Benedikt XVI. ist ein deutscher Professor oder die Ansichten eines Unbeteiligten

„Indirekte Verantwortung“?

Dank des Blogs von Ann Barnhardt konnte DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) heute Morgen in Erfahrung bringen, dass der Immer-Noch-Papst Benedikt XVI. einen langen Aufsatz für das auflagenstarke Massenmedium Klerusblatt zum Thema Pädophilie und klerikaler Missbrauch verfasst hat. Der ganze Aufsatz ist hier auf Deutsch nachzulesen, obwohl er als solcher wirklich lesenswert ist. Was ihn aber tatsächlich interessant macht, ist dies, dass er uns den Zugang zu den derzeitigen Gedankengängen Benedikts ermöglicht, die sicherlich auf die Vergangenheit der Amtshandlungen des Papstes und des Präfekten der Glaubenskongregation übertragbar sind. Zuerst schreibt Benedikt über seinen Status des Papa Emeritus:

Da ich selbst zum Zeitpunkt des öffentlichen Ausbruchs der Krise und während ihres Anwachsens an verantwortlicher Stelle als Hirte in der Kirche gewirkt habe, mußte ich mir – auch wenn ich jetzt als Emeritus nicht mehr direkt Verantwortung trage 

Welche indirekte Verantwortung trägt er denn? Hätte er wirklich abgedankt, dann hätte er gar keine Verantwortung zu tragen, da er eine reine Privatperson wäre. Ist er aber immer noch Papst, wie wir mit Ann Barnhardt und anderen glauben, dann trägt er eine Verantwortung, wenngleich, wie er selbst schreibt, eine indirekte. Kehren wir hier nochmals zur Benedikts halbherzigen Verzichtserklärung zurück, indem wir die Unterstreichungen von Ann Barnhardt verwenden, die da lautet, :

Das „immer” ist auch ein „für immer” – es gibt keine Rückkehr ins Private. Meine Entscheidung, auf die aktive Ausführung des Amtes zu verzichten, nimmt dies nicht zurück. Ich kehre nicht ins private Leben zurück – in ein Leben mit Reisen, Begegnungen, Empfängen, Vorträgen usw. Ich gehe nicht vom Kreuz weg, sondern bleibe auf neue Weise beim gekreuzigten Herrn. Ich trage nicht mehr die amtliche Vollmacht für die Leitung der Kirche, aber im Dienst des Gebetes bleibe ich sozusagen im engeren Bereich des heiligen Petrus. Der heilige Benedikt, dessen Name ich als Papst trage, wird mir da ein großes Vorbild sein: Er hat uns den Weg für ein Leben gezeigt, das aktiv oder passiv ganz dem Werk Gottes gehört.

Kurz und gut: Benedikt hat sich ein passives Petrusamt ausgedacht und eingerichtet, bei welchem er sich nur die schönen Seiten des Papstamtes (das Tragen der weißen Soutane, Papst Name, Häuschen im Grünen, Empfang von Gästen, Korrespondenz mit Rabbinern und Schreiben für das bayerische „Klerusblatt“ etc.) vorbehält, aber auf die harte und aktive Ausübung des Petrusamtes verzichtet. Von dieser Haltung heraus, ist es nachvollziehbar, dass er in seinem neuesten Aufsatz schreiben kann, dass er „als Emeritus nicht die volle Verantwortung“ trage. Logisch? Logisch. Da es aber kein passives Petrusamt gibt und der Theologe Ratzinger nicht ein Amt uminterpretieren kann, dass von Christus selbst erschaffen wurde, so ist sein Amtsverzicht aufgrund des wesentlichen Irrtums (Kan. 188) ungültig. Er bleibt Papst, ob er will oder nicht. Diese Thematik werden wir noch woanders vertiefen, an dieser Stelle wollen wir etwas anderes behandeln.

Das Schwelgen in der Professoren-Vergangenheit

Liest man den Aufsatz Die Kirche und der Skandal des sexuellen Missbrauchs von 6.000 Wörtern, so wird einem deutlich, dass Benedikt XVI. tief in seinem Herzen und seiner eigenen Identität nach immer ein deutscher Professor ist und ein solcher bleibt. Ein Denker, kein Macher, aber eher ein Nachdenker als Denker und insbesondere ein akademischer Miteinander-Mitdenker. Sehr treffend schreibt der Blogger mundabor, dass Benedikt in einer Benedictopia, d.h. in einer benediktinischen Utopia lebt, in einer eigenen Welt, die immer im Jahre 2019 (zwei Monate nach der Erklärung von Abu Dhabi, zeitgleich mit dem vatikanischen Missbrauchsgipfel) immer noch aus moraltheologischen Diskussionen der 1970-ger Jahre und der Ansichten eines Franz Böckle besteht, der Gott sei Dank 1991 gestorben ist.

Wen interessiert das? Niemanden.

Würde man den benediktinischen Beitrag lesen, ohne zu wissen, wer der Verfasser sei, dann würde man einen Akademiker, wahrscheinlich einen Priester annehmen, der das liest, was ihm gerade in den Kram passt und irgendwo in tiefsten bayrischen Wald lebt, wo die Welt noch scheinbar in Ordnung ist. Man würde jemanden vermuten, der beobachtet, ohne verändern zu können, weil er sich um die aktiven Prozesse der Welt nicht zu kümmern braucht. Aber Benedikt war doch jemand, der absolut Einfluss hatte und zwar als Startheologe, als Bischof, als Kardinal, als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst!

Der nichtstrafende Kodex, der dennoch straft?

Wie stellt Benedikt die Ursachen der Pädophilie dar?

Die Frage der Pädophilie ist, soweit ich mich erinnere, erst in der zweiten Hälfte der 80er Jahre brennend geworden. Sie war in den U.S.A. inzwischen bereits zu einem öffentlichen Problem angewachsen, so daß die Bischöfe in Rom Hilfe suchten, weil das Kirchenrecht, so wie es im neuen Kodex verfaßt ist, nicht ausreichend schien, um die nötigen Maßnahmen zu ergreifen.

Was bedeutet das? Dass der neue Kodex anscheinend so verfasst wurde, dass er keine Pädophilen zu bestrafen weiß. Natürlich wusste der Vatikan über die massenhaften Pädophilie- oder Ephebophilievorfälle schon früher Bescheid, bevor Ratzinger im Amt war, was die umfangreichen Archive der Missbrauchsopfer belegen. Aber lesen wir weiter:

Rom und die römischen Kanonisten taten sich zunächst schwer mit diesen Anliegen; ihrer Meinung nach mußte die zeitweilige Suspension vom priesterlichen Amt ausreichen, um Reinigung und Klärung zu bewirken.

Warum „taten sie sich schwer“? Diese Einstellung ist nur dann nachvollziehbar, wenn sie diesen Sumpf aufrecht erhalten wollen, der jetzt überschwappt, und der wohl im Herbst zur Aufgabe des Zölibats führen wird. Der nachfolgende Satz ist noch kurioser:

Dies konnte von den amerikanischen Bischöfen nicht angenommen werden, weil die Priester damit im Dienst des Bischofs verblieben und so als direkt mit ihm verbundene Figuren beurteilt wurden. Eine Erneuerung und Vertiefung des bewußt locker gebauten Strafrechts des neuen Kodex mußte sich erst langsam Bahn schaffen.

Aber ein Priester ist doch immer mit einem Bischof verbunden, der ihn suspendieren kann. Wir erfahren aber hier, aus erster Hand, dass das Strafrecht des neuen Kodex „bewusst locker gebaut“ wurde. Warum? Um nicht zu strafen. Warum? Um diese Priester weiter gewähren zu lassen, um möglichst viele Seelen zu verderben. Wir lernen darüber hinaus, dass es einen „Garantismus“ gab:

Dazu kam aber ein grundsätzliches Problem in der Auffassung des Strafrechts. Als “konziliar” galt nur noch der sogenannte Garantismus. Das heißt, es mußten vor allen Dingen die Rechte der Angeklagten garantiert werden und dies bis zu einem Punkt hin, der faktisch überhaupt eine Verurteilung ausschloß.

Das heißt ein pädophiler Priester hat Rechte. Im Gegensatz zu einem der Häresie angeklagten Theologen, der weniger davon zu haben scheint:

Als Gegengewicht gegen die häufig ungenügende Verteidigungsmöglichkeit von angeklagten Theologen wurde nun deren Recht auf Verteidigung im Sinn des Garantismus so weit ausgedehnt, daß Verurteilungen kaum noch möglich waren.

Wie vielen angeklagten Theologen wurde denn unter Ratzinger die Lehrerlaubniss entzogen? Kaum einem. Welcher Sextäter wurde laisiert? Kaum einer. Ist da etwa eine gemeinsame Strategie sichtbar? Natürlich. Man wollte die Kirche durch Häresie von oben zersetzen und durch den sexuellen Missbrauch der Priester von unten zerstören. Bergoglio fährt im Februar 2019 die Ernte ein: 1. die Erklärung von Abu Dhabi, 2. der Missbrauchsgipfel. Aber lesen wir weiter. Warum gab es keine Verurteilungen von pädophilen Priestern? Weil man etwas dafür hätte machen müssen:

Mit anderen Worten: Um die Höchststrafe rechtmäßig verhängen zu können, ist ein wirklicher Strafprozeß notwendig. Damit waren aber sowohl die Diözesen wie der Heilige Stuhl überfordert. Wir haben so eine Mindestform des Strafprozesses formuliert und den Fall offengelassen, daß der Heilige Stuhl selbst den Prozeß übernimmt, wozu die Diözese oder die Metropolie nicht in der Lage ist. In jedem Fall sollte der Prozeß durch die Glaubenskongregation überprüft werden, um die Rechte des Angeklagten zu garantieren. Schließlich aber haben wir in der Feria IV (d.h. der Versammlung der Mitglieder der Kongregation) eine Appellationsinstanz geschaffen, um auch die Möglichkeit einer Berufung gegen den Prozeß zu haben. Weil dies alles eigentlich über die Kräfte der Glaubenskongregation hinausreichte und so zeitliche Verzögerungen entstanden sind, die von der Sache her verhindert werden mußten, hat Papst Franziskus weitere Reformen vorgenommen.

Aber warum waren die Diözesen mit einem Strafprozess überfordert? Hatten Sie keine Kirchenrechtler und keine Stühle? Im alten Kirchenrecht, das bis 1983 gültig war, hat es doch auch Strafprozesse gegeben, wie auch in der ganzen Kirchengeschichte auch. Das neue Kirchenrecht (CIC 1983) sieht ebenfalls Strafprozesse vor:

Kan. 1717

§ 1. Erhält der Ordinarius eine wenigstens wahrscheinliche Kenntnis davon, daß eine Straftat begangen worden ist, so soll er selbst oder durch eine andere geeignete Person vorsichtig Erkundigungen über den Tatbestand, die näheren Umstände und die strafrechtliche Zurechenbarkeit einziehen, außer dies erscheint als gänzlich überflüssig. […]

Kan. 1718

§ 1. Wenn genügend Anhaltspunkte gesammelt sind, hat der Ordinarius zu entscheiden, ob:

1° ein Verfahren zum Zweck der Verhängung oder der Feststellung einer Strafe eingeleitet werden kann; […]

Kan. 1721

§ 1. Hat der Ordinarius verfügt, daß ein Strafprozeß einzuleiten ist, so hat er die Voruntersuchungsakten dem Kirchenanwalt zu überweisen, der dem Richter die Anklageschrift gemäß cann. 1502 und 1504 vorlegen muß. […]

Der Bischof hat also alle Rechte einen Strafprozess einzuleiten und durchzuführen, wenn er will. Aber nach der Änderung der Kompetenzen, von denen unten die Rede sein wird, sollte der Heilige Stuhl den Prozess übernehmen, „wo die Diözese oder die Metropolie nicht dazu in der Lage ist“. Das ist doch absurd! Stellen Sie sich vor, ein Priester aus Salt Lake City (Utah, USA) hätte in den Jahren 1984 bis 1996 134 Ministranten belästigt und der Prozess, da vatikanische Mühlen langsam mahlen, findet im Jahre 2007 statt. So müssten doch alle Zeugen der Anklage, die noch leben und aussagen wollen, aus Utah nach Rom gebracht werden und dort samt Zeugen der Verteidigung befragt werden. Wohl mehr als einmal. Wer zahlt das alles? Wer organisiert das alles? Das ist doch nicht praktikabel! Dann noch die Appelationsinstanz, dann noch die Berufung, Vertagung, Expertenbefragung usw. usw. Dachte man da wirklich an die Opfer und an die Kirche? Nein, denn:

  • die Diözese macht es nicht,
  • die Metropolie macht es nicht,
  • wir in Rom machen es so, dass wir es auch nicht machen.

Aber Benedikt war doch für diese Entwicklung verantwortlich, wenn es stimmt, was er schreibt:

An sich ist für Delikte von Priestern die Kleruskongregation zuständig. Da aber damals in ihr der Garantismus weithin die Situation beherrschte, bin ich mit Papst Johannes Paul II. einig geworden, daß es angemessen sei, die Kompetenz über diese Delikte der Glaubenskongregation zuzuweisen, und zwar unter dem Titel “Delicta maiora contra fidem”. Mit dieser Zuweisung war auch die Möglichkeit zur Höchststrafe, das heißt zum Ausschluß aus dem Klerus möglich, die unter anderen Rechtstiteln nicht zu verhängen gewesen wäre.

Dann entzieht also man der Kleruskongregation die Zuständigkeit für die priesterlichen Sexualdelikte, verlegt diese Zuständigkeit in die Glaubenskongregation und tut dort auch nichts, denn von einer Lawine der Prozesse nach der Änderung der Zuständigkeit unter Ratzinger hat man nicht gehört. Aber Benedikt hat unrecht, wenn er schreibt:

Mit dieser Zuweisung [der “Delicta maiora contra fidem”] war auch die Möglichkeit zur Höchststrafe, das heißt zum Ausschluß aus dem Klerus möglich, die unter anderen Rechtstiteln nicht zu verhängen gewesen wäre.

Liest man den Kodex vom 1983, so finden sich darin die folgenden Kanones:

Kan. 1395

§ 1. Ein Kleriker, der, außer dem in can. 1394 erwähnten Fall, in einem eheähnlichen Verhältnis lebt, sowie ein Kleriker, der in einer anderen äußeren Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs verharrt und dadurch Ärgernis erregt, sollen mit der Suspension bestraft werden, der stufenweise andere Strafen bis zur Entlassung aus dem Klerikerstand hinzugefügt werden können, wenn die Straftat trotz Verwarnung andauert.

§ 2. Ein Kleriker, der sich auf andere Weise gegen das sechste Gebot des Dekalogs verfehlt hat, soll, wenn nämlich er die Straftat mit Gewalt, durch Drohungen, öffentlich oder an einem Minderjährigen unter sechzehn Jahren begangen hat, mit gerechten Strafen belegt werden, gegebenenfalls die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.

Der Kodex sieht also die Strafe der Entlassung aus dem Klerikerstand vor, gleich welcher Kongregation der Strafprozess unterstellt ist. Lügt Benedikt oder gehört diese Aussage in die Kategorie Ich-trage-weiß-weil-man-keine-schwarze-Soutane-finden-konnte? Meritorisch gesehen sind Sexualdelikte keine Verbrechen gegen den Glauben, sondern ein Vergehen gegen die Moral. Ein Verbrechen gegen den Glauben ist die Häresie, für welche die Glaubenskongregation zuständig war und in diesem Bereich, von der Befreiungstheologie abgesehen unter Ratzinger so gut wie nichts unternahm. Gegen die Sexualdelikte der Priester hingegen unternahm die Kleruskongregation nichts. Eine Null-Lösung wohin man blickt. War es denn nicht einfacher den Präfekten der Kleruskongregation zu ändern? Schauen wir uns die Liste der Präfekten bis 2013 an:

  1. Jean-Marie Kardinal Villot (1967–1969) – siehe Pecorelli-Liste
  2. John Joseph Kardinal Wright (1969–1979) – extrem schwulenfreundlich
  3. Silvio Kardinal Oddi (1979–1986) – tauschte Grüße mit dem Großorient aus (Seite 221)
  4. Antonio Kardinal Innocenti (1986–1991) –
  5. José Tomás Kardinal Sánchez (1991–1996)
  6. Darío Kardinal Castrillón Hoyos (1996–2006)
  7. Cláudio Kardinal Hummes OFM (2006–2010)
  8. Mauro Kardinal Piacenza (2010–2013)

Ratzinger hat die Kardinäle 3. bis 8. im Amt erlebt. Obwohl wir nachweisbar Negatives über 1. bis 3.  zu berichten wissen, so ist es sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei den nachfolgenden Nummern um Heilige Männer Gottes gehandelt hat. Denn Kardinal Villot wußte wohl seine Nachfolger in seinem Sinne zu erziehen. Warum hat aber Ratzinger als Kardinal und zweiter Mann nach Johannes Paul II keinen Druck auf die Kleruskongregation ausgeübt? Warum tat er dies auch als Papst nicht? Weil er immer davongelaufen ist, immer die Konfrontation scheute und wohl immer in einer Benediktopia lebte.

Die traute akademische Runde

Wenn wir das Grundanliegen des Lebens von Joseph Ratzinger aus seinen Zeilen herauslesen, so war es wohl dies, in Akademikerkreisen – „unter Kollegen“ – anerkannt, angesehen und beliebt zu sein. Benedikt scheint sich dem intellektuellen Charme der Häresie nicht entziehen zu können. So schreibt er über die neuen, d.h. die häretischen Ansätze der Moraltheologie wie folgt:

Bis hin zum II. Vaticanum wurde die katholische Moraltheologie weitgehend naturrechtlich begründet [was richtig war Red.], während die Heilige Schrift nur als Hintergrund oder Bekräftigung angeführt wurde. Im Ringen des Konzils um ein neues Verstehen der Offenbarung wurde die naturrechtliche Option weitgehend abgelegt [was falsch war] und eine ganz auf die Bibel begründete Moraltheologie gefordert [was ein häretischer Unsinn ist].

Wir schreiben unseren Kommentar in grün hinzu, da Benedikt keine Stellung nimmt. Aber warum war diese Aufgabe der naturrechtlichen Begründung so verhängnisvoll? Weil man in der naturrechtlichen Begründung, welche katholisch ist, sagen konnte:

Ehebruch ist schlecht, weil er sich gegen die menschliche Natur richtet, welche die Familie als die natürliche Umgebung der Fortpflanzung ansieht. Durch Ehebruch wird die Primärfamilie zerstört, da die im Ehebruch gezeugten Kinder auch Anspruch auf eine Familie haben, welche ihnen verwehrt wird, da ihr Vater/ihre Mutter anderweitig verheiratet ist. So muss der ehebrechende Vater/die ehebrechende Mutter der Primärfamilie zum Vater/Mutter der Sekundär-, Tertiär- etc. Familie werden. Da man parallel keine zwei Familien führen kann, zerbricht wenigstens eine Familie. Da der Ehebruch dermaßen jede Familie und jede Gesellschaft zerstört, weil er sich gegen die menschliche Natur richtet, daher wurde er immer, in allen Religionen und allen Gesellschaften geahndet.

Will man aber die Moral nur biblisch begründen, so kann man sagen:

Ehebruch (Homosexualität, Pädophilie etc.) ist schlecht und Sünde für diejenigen, die an die Bibel glauben. Für alle anderen ist es ok!

Schreibt Benedikt das? Nein, aber von Pater Schüller ist er sichtlich begeistert:

Ich erinnere mich noch, wie die Jesuiten-Fakultät in Frankfurt einen höchst begabten jungen Pater (Schüller) für den Aufbau einer ganz auf die Schrift gegründeten Moral vorbereiten ließ. Die schöne Dissertation von Pater Schüller zeigt einen ersten Schritt zum Aufbau einer auf die Schrift gegründeten Moral. Pater Schüller wurde dann nach Amerika zu weiteren Studien geschickt und kam mit der Erkenntnis zurück, daß von der Bibel allein her Moral nicht systematisch dargestellt werden konnte. Er hat dann eine mehr pragmatisch vorgehende Moraltheologie versucht, ohne damit eine Antwort auf die Krise der Moral geben zu können.

Die Dissertation von Pater Schüller war also nicht häretisch, sie war „schön“. Die „pragmatisch vorgehende Moraltheologie“ wird ebenfalls nicht verurteilt, obwohl sie doch angibt, dass das gut ist, was wirkt oder sich praktisch und pragmatisch verwirklichen lässt. Benedikt scheint immer noch als Papa Emeritus vor der deutschen Theologenzunft auf den Knien zu liegen, wenn er schreibt:

In der Moraltheologie war freilich inzwischen eine andere Fragestellung dringend geworden: Es setzte sich weithin die These durch, daß dem kirchlichen Lehramt nur in eigentlichen Glaubensfragen endgültige Kompetenz (“Unfehlbarkeit”) zukommt, Fragen der Moral könnten nicht Gegenstand unfehlbarer Entscheidungen des kirchlichen Lehramtes werden. An dieser These ist wohl Richtiges, das weiter diskutiert zu werden verdient.

Was gibt es da zu diskutieren? Das ist doch häretisch! Es widerspricht direkt Vatikanum I., was die päpstliche Unfehlbarkeit anbelangt. Was da dringend gewesen wäre, war keine „Fragestellung in der Moraltheologie“, sondern die Absetzung und Suspendierung aller Theologen, die so etwas behaupten. Aber dazu fehlte Ratzinger der Mut. Man kommt nicht umhin die diabolische Intelligenz zu bewundern, welche hinter der Berufung von Ratzinger nach Rom stand. Denn diese Idee muss wohl jemand Johannes Paul II zugeflüstert haben, der natürlich dafür voll verantwortlich ist. Man wusste, dass Ratzinger ein Theoretiker und Feigling war und ist, dass er niemals gegen seine eigenen Theologenkollegen vorgehen würde und wenn, dann sehr ungern.

Der Wunsch nach Beliebtheit kommt von Unsicherheit

Warum eigentlich? Eine gute Frage. Vielleicht daher, dass Ratzinger so unsicher in seiner Theologie war. Für DSDZ ist Theologie wie Mathematik oder Logik. Wenn es stimmt, dann stimmt es, dann gibt es nichts zu rütteln. Für Ratzinger war die Theologie wohl ein immerwährender Diskurs, ein „Nach-Fragen“, eine „Über-Gott-Rede“, wo immer mehr Rede als Gott vorhanden war. Ratzinger scheint der Konsensustheorie der Wahrheit nach Habermas und Apel nachzuhängen,[1] wonach „eine Aussage, dann wahr ist, wenn sie allgemein akzeptiert wird“.[2]

Die Bedingung für die Wahrheit von Aussagen ist die potentielle Zustimmung aller anderen.[3]

Wirklich aller anderen? Nein, präzisiert Habermas, nur eines „jeden vernünftigen Menschen“[4], der sich in einer „idealen Sprechsituation“[5] befindet, welche wiederum innerhalb eines „herrschaftsfreien Diskurses“[6] zu finden ist. Und wo finden solch eine Sprechsituation und Diskurs statt? Jawohl, bei einer Akademietagung, bei Rotwein und Kuchen für das Geld des Steuerzahlers. Daher muss man „im Gespräch bleiben“ und die Häretiker „lieben“, wie Benedikt freimütig Peter Seewald in einem Interviewbuch eröffnete.

Schön ist es auf der Welt zu sein….

Im dritten Teil seiner Abhandlung übergießt Benedikt die ganze Missbrauchsproblematik mit einer sentimentalen gutmenschlichen Kirchensoße, wo zwar fast alles stimmt, aber nichts mit dem Thema Missbrauch und Apostasie gemeinsam hat. Typisch deutsch, eben, gutmenschlich und unverfänglich. Denn wer ist am klerikalen Missbrauch schuld?

  • Die Gesellschaft durch die Kulturrevolution von 1968,
  • Die ungenügende Seminaristenausbildung hauptsächlich in den USA,
  • Das Kirchenrecht, das nicht strafen konnte,
  • Die Kleruskongregation, die nicht strafen wollte,
  • Der Teufel,
  • Dies und das.

aber natürlich nicht er – Joseph Ratzinger selbst – weder als Präfekt der Glaubenskongregation noch als der Papst. Quos vult perdere dementat – „diejenigen, die er verderben will, bringt er um den Verstand“, sagt ein lateinisches Sprichwort. Denn bei Benedikt haben wir es bei diesem Text mit keiner Altersdemenz zu tun, wenn er in der Lage ist mit 92 solche Abhandlungen zu schreiben, sondern mit einer Verblendung und Verstockung, welche Gott auf diejenigen schickt, die schwer sündigen, indem sie ihre Pflicht nicht tun. Denn lesen wir die letzten Sätze des benediktinischen Schreibens:

Ich lebe in einem Haus, in einer kleinen Gemeinschaft von Menschen, die immer wieder solche Zeugen des lebendigen Gottes im Alltag entdecken und freudig auch mich darauf hinweisen. Die lebendige Kirche zu sehen und zu finden, ist eine wunderbare Aufgabe, die uns selbst stärkt und uns des Glaubens immer neu froh werden läßt.

Am Ende meiner Überlegungen möchte ich Papst Franziskus danken für alles, was er tut, um uns immer wieder das Licht Gottes zu zeigen, das auch heute nicht untergegangen ist. Danke, Heiliger Vater!

(Benedikt XVI.)

Oh please …. Benedikt wohnt in einer schönen Villa, wird gehegt und gepflegt, erfreut sich am Frühling und nimmt so „den lebendigen Gott im Alltag“ wahr, wo gleichzeitig die irdische Kirche zusammenbricht und Bergoglio den Niedergang, so gut er kann, beschleunigt. Wahrlich eine Benediktopia!

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[1] Zoglauer, Einführung in die formale Logik für Philosophen, Göttingen 1999, 30.

[2] Ebd.

[3] Habermas, Theorie der Gesellschaft, oder Sozialtechnologie, Frankfurt a.M. 1982, 124.

[4] Ebd., 222.

[5] Ebd., 223

[6] Zoglauer, 30.

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(2) Kommentare

  1. Susanna sagt:

    Was Sie leider immer wieder übersehen oder übersehen WOLLEN, ist, dass J.Ratzinger schon VOR siner Papstwahl all diese Häresien glaubte und in seinen Büchern verkündete und somit lt. Bulle: “Cum ex apostolatus” nicht wählbar war, weil er NIE, nochmals: NIE widerrufen hat! So gebildet wie Sie sind, kennen Sie sicher die 10 Paragraphen dieser Bulle ganz genau und wissen, dass das stimmt, was ich schreibe.
    Deshalb kann und mag ich Ihre Seite nicht abonnieren.

    1. Traditio et Fides sagt:

      @ Susanna

      Wenn wir rein juristisch vorgehen wollen, so hat die Konstitution Romano Pontifice eligendo, nr 35 von Paul VI (1975) die Bestimmungen von Cum ex apostolatus außer Kraft gesetzt.

      Im Nr. 35 von Romano Pontifice eligendo heißt es:

      35. Nullus Cardinalis elector, cuiuslibet excommunicationis, suspensionis, interdicti aut alterius ecclesiastici impedimenti causa vel praetextu, a Summi Pontificis electione activa et passiva excludi ullo modo potest; quae quidem censurae, ad effectum huiusmodi electionis tantum, suspensae putandae sunt.

      Der deutsche Text liegt nicht vor, Spanisch, Italienisch, Französisch und Lateinisch sind verfügbar, daher übersetze ich es selbst ins Deutsche:

      35. Kein Kardinal, der Papstwähler ist, darf vom aktiven oder passiven Wahlrecht zur Wahl des Papstes in keinster Weise ausgeschlossen werden, sollte er einer Exkommunikation, Suspension, Interdikt oder einer anderen Kirchenstrafe als Hindernis oder Vorwand unterliegen. Diese Zensuren sind für den Zeitraum dieser Papstwahl für aufgehoben zu erachten.

      Dies bedeutet, sollte ein Kardinal auch vorher exkommuniziert, suspendiert gewesen sein, dann darf er trotzdem zum Papst gewählt werden oder einen Papst wählen. Reine Häresie reicht nicht, die muss formell sein, von jemanden festgestellt werden und eine zweimalige Mahnung soll folgen.

      Laut Universi dominici gregis (1996) von Johannes Paul II, Punkte 33 i 35 wird überhaupt niemand an einer Papstwahl gehindert, d.h. die Möglichkeit einer vorherigen Exkommunizierung wird hier gar nicht erwähnt.

      35. Keiner der wahlberechtigten Kardinäle kann von der aktiven oder passiven Wahl aus irgendeinem Grund oder Vorwand ausgeschlossen werden, jedoch unter Beachtung der in Nr. 40 dieser Konstitution enthaltenen Bestimmungen.

      Ich habe vor kurzem eine Erwiderung zu der These von Bischof Schneider geschrieben, die es bald hier auf Deutsch geben wird. Daher habe ich diese Texte parat und ich habe tatsächlich das ganze Cum ex apostolatus gelesen. Ich werde mich damit wirklich näher befassen und wenn man abonniert, so kann man es auch lesen.

      Die Thematik von Cum ex apostolatus hat doch überhaupt nichts mit dem Thema dieses Artikels zu tun.
      1. Wäre Ratzinger vor seiner Wahl als der Häresie angeklagt und gar exkommuniziert worden.
      2. Dann wäre seine Wahl zum Papst trotzdem rechtens gewesen, siehe die Konstitutionen von Paul VI und Johannes Paul II.

      War denn Cum ex apostolatus für alle Zeiten verbindlich? Schwierige Frage. Aus dem Text geht es hervor, dass Paul IV tatsächlich in definitorischer Absicht diese Bulle verfasste. Sie betrifft aber etwas Juristisches und nicht den Glauben oder die Sitten, somit war es nicht ex cathedra.

      Man müsste untersuchen, ob die Bestimmungen von Cum ex apostolatus immer bis 1975 eingehalten wurden oder ob dieses Dokument durch eine nachfolgende Konstitution zur Papstwahl abrogiert wurde. Ich weiß es in diesem Moment nicht.

      Rein juristisch gesehen, kann jeder Papst die kirchenrechtlichen Bestimmungen seines Vorgängers abrogieren und verändern, was ja immer stattfand. Sodass heute Universi dominici gregis samt späteren Änderungen gilt und nicht Cum ex apostolatus, sosehr es mir auch Leid tut.

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