Benedikt wollte Bergoglio zum Staatssekretär oder ein Nachtrag zum Sodo-Staatssekretariat

Als willkommene Ergänzung zu unserer Sodo-Staatssekretariatsreihe brachte am 22. Juli die katholische online Zeitschrift Cruxnow.com die Nachricht, dass Benedikt im Jahre 2005, d. h. ganz am Anfang seines Pontifikats, Bergoglio zu seinem Staatssekretär haben wollte.  Die Nachricht liest sich wie folgt:

Ein argentinischer Priester, der Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires vor seiner Wahl als Papst Franziskus kannte, behauptete, dass der emeritierte Papst Benedikt XVI. Bergoglio im Jahr 2005 das Amt des Staatssekretärs angeboten hatte, praktisch die zweitwichtigste Position im Vatikan nach dem Papsttum selbst, aber der zukünftige Papst lehnte es ab.

Berichten zufolge wollte Benedikt XVI., Dass Bergoglio sein Staatssekretär wird, um ihm bei der Säuberung der als römische Kurie bekannten Zentralregierung der katholischen Kirche zu helfen. Acht Jahre später wurde Bergoglio selbst in das Papsttum gewählt, teilweise gerade aufgrund eines Mandats der Kurialreform.

Mehrere von Crux befragte Quellen, die Bergoglio im Jahr 2005 nahe standen, sagten, sie könnten die Behauptung nicht bestätigen oder ablehnen, fanden sie jedoch “plausibel”.

Wir halten dies auch für plausibel, da es unsere These, dass seit Jahrzehnten die eigentliche Machtverschiebung vom Papstamt ins Staatssekretariat stattfand, bestätigt. Die Ernennung Bergoglios zum Staatssekretär im Jahre 2005 ist aus mehreren Gründen nachvollziehbar:

I. Lösung

  • Bergoglio war bei der Papstwahl 2005 Benedikts Gegenspieler, der nach Benedikt die meisten Stimmen erhielt.
  • Es ist wahrscheinlich, dass die entsprechenden Berater von der Fraktion eines Kardinals Martini Benedikt vorschlugen Bergoglio zum Staatssekretär zu machen, um seinen Feind oder eher Kollegen nahe bei sich zu haben. Dieser Schachzug wäre auch richtig gewesen, um die Bergoglio-Anhänger unter den Kardinälen gnädig zu stimmen.
  • Wir bezweifeln sehr, dass Benedikt von sich aus auf diese Idee gekommen ist, da er leider seit seinem Rücktritt beweist, dass er kaum denkt.
  • Bergoglio als Staatssekretär hätte die eigentliche Macht gehabt, die er unter dem doch weltfremden Benedikt nach und nach hätte ausbauen können.
  • Aber nach der Übernahme des Staatssekretariats, hätte wohl Bergoglio keine Aussichten auf das Papstamt im nächsten Konklave gehabt. Wahrscheinlich meinte er und seine Berater oder eher die Letzteren, dass er die Kirchenzerstörung schneller und effizienter betreiben kann, wenn er erst einmal Papst wird. Das ist wohl auch der Grund seiner Absage gewesen.

II. Lösung

  • Eine alternative und ergänzende Erklärung besteht darin, dass Benedikt aufgrund seiner eigenen Naivität und/oder der gefälschten Personalakten, welche ihm das Staatssekretariat vorbereitete, Bergoglio für einen „guten, frommen Konservativen“ hielt, der darüber hinaus noch durchsetzungsfähig ist. Er hätte, so Benedikt, in der Kurie die gewünschte Ordnung herbeigeführt, wozu Benedikt selbst zu schwach war. Diese zweite Erklärung schließt die erste nicht aus.
  • Es ist aber fraglich, warum ein außer römischer Kardinal, ohne jegliche Kurienerfahrung, die gewünschte kuriale Wende hätte herbeiführen können. Dieser Lösungsansatz spricht aber dafür, dass, wie die Millenari schon schrieben, die entsprechenden Kurienmitarbeiter alle Akten so gut fälschen können, dass die Kandidaten für verschiedene Ämter als wahre Heilige erscheinen.

So lesen wir bei den Millenari über die Bischofsernennungen, was natürlich die Ernennung für eine jede höhere Stelle betrifft:

„Seit dem Konzil wurde nur die wenigsten aufgrund eigener, nach wahren Werten bemessener Verdienste der Persönlichkeit ausgezeichnet: der Großteil hingegen wurde für durchsichtige Machenschaften und  Liebesdienste aller Art entlohnt.[1]

[…] Die derzeit geltenden nachkonziliaren Bestimmungen erweisen sich immer wieder als unzureichend, da die Wahrheit über einen Kandidaten allzu leicht verschwiegen oder verfälscht werden kann, je nachdem, ob man ihn befördern will oder nicht. Solche Manipulationen müssen eingedämmt und der Informationsprozess besser kontrolliert werden. [2]

[…] Seit über 30 Jahren also wählt sich die Kirche die Bischöfe, die sie verdient. Dementsprechend viele Mitren sind im Umlauf, unter denen sich keine Köpfe befinden, sondern nur Leere und Anmaßung; gleichzeitig werden viele Köpfe ohne Mitren Dunkel des Vergessens abgedrängt.[3]

[…] wie sich die Praxis zurzeit gestaltet, wird der Papst nicht über das ganze Auswahlverfahren informiert, sondern bekommt lediglich die Präferenz mitgeteilt, die fast immer mit dem ersten Kandidaten auf der Liste übereinstimmt. In seine Akte wird er als geradezu prädestiniert für den Posten beschrieben, auch wenn dies nicht oder nur sehr bedingt der Wahrheit entspricht. Außerdem sind die Akten, die man dem Papst vorliegt, derartig umfangreich, dass er kaum Gelegenheit hat, sich auch nur einen groben Überblick zu verschaffen, zumal man ihm seine Zeit absichtlich knapp bemisst. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als in blindem Vertrauen Siegel und Datum unter den Namen zu setzen – was dann als das Einverständnis des Papstes zur Ernennung des neuen Bischofs gilt. Das macht es natürlich unmöglich festzustellen, ob der Erwählte des Amtes, das man ihm anvertrauen will, oder des Bistums oder der Kurie überhaupt würdig ist. Und noch unmöglicher, sicherzustellen, dass der Beförderte keiner Freimaurerloge oder mafiösen Verbindung angehört.[4]

Es kann also kaum die Rede davon sein, dass der Papst die Entscheidung trifft. […] Er hat keine andere Wahl, als seinen Mitarbeitern zu vertrauen. Daraus erwachsen ungesunde Machtkonzentrationen innerhalb des aufgeblasenen, zentralistischen Apparats, der von Prälaten angeführt wird, die meist nicht zu den Ehrwürdigsten gehören. Die Glaubwürdigkeit von Informationen jedoch ist nur gewährleistet, wenn der Informationsprozess über alle Parteilichkeit in hinweg abläuft, objektiv und untendenziös; für Täuschung und Korruption.“ [5]

Dem ist wirklich nichts mehr zuzufügen als das, dass die eigentlichen einflussreichen Prälaten diese Politik seit Jahrzehnten vom Staatssekretariat herleiteten. Sicherlich wurden Benedikt beschönigte Akten Bergoglios vorgelegt. Das ist wenigstens die optimistische Version. Aber die Millenari schreiben auch etwas sehr Interessantes über Kardinal Ratzinger selbst:

„Kardinal Ratzinger zufolge kann die Wahrheit nur gesucht, nicht aber mittels einer Wahl hervorgebracht werden. Dies würde bedeuten, die Macht der Wahrheit durch die Wahrheit der Macht zu ersetzen. Die Einstimmigkeit der Wahl kann die Wahrheit weder herstellen noch kann sie an ihre Stelle treten, sie ist lediglich als richtungsweisend zu verstehen.“[6]

Falls wir dieser Passage richtig interpretieren, so wollen die Millenari damit sagen, dass Kardinal Ratzinger, durch den deutschen Idealismus geprägt, nicht das als wahr annimmt,  was  als mit der Wirklichkeit übereinstimmend wahr ist,  sondern das, was die anderen für wahr  halten. Dies würde bedeutet, dass  es für  eine Bischofsernennung keine Rolle spielt , ob der Bischofskandidat ein triebhafter Sodomit ist, sondern, ob ihn seine Kollegen in der Bischofskonferenz oder andere Entscheidungsträger für einen solchen halten und ob es sie stört. Denn es ist das „Bewusstsein der Bischofskonferenz“, bzw. ihr Machteinfluss, der über die Wirklichkeit entscheidet. Kurz und gut: je mehr Geld eine Bischofskonferenz hat, siehe die USA oder Deutschland, desto gewogener ist man ihr in Rom. Die Thematik der Simonie, welche der Sodomie oft folgt, besprechen wir an einer anderen Stelle. Dies würde bedeuten, dass sich in den entsprechenden Kongregationen folgende Dialoge abspielen könnten:

A: Die wollen ihn, dann geben wir ihn ihnen.

B: Spielt doch keine Rolle, was er wirklich ist oder macht. Die müssen mit ihm auskommen, nicht wir.

A: Kommt es schlimm, dann können wir bestreiten etwas davon gewusst zu haben.

B: So eine nette Bischofskonferenz ist das, so eine nette…

Als Benedikt im Jahre 2005 Bergoglio, wie die Quelle behauptet, sein Angebot unterbreitete, so war er als Präfekt der Glaubenskongregation bereits 23 Jahre lang an der römischen Kurie tätig, sodass er wusste, dass man den kurialen Dossiers nicht ganz glauben darf, oder deren Inhalte sportlich bzw. idealistisch-deutsch zu nehmen habe. Wahrscheinlich wollte Benedikt auch damals schon seine Ruhe haben: sich schön, stylisch anziehen (Prada-Papst, rote Schuhe), Geistreiches von sich geben, ein bisschen die Liturgie aufpäppeln, mit Rabbinern schreiben und an eigenen Büchern, welche, die Welt wirklich nicht  braucht, arbeiten. Dieses Angebot Benedikts beweist aber, wie langfristig die Hintermänner Bergoglios im Staatssekretariat an seiner Karriere arbeiteten.

Es ist wirklich unmöglich weiterhin den Bruch zwischen Benedikt und Bergoglio zu behaupten, worum sich unsere Freunde von katholisches.info immer noch bemühen, sondern man muss schon von einer Kontinuität grosso modo sprechen. Aber seien wir für die benediktinische Verschnaufpause von acht Jahren dankbar, welche, wie Hilary White bereits schrieb mit der traurigen, nachkonziliaren Wirklichkeit irgendwie nicht vereinbar war. Während aber Benedikt mit seinem gutaussehenden Sekretär nach außen ein wenig PR betrieb, wurde im Inneren des Staatssekretariats die eigentliche Macht ausgebaut, um Bergoglio – dem Sohn des Verderbens – in der Zukunft zu dienen. Benedikt wusste es und er tat nichts dagegen. Welch ein Versagen!

 

 

[1] I Millenari, Wir klagen an, Berlin 20012, 94-95.

[2] Ebd., 95.

[3] Ebd., 96.

[4] Ebd., 96-97.

[5] Ebd., 97.

[6] Ebd., 101.

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