Bäumer, Geschichte des Breviers. (14) Einleitung: § 2. Theologische Grundlage (9). Liturgische Zeiten sind nicht historische Zeiten.

Die unten angeführten Zeilen handeln von:

  1. äußeren Gebetsformen
  2. festen Gebetszeiten

ad 1.

Wenn man sie liest, dann wird einem klar, wie intelligent und boshaft die „Liturgiereformer“ waren. Denn was hat man uns gesagt?

Die äußeren Formen (Kniebeuge, Mundkommunion, Zeichen des Kreuzes etc.) sind unwichtig. Nur das Herz zählt.

Wenn es sich aber um:

  • Klatschen
  • Händeschütteln
  • Kommunionsprozession
  • stehende Kommunion
  • einander winken
  • etc.

handelt, dann sind es keine “unnötigen Formalismen”, sondern

“wichtige, ausdrucksstarke Zeichen der Gemeinschaft und des Menschseins, da wir keine Engel sind”.

Man setzt also die äußeren Zeichen immer nur dann ein, wenn man die Liturgie entehren und desakralisieren möchte. Steigert aber etwas die Frömmigkeit, dann ist es falsch, dann wird es verworfen, dann stört es. Während also die alte katholische Liturgie durch alle äußeren Zeichen die Menschen zur inneren Sammlung verhalf, so tut die nachkonziliare Liturgie genau das Umgekehrte. Alles dient der fehlenden Sammlung und der Desakralisierung. Da aber der durchschnittliche Katholik, der noch überhaupt in die Kirche geht, nur einmal die Woche für 45 Minuten bis eine Stunde Kontakt mit dem Sakralen hat, so hat er in einer Novus Ordo Messe wirklich nichts, woran er sich aufbauen könnte. Da er darin keine Stille erfährt und daher zu keiner inneren Sammlung kommt, denn ständig musste er etwas tun oder es wird auf ihn eingeredet, so kommt er überhaupt nicht dazu die Gewohnheit des inneren Gebetes zu entwickeln oder diese, falls er sie woanders pflegt, in der Novus Ordo Messe einzusetzen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die allermeisten Geistlichen, Ordensschwestern eingerechnet, zu gar keinen höheren Gebetsstufen gelangen, von den Laien ganz zu schweigen.

ad 2.

Von den Reformen der Karwoche angefangen wurde uns erzählt, dass man die liturgische Zeit und die historische Zeit angleichen soll, sodass die Ostervigil in der Nacht zu begehen ist, da die Auferstehung in der Nacht stattfand. Aber durch die nächtliche Zelebration wurde vielen Menschen der Zugang zur Ostervigil genommen, da die mehrstündige Zelebration in der Nacht sich nicht für Familien mit kleinen Kindern eignet. Außerdem fielen viele Osterbräuche weg, was wir noch woanders darstellen werden. Das Hauptargument, dass die liturgische Zeit der historischen Zeit entsprechen muss, ist verfehlt, denn wir wissen nicht um wie viel Uhr Christus wirklich auferstanden ist, da wir nicht den genauen Tag und die genaue Zeitzone kennen und außerdem wird in der Osternacht die gesamte Heilsgeschichte begangen, die ja auch nicht genau zeitlich einzugrenzen ist. Die Kreuzigung Christi fand um die neunte Tagesstunde statt, was 15:00 Uhr bedeutet, aber wir wissen auch nicht, ob es sich um Sommer- oder Winterzeit handelte. Die Liturgie begeht um eine bestimmte, ungefähre Tageszeit ein Heilsereignis, wie zum Beispiel die Herabkunft des Heiligen Geistes gegen 9:00 Uhr. Aber schon die ältesten Ordensregeln, wie die Sankt Benedikt Regel, zeigen einen anderen Tagesablauf für den Sommer und einen anderen für den Winter auf, da die Lichtverhältnisse wechseln. Sankt Benedikt schreibt auch, dass die Gebetszeiten vorgezogen oder nachgefeiert werden können, wie es der Abt für das richtige hält (Hans Urs von Balthasar, Die großen Ordensregeln. Die Regel des heiligen Benediktus, z.B. Achtes Kapitel: Vom nächtlichen Chorgebet, Neuntes Kapitel: Wie viele Psalmen beim Nachtgottesdienst zu beten sind, Zehntes Kapitel: Wie zur Sommerzeit der Nachtgottesdienst zu feiern ist, Elftes Kapitel: Wie am Sonntag der Nachtgottesdienst zu halten ist, Einsiedeln 1988, 207-210). Da die meisten Menschen vor uns ohne Uhren, Atom-oder Funkuhren lebten, so war eine allgemeine feste Tageszeit kaum auszumachen. Man ging nach den Lichtverhältnissen seines Wohnortes und stellte dementsprechend die Gebetszeiten ein.

Man erkannte aber schon früh, dass man feste, äußere Gebetszeiten, die über den Tag verteilt sind, braucht, um nicht alles morgens oder abends absolvieren zu müssen. Wenn Sie Sport treiben, müssen Sie auch zwischendurch etwas trinken, auch wenn Sie keinen Durst haben, um nicht zu dehydrieren, denn wenn Sie den Durst merken, sind sie bereits dehydriert und weniger leistungsfähig. Beim Lernen oder Arbeiten ist es genauso. Wenn das Gehirn dehydriert ist, kann es kaum denken, wenn die Seele zu wenig betet, sieht sie Gott nicht und hat auch keinen übernatürlichen Schutz gegen die vielen Versuchungen des Tages.

 

   

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