Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (35) 6. Hauptkennzeichen der mystischen Vereinigung (i)

Der geringen Leserschaft unserer Beiträge zum spirituellen Mittwoch ist zu entnehmen, dass wirklich kaum irgendwelche Katholiken ein Gebetsleben haben. Unter “Gebetsleben” verstehen wir hier nicht das bloße Rezitieren von Gebeten, sondern schon Betrachtung, schon die Wahrnehmung der Einwohnung Gottes in der Seele.

Ist es überhaupt möglich?

Ja, durchaus. Die heilige Teresa von Avila vergleicht das Gebet mit einem Rückzug eines Tieres, zum Beispiel einer Schnecke, in ihr Inneres. Sie verlässt die äußere Welt und kommt in ihrem Innern zu einer vermüllten und beinah versiegten Quelle, welche die Anwesenheit Gottes in der Seele durch die Gnade darstellt.

Ist Gott denn in jeder Seele anwesend?

Nicht in diesem Sinne, welche die katholische Mystik gemeint. Gott ist nur in einer getauften Seele im Gnadenstand anwesend. Er erhält zwar alles Dasein in ihrer Existenz, als der metaphysische Urgrund des Seins, aber er ist nicht personenhaft in jeder Seele anwesend. Dies bedeutet, dass er in der ungetauften Seele eines Pachamama anbietenden Indianers des Amazonasgebiets nicht anwesend ist. Wäre es anders, dann bräuchten wir keine Offenbarung, keinen Christus, keine Erlösung, keine Taufe, keine Kirche und keine Mission. Das wünscht sich zwar Bergoglio, aber es ist falsch.

Zu der Anwesenheit Gottes in der Seele kommt man nur durch das Entmühlen des inneren durch Askese und durch das Gebet. Daher kommen so wenige Menschen zu einer mystischen Vereinigung, weil sie diese Mühe scheuen und es ist eine Riesenmühe.

Wenn man aber kein Gebetsleben pflegt, dann wird man niemals zu einem „Schauenden”, der die Glaubensgeheimnisse nicht nur moralisch oder intellektuell erwägt, sondern sie auch tatsächlich dreidimensional sozusagen sieht. Hauptkennzeichen der mystischen Vereinigung bestehen einfach darin, dass das Geistliche immer realer und das irdische immer ihr realer wird, wenigstens in den Phasen der Vereinigung mit Gott, welche zuerst kurz dauern und dann zu einem Dauerzustand, so Gott will, ausgebaut werden. Wenn man aber Gott nicht liebt, weil man ihn nicht kennt, dann beginnt man ihnen nach und nach zu hassen, siehe Bergoglio und unsere lieben Geistlichen bei der Amazonas-Synode.

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