Tradition und Glauben

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe

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Evangelium des einundzwanzigsten Sonntags nach Pfingsten

Mt 18, 23 – 35

(21 Petrus trat zu Jesus und fragte: „Herr, wenn mein Bruder gegen mich fehlt, wie oft muss ich ihm denn vergeben? Etwas siebenmal?“ 22 Jesus antwortete ihm: „Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebenzigmal siebenmal.)

Darum ist es mit dem Himmelreiche wie mit einem Könige, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er damit begann, wurde ihm einer vorgeführt, der ihm zehntausend Talente schuldig war. Da er aber nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn mit Weib und Kind und all seiner Habe zu verkaufen und damit zu bezahlen. Da warf sich der Knecht ihm zu Füßen und flehte: Habe Geduld mir, ich will dir alles bezahlen. Der Herr erbarmte sich des Knechtes, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld. Als aber der Knecht hinausging, traf er einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Den packte und würgte er, indem er sprach: Bezahle, was du schuldig bist! Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und bat: Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen. Der aber wollte nicht, sondern ging hin und ließ ihn in den Kerker werfen, bis er seine Schulden bezahlt hätte. Als die Mitknechte sahen, was geschah, wurden sie tief betrübt. Sie gingen hin und meldeten ihrem Herrn alles, was sich zugetragen hatte. Da ließ sein Herr ihn zu sich kommen und sagte zu ihm: Du böser Knecht! Ich habe dir die ganze Schuld erlassen, weil du mich gebeten hast. Hättest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmen müssen, wie ich mich deiner erbarmt habe? Voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt hätte.

So wird auch mein Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht, ein jeder seinem Bruder, von Herzen verzeiht.“

Betrachtung zum Evangelium des einundzwanzigsten Sonntags nach Pfingsten

Wenn man betrachtet, wie die meisten Menschen die ihnen von Gott anvertrauten Güter des Leibes und der Seele benützen; soll man wohl glauben, daß sie überzeugt sind, nach ihrem Tode Gott Rechenschaft ablegen zu müssen? — Welch große Schulden haben wir, o Gott! wenn wir über den Gebrauch der Zeit, über unsere Gedanken und Wünsche, Worte und Werke nachdenken! Was bleibt dem Sünder, der seine Armuth, seine Sünden, seine Strafwürdigkeit vor Gott erkennt, übrig, als daß er sich mit aufrichtigem Herzen vor Gott demüthige, ihn inständig und vertrauensvoll um Geduld bitte und entschlossen sey, aus allen seinen Kräften durch die Buße ihm genug zu thun? — Ist Gott, unser Vater, barmherzig; sollen nicht auch wir, seine Kinder, es seyn und unsern Beleidigern verzeihen? Gott ist heilig und gerecht. Wer nicht barmherzig ist, erlangt auch nicht Barmherzigkeit. Vergeben wir von Herzen, wie wir wünschen, daß Gott auch uns vergebe!

Kirchengebet

Bewahre, o Herr, deine Familie stets durch deine Güte, damit sie unter deinem Schutze von allem Uebel befreit, durch gottselige Handlungen deinen Namen verherrliche! Amen.

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