Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage III – Mariae Empfängnis

Evangelium am Feste Mariae Empfängnis

Lk 1, 26 – 28 Im sechsten Monate ward der Engel Gabriel von Gott gesandt ein eine Stadt in Galiläa mit Namen Nazareth zu einer Jungfrau. Sie war verlobt mit einem Manne namens Joseph, aus dem Hause Davids. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sprach: „Sei gegrüßt, du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir. [Du bist gebenedeit unter den Frauen].“

Predigt zum Evangelium des Festes Mariae Empfängnis

Auslegung vom heiligen Priester Hieronymus.
In der 1. Lesung erklärt er den Sinn des ihr vom Engel dargebrachten Grußes:

Wie schön und wie erhaben die heilige und glorienreiche, stets unversehrte Jungfrau Maria ist, wird vom Engel im Auftrag Gottes erklärt, wenn gesagt wird: Sei gegrüßt, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, du bist die Preiswürdigste unter den Frauen. Mit solchen Gaben mußte nämlich die Jungfrau wie mit Pfändern ausgestattet werden, auf daß sie voll von Gnade sei, sie, die dem Himmel Herrlichkeit verschafft, der Erde Gott und den Frieden gewährt, den Völkern den Glauben, den Lastern das Ende, dem Leben die rechte Ordnung, dem Verhalten der Menschen die Anleitung verschafft hat. Und sie wird in richtiger Weise voll genannt, weil bei anderen teilweise Mitteilung geschieht, in Maria aber die ganze Fülle der Gnade sich eingesenkt hat. Sie ist in wahrer Weise voll; denn wenn wir auch an das Vorhandensein der Gnade in den alten Vätern und Propheten glauben, so war es doch nicht in dieser Fülle; in Maria drang aber die Fülle der ganzen Gnade, die in Christus ist, hinein, wenn auch in anderer Weise. Und deshalb sagt er: Du bist die Preiswürdigste unter den Frauen, d. h. mehr preiswürdig als alle Frauen. Und dadurch hat alles das, was an Fluch durch Eva eingedrungen ist, der durch Maria gebrachte Segen weggeräumt. Von ihr sagt Salomon im Hohenlied, gleichsam um sie zu loben: „Komm, du mein Täubchen, du mein Liebling ohne Makel. Denn schon ist vorbei die Winterzeit, vorüber ist der Regen und er ist verschwunden.“ Und dann sagt er: „Komm vom Libanon, komm, du sollst eine Krone erhalten.“.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 2. Lesung bestätigt der Heilige seine Ausführungen durch andere Stellen aus der heiligen Schrift, in denen besonders die jungfräuliche Mutterschaft hervorgehoben wird, und zwar nach Erklärung von Hl 4, 8 durch die Anspielung an Ps 84, 12 insbesondere durch Jr 31, 22 (das zwischen den Strichen Stehende bezieht sich auf die Ansicht der alten Juden, daß derjenige, der Gott sieht, nicht mehr auf Erden leben könne), was er durch Ez 44, 2 (s. Kap. des Mittagsgebetes) genauer erklärt:

Nicht mit Unrecht also heißt es von ihr, daß sie vom Libanon kommt, da das Wort „Libanon“ übersetzt wird mit Heiligkeit. Sie war doch erhellt mit vielen Vorzügen, die Verdienste begründeten, und den weißen Schnee an Glanz übertreffend, stellte sie infolge der ihr vom Heiligen Geiste gewährten Gaben die Einfalt der Taube in jeder Hinsicht dar, da alles, was in ihr geschah, nur Reinheit und Einfalt, alles nur Echtheit und Lieblichkeit war; alles „Erbarmen und Gerechtigkeit, die vom Himmel herabschaute“; und sie war deshalb makellos, weil sie in nichts entstellt war. Sie hat nämlich „ein männliches Wesen in ihrem Schoß umschlossen,“ wie der heilige Jeremias bezeugt, und dieses nicht anderswoher empfangen. „Es wird“, so sagt er, „der Herr etwas Neues schaffen; und eine Frau wird ein männliches Wesen umschließen.“ Es war wirklich etwas Neues und eine alle Neuigkeiten überragende Neuigkeit an Wunderwerken, als Gott – den die Welt nicht tragen und den niemand sehen kann, so daß er lebend bleiben könnte – in einer Weise in den gastlichen Raum des Schoßes eingetreten ist ohne den körperlichen Verschluß wahrzunehmen; und als er in der Weise getragen wurde, daß er als ganzer Gott darin gegenwärtig war; und als er so daraus hervortrat, daß – wie Ezechiel bekennt – „die Pforte ganz und gar verschlossen blieb“. Dann heißt es in demselben Hohenlied von ihr: „Ein verschlossener Garten, eine versiegelte Quelle bist du; was von dir ausgeht, ist wie ein Lustgarten.“ Sie ist wirklich ein Lustgarten, in dem alle Arten von Blumen eingesät sind und alle Wohlgerüche von Tugenden; und so verschlossen, daß er unfähig ist, durch irgendwelche trügerischen Überfälle verletzt oder entstellt zu werden. Also eine Quelle, die versiegelt ist mit dem Siegel der ganzen Dreieinigkeit.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 3. Lesung wird über die Lehrentscheidung des Papstes Pius IX. berichtet, die in ihrem Wortlaut am 15. Dezember in der 5. Lesung steht, nach der die unbefleckte Empfängnis der heiligen Jungfrau als Glaubenssatz erklärt wird:

Aus den Entscheidungen des Papstes Pius IX. Den Sieg, den die jungfräuliche Gottesmutter in ihrer Empfängnis über den grausigsten Feind des menschlichen Geschlechtes errungen hat, den die Aussprüche Gottes, die ehrwürdige Überlieferung, die ständige Überzeugung der Kirche, die einzigartige Einigkeit zwischen den Bischöfen und den Gläubigen, auch die feierlichen Entscheidungen und Verordnungen der Päpste in wunderbarer Weise schon beleuchteten, beschloß Papst Pius IX. in Anpassung an die Wünsche der ganzen Kirche mit seiner höchsten und unfehlbaren Lehrvollmacht in feierlicher Weise der Welt zu verkünden. Daher hat er am 8. Dezember des Jahres 1854 in der Basilika am Vatikan (Peterskirche) in Gegenwart einer ungemein großen Zahl von Kardinälen und Bischöfen der heiligen Römischen Kirche, selbst aus den entferntesten Gegenden, und unter freudiger Zustimmung der ganzen Welt in feierlicher Weise erklärt und entschieden: Daß die Lehre, die behauptet, die heilige Jungfrau Maria sei im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund eines einzigartigen von Gott gewährten Vorrechtes von jeder Makel der ererbten Schuld unverletzt bewahrt worden, von Gott geoffenbart sei und deshalb von allen Gläubigen fest und ständig geglaubt werden müsse.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Wir bitten Dich, o Herr! ertheile deinen Dienern das Geschenk der himmlischer Gnade, damit uns, denen die Geburt der seligen Jungfrau zum Anfange des Heils gereichte, die Feierlichkeit ihrer Empfängniß den Frieden vermehre, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

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