Tradition und Glauben

Bäumer, Geschichte des Breviers. (9) Einleitung: § 2. Theologische Grundlage (4). Mündlich zuerst.

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Wir können es nicht deutlich genug sagen: Der Anfang des Gebets ist das mündliche Gebet. Punkt. Betet man zuerst mündlich und äußerlich, dann betet man später auch mental und innerlich. Dann kann man von der Rezitation zur Meditation übergehen, weil man sich Inhalte angeeignet hat über die man nachdenken und meditieren kann. Einerseits gibt es Menschen, die sehr schnell zum Meditieren kommen können und um es mit Father Ripperger zu sagen: „die Anzahl der IQ-Punkte spielt da eine Rolle“. Andererseits ist das Betrachten, also das „Anschauen“ von Inhalten, worüber Pater Poulain SJ so ausführlich bei seiner Darstellung des Gebets der Ruhe handelt, etwas, was den Geist am schnellsten reinigt und antidämonisch wirkt, weil der Dämon einem so gereinigten Geist nichts mehr in der Phantasie oder in den Emotionen vorgaukeln kann. Hier kommt aber ein sehr schwerwiegender Einwand: Beginnt man gleich mit dem „Leerwerden“, mit der „Offenheit“, mit der „Bewußtseinserweiterung“ etc., so kann sehr schnell der Dämon dorthin Einzug halten, denn die Natur kennt leider keine Leere, auch als Engel des Lichts verkleidet. Man wird Eingebungen haben, Erleuchtungen, manchmal sogar paranormale Erlebnisse, aber sie alle werden dämonischen Ursprungs sein. Sie werden kaum eine Lebensberatung finden, die Ihnen nicht das „Meditieren“ empfiehlt. Wir verwenden dieses Wort auch, meinen aber etwas Anderes. Im katholischen Sinne betrachtet man zuerst intellektuell, dann emotional und anschließend nur spirituell eine Glaubenslehre, z. B. „Gott ist allgegenwärtig“, um dadurch den personenhaften Gott mehr zu erkennen, zu lieben und ihm zu dienen. Beim „Meditieren“ im fernöstlichen oder esoterischen Sinne macht man sich jedoch von allen intellektuellen Inhalten frei um so offen für den Einfall der Dämonen zu werden, wozu auch die verschiedenen Techniken dienen (Yoga, Tantra, Fasten, etc.), die einen in einen Trancezustand versetzen. Am Anfang steht also nicht das mündliche Gebet, sondern eine Leere, die es mit etwas auszufüllen gilt, obwohl der Mensch meint seine eigenen Kräfte zu entdecken oder freizusetzen. Das ist der Unterschied, daher fangen wir mit dem mündlichen Gebet an.

 

 

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