Bäumer, Geschichte des Breviers. (13) Einleitung: § 3. Archäologische Bemerkungen (i). Stundengebet bei Juden und Heiden

Die unten angeführten Fragmente von Pater Bäumer OSB können zu Zeit der Amazonas-Synode leicht (1) modernistisch, (2) immanentistisch und (3) religionsgeschichtlich missverstanden werden.

Was sollen diese Fremdwörter? Geht es nicht auf Deutsch?

Obwohl die AfD noch nicht an der Macht ist, antworten wir:

Nein, es geht nicht auf Deutsch, denn es sind Fachbegriffe!

  1. Unter „modernistisch” verstehen wir hier, vereinfacht ausgedrückt:
das Aushöhlen und Ersetzen von katholischen Inhalten durch nichtkatholische Inhalte

2. unter “immanentistisch” verstehen wir die Ansicht, dass

Religion ein menschliches Grundbedürfnis ist, sodass sich jedes Volk und jedes Zeitalter, kulturbedingt, eine eigene Religion schafft

3. unter “religionsgeschichtlich” verstehen wir, dass

Religionen sich zeitbedingt in der Vergangenheit verschieden gestalteten

während aber Modernismus und Immanentismus Irrlehren sind, welche von der Kirche, hauptsächlich in Pascendi verurteilt wurden, ist Religionsgeschichte ein geisteswissenschaftliches Fach, welches die verschiedenen Erscheinungsformen von Religion in der Geschichte mit geschichtlichen Mitteln untersucht. Der Satz, dass sich die ägyptische Religion der Dynastie X von der ägyptischen Religion der Dynastie Y unterschied, ist entweder wahr oder falsch, je nach Quellenlage und ihrer Auswertung. Es stimmt natürlich auch, dass sich die kultischen Formen des Judentums und des Christentums im Laufe der Zeit entwickelten, sodass der christlicher Kult im siebten Jahrhundert ein anderer war als im 13. oder 17. Jahrhundert.

Da aber einer der Grundsätze des Modernismus darin besteht den Gedanken einer ständigen Veränderung als die Norm einzuführen, siehe die Reform der Reform der Reform, so wurde die Religionsgeschichte dazu missbraucht, diese der ständigen Veränderung des Gottesbezuges, welche in der veränderten Liturgie zutage trat, zu untermauern. Pascendi bespricht diese Entwicklung in den Punkten 9-10: “Deformation der Religionsgeschichte und deren Folgen“. Es lässt sich nicht leugnen, dass sich der katholische Kult in seiner Ausdrucksform änderte, dennoch aber, was die Modernisten leugnen, in seinem Kern gleich blieb. Hier ist die philosophische Unterscheidung zwischen der Substanz und den Akzidentien herbeizuführen, d. h. zwischen dem Wesen und im Beiwerk. Weil es, laut den Modernisten, keine Wirklichkeit an sich gibt, siehe Kant, daher gibt es, ihrer Meinung nach, auch kein Wesen, das gleichbleiben könnte. Alles ist veränderbar und abhängig von der Perspektive. Daher, so die Modernisten, gibt es auch keine Wahrheit.

Pater Bäumer verwendet den Ausdruck “Uroffenbarung”, welcher in seiner Zeit, Anfang des 20. Jahrhunderts modisch war, aber heute, siehe Amazonas-Synode und Pachamama im Tiber, doch mit Vorsicht zu genießen ist. Nach der katholischen Lehre hatten zwar die Heiden durch das Naturrecht die “Samenkörner der Wahrheit”, wie sich der heilige Justin ausdrückte, dies bedeutet aber nicht, dass eine heidnische Religion die Rettung der Seele und das ewige Leben verheißen könnte. Weder damals, noch heute. Sicherlich hatten die Heiden vor der Ankunft Christi irgendeine Ahnung der kommenden Erlösung, wie die griechischen und lateinischen Kirchenväter es ständig anführen. Es stimmt, dass es in jeder Religion sehr ähnliche Gebete und Rituale, meistens Opferrituale, gab, weil die Menschen ahnten, dass sie erlösungsbedürftig sind. Dennoch schlug die vorchristliche Religion bei allen, außer bei den Juden, in Götzendienst und Dämonenkult, siehe Pachamama, um. Es gibt Ähnlichkeiten zwischen den Religionen, aufgrund der Ähnlichkeit der menschlichen Natur, nicht aufgrund irgendeiner “Uroffenbarung”, die recht zweifelhaft ist. Daher gibt es die von Gott geoffenbarte Religion und die von Dämonen “geoffenbarte” Religion. Daher gibt es auch die wahre und die falsche Religion. Es stimmt nicht, was der Immanentismus behauptet, dass die Religion an sich in einem allgemein menschlichen religiösen Gefühl ihre Quelle hat. So lesen wir in Pascendi (7):

Dieser Agnostizismus ist in der Lehre der Modernisten jedoch nur als negativer Teil anzusehen: der positive besteht, wie sie sagen, in der v i t a l e n   I m m a n e n z . […] Die Erklärung aber wird, da die natürliche Theologie getilgt und der Zugang zur Offenbarung wegen der Verwerfung der Beweise für die Glaubwürdigkeit verschlossen, ja sogar jedwede äußere Offenbarung völlig aufgehoben ist, außerhalb des Menschen vergeblich gesucht. (DH 3477)

Es ist doch erstaunlich, wie intensiv dieser verurteilte Satz im Bergoglio-Pontifikat umgesetzt wird. Man kann der Bibel nicht glauben, denn niemand mit einem Aufnahmegerät war dabei, so in etwa sprach der jetzige Jesuiten General (Gott sei’s geklagt) De Souza.

Sie ist also im Menschen selbst zu suchen: und weil die Religion eine bestimmte Form des Lebens ist, ist sie ganz im Leben des Menschen zu finden. Aufgrund dessen wird das Prinzip der religiösen Immanenz behauptet. […] die Religion – ist nun gleichsam die erste Regung aus einem Bedürfnis bzw. einem Drang herzuleiten: die Anfänge aber, wenn wir über das Leben genauer reden wollen, sind in einer Regung des Herzens zu sehen, die Gefühl genannt wird. (DH 3477)

Das ist die Religion? Jawohl, ein Gefühl. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Menschheit, des Miteinanders, der päpstlichen Reisen, der Weltjugendtage, der Tage von irgendwas. Schunkel, schunkel, schunkel.

Deshalb ist, da Gott der Gegenstand der Religion ist, zwangsläufig zu schließen, daß der Glaube, der der Anfang und die Grundlage jedweder Religion ist, in einem innersten Gefühl liegen muß, das aus einem Bedürfnis nach Göttlichem erwächst. Da dieses Bedürfnis nach Göttlichem nun nur unter bestimmten und geeigneten Umständen gespürt wird, kann es aus sich nicht zum Bereich des Bewußtseins gehören; es liegt aber zunächst unterhalb des Bewußtseins verborgen, bzw., wie sie mit einem von der modernen Philosophie entlehnten Wort sagen, im Unterbewußtsein.…(DH 3477)

Die Religion entsteht also im Unterbewusstsein, wo sie wohl hart mit dem freudschen Ich um die Vorherrschaft kämpft, was das Interesse oder sagen wir es offen die Obsession von Jesuiten und anderen Geistlichen mit Psychologie, Psychoanalyse, Psychose und Sex erklärt.

Was hat das mit Pater Bäumer und dem Brevier zu tun?

So viel, dass wir davor warnen seine Fragmente modernistisch, immanentistisch und religionsgeschichtlich zu missdeuten. Er schreibt aber, was wohl die Wenigsten wissen, dass es eine Art Brevier, also ein regelmäßigen Tempel-Psalmengebet im, schon wenigstens seit der Makkabäer-Zeit, sicherlich aber zu Jesu Zeiten und der Apostel gegeben hat. Ansätze davon sind, wie die religionsgeschichtlichen Quellen zeigen, auch im Heidentum zu finden. Das Breviergebet ist also nicht erst im Mittelalter entstanden, sondern es ist da auf eine bestimmte Art und Weise kodifiziert worden. Dass die Modernisten das Breviergebet hassen, braucht an dieser Stelle nicht eigens betont zu werden. Wir sehen ja die Konsequenzen davon: Sodomie, Amazonas-Synode und Pachamama im Vatikan bzw. im Tiber. Oh weh ….

Kommentar verfassen

error: Content is protected !!
%d Bloggern gefällt das: