 5000 geistliche Höhenmeter sozusagen, weil die Seele vorher zu unrein und zu schwach ist diese Gnaden überhaupt  empfangen zu können. Und deswegen sind echten Privatoffenbarungen , im Sinne der Schauungen, die anderen mitgeteilt werden sollen, dermaßen selten, da die Stufe (2) gleich unvorbereitete Menschen trifft wie in Lourdes, in La Salette oder in Fatima. Die echten mystischen Gnaden (1) und (2) sind natürlich auch sehr selten, sie kommen aber vor. Heutzutage gibt es wirklich massenweise Engelsvisionen und andere Privatoffenbarungen, hauptsächlich im katholisch-charismatischen Milieu oder in der Esoterik, aber sie kommen alle nicht von Gott. Denn diese Menschen sind unvorbereitet und diese Mitteilungen sind entweder häretisch oder banal oder beides wie in Medjugorje. Lesen wir also Pater Poulain SJ, damit wir Bescheid wissen.

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