Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage III – Beschneidung des Herrn

Evangelium am Feste der Beschneidung des Herrn

Lk 2, 21

Als die acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten wurde, ward Ihm der Name Jesus gegeben, wie Ihn der Engel genannt hatte, noch ehe Er im Mutterschoße empfangen war.

Predigtext des Kirchenvaters

In der 7. Lesung bespricht der heilige Ambrosius kurz die Bedeutung der Beschneidung des Herrn (gemäß Gal 4, 41), geht dann zur Darstellung desselben im Tempel und deutet an, daß die Beschneidung sonst eigentlich eine Vorbereitung auf die Darstellung war:

Auslegung vom heiligen Bischof Ambrosius.

Es wird also am Kinde die Beschneidung vorgenommen. Wer ist denn jenes Kind anders als das von dem gesagt ist: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt“? Er hat sich unter das Gesetz des Alten Bundes gestellt, um denjenigen, die unter dem Alten Bunde waren, Segen zu bringen. „Um ihn dem Herrn darzustellen.“ Was das heißt: in Jerusalem dem Herrn dargestellt werden, würde ich erklären, wenn ich es nicht in den Anmerkungen zu Isaias früher erklärt hätte. Derjenige nämlich, der in bezug auf die Laster beschnitten ist, der wird als würdig erachtet, vor das Auge des Herrn zu kommen; denn „der Gnadenblick des Herrn ruht auf den Gottestreuen“. Man sieht, wie die ganze Reihe der Verordnungen der alten Zeit ein Bild der Zukunft war; denn auch die Beschneidung ist ein Bild der Reinigung von den Sünden.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 8. Lesung stellt der Heilige wieder die Bedeutung der Beschneidung mit dem Satz zusammen, in dem die Darstellung der Kinder verordnet ist und zeigt, wie dieser Satz in seinem vollen Inhalt nur beim Herrn verwirklicht worden ist (der Heilige legt den Nachdruck auf die Zahl acht, weil diese ihm als Sinnbild der Ewigkeit gilt, die er hier als Auferstehung betrachtet, s. Stundengebet für mehrere Martyrer):

Auslegung vom heiligen Bischof Ambrosius.

Aber weil infolge einer zur Sünde geneigten Begierlichkeit die Gebrechlichkeit des menschlichen Leibes und Geistes in böse Anlagen verwickelt ist, denen sie nicht entrinnen kann, deshalb wurde durch die Beschneidung am achten Tage die im Zeitalter der Auferstehung erwartete Reinigung von der ganzen Schuld vorgebildet. Diese Bedeutung hat nämlich der Satz: Alles Männliche, was den Mutterschoß öffnet, wird als dem Herrn heilig gelten. Mit den Worten des alttestamentlichen Gesetzes nämlich wurde der von einer Jungfrau Geborene verheißen; und der war wahrhaft heilig, weil ohne Makel. Daß er übrigens derjenige ist, der durch das Gesetz bezeichnet wird, zeigen in derselben Weise klar die vom Engel wieder aufgenommenen Worte: „Was Heiliges geboren wird, das wird Gottes Sohn sein.“

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 9. Lesung betont der Heilige das Wort „heilig“, das in der angeführten Verordnung steht, und zeigt, wie das in seiner ganzen Tragweite nur auf den Herrn und auf diejenigen paßt, die als Erweiterung des Herrn oder als seine geheimnisvollen Glieder aus dem Schoß der Kirche durch die Taufe geboren werden:

Auslegung vom heiligen Bischof Ambrosius.

Unter allen vom Weibe geborenen ist nämlich in jeder Beziehung heilig der Herr Jesus, der die Versuchung durch die irdische Sündhaftigkeit, infolge der Neuartigkeit seiner makellosen Geburt, nicht gefühlt und mit seiner himmlischen Majestät von sich ferngehalten hat. Denn wenn wir uns an den Buchstaben halten, wie kann alles Männliche heilig sein, da es doch nicht verborgen ist, daß viele sehr verbrecherisch gewesen sind? Ist etwa Achab ein Heiliger? Sind die lügenhaften Wahrsager Heilige, die auf Bitten des Elias das vom Himmel kommende als Strafer des Unrechts fallende Feuer vertilgt hat? Aber der war heilig, den als Vorbild des künftigen heiligen Geschehens die wohlgemeinten Vorschriften des göttlichen Gesetzes andeuteten; deshalb, weil er allein, um durch eine neue Geburt ein Gottesvolk zu schaffen, der heiligen jungfräulichen Kirche den geheimnisvoll gebärenden mit makelloser Fruchtbarkeit ausgestatteten Mutterschoß öffnen sollte.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Gott! Du hast durch die fruchtbare Jungfrauschaft Mariens dem Menschengeschlechte die Güter des ewigen Heiles geschenkt; nun bitten wir Dich: laß uns die Fürsprache jener erfahren, durch die wir den Urheber des Lebens empfangen durften, unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

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