Tradition und Glauben

Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden (60). Fünf geistige Sinne (iii) Geistiges Fühlen

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Wie kommt man überhaupt dazu diese Berührungen Gottes zu spüren? Indem man von sich aus für alle äußeren Reize unempfänglich wird. Viele Heiligen haben sich so abgetötet, dass sie, wie der hl. Alfons Rodriguez, bei einem Spaziergang dermaßen die Landschaft unbesehen ließen, dass sie nicht sagen konnten, wo sie eigentlich waren. Diese Askese betraf auch andere Sinne, insbesondere die visuellen Reize.

„Was Du bei Tag siehst, daran wirst Du in der Nacht erinnert werden“.

hl. Basilius der Große

Die Berührungen Gottes sind übernatürlich und daher sehr zart und somit muss die Seele zuerst zu dieser Zartheit kommen, um für sie empfänglich zu sein. Daher alle diese Einschränkungen in den kontemplativen Orden.

In den USA gibt es in Green Bank, West Virginia ein „staatlich verordnetes Funkloch“ ohne Mobilfunk- und Radioempfang, da in dieser Gegend das größte Radioteleskop der Welt steht. Da dieses Teleskop den Himmel nach Himmelskörpern und anderen Erscheinungen durchsucht und sehr sensibel ist, so würde jedes Signal von der Erde seine Ergebnisse verfälschen. Daher keine Mikrowellen, kein Wi-Fi.

Green Bank das größte Funkloch der Welt

Mit Gott und Gnade ist es genauso, insbesondere in den fortgeschrittenen mystischen Zuständen, die Pater Poulain SJ hier beschreibt. Gott muss natürlich etwas senden, aber der Empfänger muss sehr empfänglich sein, um die Berührungen Gottes von seinen eigenen emotionalen Zuständen unterscheiden zu können. Das ist natürlich ein langer Weg bis dahin bis man die richtige Selbst- und Fremdwahrnehmung erreicht, aber bei Reizüberflutung geht es nicht.

Wir leben in einem digitalen Zeitalter, wo wohl die meisten Menschen von irgendeinem Informationszufluss abhängig sind. Bei Novus Ordo wird diese ständige Unterhaltung und Berieselung fortgesetzt, sodass man wirklich kaum Ruhe hat, falls man nicht selbst ein diszipliniertes Gebetsleben führt und sich isolieren kann. Daher haben die meisten solch ein flaches Gebetsleben, falls sie überhaupt eins haben.

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