Tradition und Glauben

Bäumer, Geschichte des Breviers. (38) III. Kapitel. Die nachnicänische und patristische Zeit. (iii) Seit der Mitte des 4. Jahrhunderts

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Es soll auch vor dem Buch von Pater Bäumer „durch seine Darstellungsweise den Leser ermüdende Werk[e]“ gegeben haben. Wir sind immer noch im 4. Jhdt., in der Zeit der Freiheit der Kirche, in der der Übergang vom Welt- und Ordensklerus sehr fließend war, wie das Brevieroffizium ja auch. Unsere lieben Geistlichen jammern ja immer, dass sie keine Zeit für das Gebet und keine Mönche seien, was leider falsch ist, denn die Zeit für das Gebet muss man sich nehmen, sonst verliert man schnell den Glauben und die Berufung. Zur Wahrnehmung der ständigen Gegenwart Gottes kommen manche nur dann, wenn sie vorher wirklich lange mündlich gebetet oder das Brevier rezitiert haben. Es ist wie mit Kraftsport oder Sport überhaupt. Wenn Sie sich ein entsprechende Muskelmasse aufgebaut haben, dann ist immer noch etwas da, wenn Sie keine Zeit zum Trainieren haben, sondern irgendwo in einem Bunker in der Ukraine sitzen. Haben Sie vorher viel in Ihrem Leben gebetet, dann bringen Sie auch kurze Stoßgebete dazu an Gott zu denken und sich innerlich zu ordnen. Aber ohne das Erstere ist das Letztere unmöglich.

Pater Bäumer stellt den interessanten Brauch dar, dass alle, auch die Laien, zum dreimaligen Gebet am Tag verpflichtet waren. Die Mönche aber sollten 3 x 12 ganze Psalmen beten. Daher kommt der Brauch bei der Matutin, bei Simplex-Festen zwölf ganze Psalmen zu beten, der bis zur unseligen Brevier-Reform des Pius X. dauerte. Danach wurde das Psalmenpensum in den nachfolgenden Brevieren nach und nach gekürzt, sodass wir jetzt den aktuellen Zustand unseres Klerus haben, der kein guter ist. Will man wie Arnold Schwarzenegger aussehen, so muss man wie Schwarzenegger trainieren und sich auch so ernähren. Training ist die Askese und Ernährung ist das Gebet. Deswegen haben wir keine geistigen „Muskelprotze“ im guten Sinne, weil es keiner macht, da er natürlich „Wichtigeres zu tun hat“. Es war leider Pius X., der mit dieser nachapostolischen Tradition der 12 Psalmen brach und es endete nicht gut für die Kirche.

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