Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (37) 6. Hauptkennzeichen der mystischen Vereinigung (iii) Gibt es Mystik?

Mystik ist neben Wunder ein Gottesbeweis. Wenn es mystische Erlebnisse gibt, wenn diese wirklich übernatürlich sind, dann gibt es Gott, dann gibt es die spirituelle Dimension, die nicht materiell ist. Daher werden sowohl die Wunder als auch mystische Zustände, wie auch schließlich die Gottesbeweise geleugnet. Wenigstens seit der Aufklärung, wo man die ganze Religion und insbesondere das Übernatürliche in ihr naturalisieren wollte.

Was ist die Mystik also?

  1. Krankhafte Zustände, die im dunklen Mittelalter schlecht diagnostiziert wurden.

oder aber

2. Natürliche Möglichkeiten des menschlichen Geistes, zu den jeder fähig ist.

 

Obwohl sich 1. und 2. widersprechen, so bilden sie dennoch eine narrative Einheit, wie man sie im Theologiestudium gelehrt bekommt. Ist etwas aber krankhaft, so ist es natürlich, wenn auch verzerrt. Ist etwas eine naturbedingte und naturhafte Möglichkeit eines jeden, dann ist es auch natürlich. Mystik wurde auch von Pelagianern oder Semipelagiarn geleugnet, da sie die Notwendigkeit der Gnade in Frage stellten und mystische Zustände als höhere asketische Zustände betrachteten. Das ist ein fromm verkleideter Naturalismus, aber immer noch ein Naturalismus. Interessanterweise haben wir seit New Age in den 1980-gern einen naturalistischen Supranaturalismus, in dem man wirklich paranormale Zustände (Telepathie, Telekinesis, Aura-Schauen, Out-of-Body-Experience etc) als “unentdeckte Kräfte des menschlichen Geistes” verkauft, während es sich dabei in Wirklichkeit um dämonische Einwohnung handelt, denn durch bestimmte Praktiken öffnet man sich buchstäblich auf die Dämonen und ruft diese herbei. Daher gibt es heutzutage sehr viele Menschen, die diese Art der dämonischen-paranormalen Mystik erleben, ohne jede Hoffnung wieder daraus zu kommen. Denn das, was die Theologie durch die Tür hinauswarf, die Mystik eben, kommt durch das Fenster als Besessenheit wieder herein. Pater Poulain SJ gibt in den u.a. Zeilen die theologischen Ansichten vom Ende des 19 Jhdts. wieder, wo man schon an vielem zweifelte, immer modernistischer wurde und das Vat. II einleitete. Die geistlichen führten ein immer kürzeres Gebetsleben, sodass sie das Mystische gar nicht nachvollziehen konnten, weil es sie selbst nicht betraf. So einfach ist es leider: keine Erfahrung, kein Interesse.

 

 

 

 

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