Tradition und Glauben

Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden (57). Geistliche Berührungen in der Tradition (ii)

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Manch ein Leser, die sich überhaupt an diese Texte heranwagt, wird sich die Frage stellen:

Wenn das alles stimmt, warum erfahre ich es nicht? Warum erfahren es so wenige?

Die Antwort ist, wie immer sehr einfach, denn Gott ist die Wahrheit und einfach, somit ist die von ihm kommende Wahrheit immer einfach und sie lautet:

Weil Sie sich die notwendige Arbeit nicht machen!

Die Raupe liegt ja auch nicht faul herum und wartet auf den „Triumph des Unbefleckten Herzens“, was reiner Quietismus sind, sondern sie futtert zuerst und dann spinnt sie ihr Seidenkokon, in dem sie ruht. Ja, sie wird tatsächlich ohne ihr Zutun zum Schmetterling, aber die Arbeit vorher hat sie ganz allein. Nein, liebe Leserin und lieber Leser, nicht nur unsere lieben Geistlichen und Ordensleute sind zum inneren Leben berufen, sondern wir alle. Das Leben im Kloster sollte dazu, wenigstens vor dem Konzil, verhelfen, was es nicht immer tat, weil man ja mit Gott mitwirken sollten.

DSDZ (DSDZ) liest jetzt ein interessantes Büchlein aus dem Jahre 1929, von einem Jesuiten, P. Max Schmid S.J. geschrieben mit dem Titel: „Konferenzen für die monatliche Geisteserneuerung. I. Band. Hindernisse des geistlichen Fortschrittes“. Denn damals, vor langer, langer Zeit hatten die Ordensfrauen und Ordensmänner, „divers“ gab es noch nicht, tatsächlich einmal im Monat Konferenzen zum geistlichen Leben und nicht zum Thema Klimaerwärmung, Waldrodung im Amazonas oder Armut in Deutschland, sondern man sprach über etwas, was Gott direkt betraf. Diese Konferenzen von Pater Schmidt sind sehr gut und DSDZ freut sich sehr, dass er viele seiner eigenen Ansichten darin findet, was ihm zeigt, dass er die Leser nicht in die Irre leitet, denn er wird durch dieses Bloggen sicherlich ein härteres Fegefeuer haben. Wo Wissen und Verantwortung ist, da ist auch Strafe.

Was sagt also dieser Pater Schmidt SJ?

Er nennt die folgenden Hindernisse am geistlichen Leben:

  1. Die freiwilligen Fehler – lässliche Sünden
  2. Die Lauheit
  3. Der Verlust der Zeit
  4. Die Routine in den täglichen Handlungen
  5. Der Geist der Zerstreuung
  6. Die Mutlosigkeit
  7. Die Skrupulosität

DSDZ ist jetzt bei der Lektüre des Punktes 3. und glaubt, dass wirklich die allermeisten Katholiken nicht einmal über den Punkt 1. hinausgehen. Warum? Weil diejenigen, die ohne Todsünde leben, wie Verhütung in der Ehe, habituelle Masturbation, Internetpornographie, zweite Ehe etc., was immer seltener vorkommt, sich kaum die Mühe geben sich von den lässlichen Sünden ganz freizuhalten.

Was bedeutet das?

  1. Man weiß, dass etwas eine lässliche Sünde ist.
  2. Man macht es dennoch und freiwillig.
  3. Weil es eben nur eine lässliche Sünde ist.

Man arbeitet auch nicht an der Tugendgewinnung, z.B. freundlicher, geduldiger oder demütiger zu werden, „weil ich eben so bin“. Somit macht man keinen moralischen Fortschritt und dadurch auch keinen geistlichen Fortschritt. Dazu kommt die Lauheit, weil ich als Laie es ja nicht muss, dann der Zeitverlust, weil man sich etwas gönnen will und soll, etc. In eine solche Seele, wie durch eine verdreckte Scheibe, scheint keine Sonne, beziehungsweise das Licht ist drinnen nicht sichtbar. Sicherlich ist man skandalisiert und entrüstet, wenn man die Schreckensnachrichten vom Leben unserer lieben Geistlichen liest und hört, aber das ändert nichts und wir müssen uns selbst bemühen, um auch denen zu zeigen, dass es doch anders geht. Nehmen wir also deren Lebenswandel zum Vorwand unser eigenes Leben schleifen zu lassen.

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