Tradition und Glauben

12. September: Mariae Namen

Lesungen des alten Breviers (Divino afflatu von 1910) zum heutigen Fest.
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Evangelium zum Fest Mariae Namen

Lk 1, 26 – 38

Im sechsten Monate aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria.

Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern!

Da sie dies hörte, erschrak sie über seine Rede, und bedachte bei sich, was dies für ein Gruß sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen im Schoße und einen Sohn gebären, und du sollt seinen Namen Jesus heißen. Dieser wird groß sein, und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über das Haus Jakob in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein.

Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies geschehen, da ich einen Mann nicht erkenne?

Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden.

Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat für sie, die unfruchtbar heißt, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.

Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte!

Und der Engel schied von ihr.

Predigtext des Kirchenvaters
In den Lesungen sucht der heilige Bernhard (Hom. 2 zu Lk 1, 26) uns zu großem Vertrauen auf Maria zu erfüllen, und zwar 
in der 4. Lesung begründet er dieses Vertrauen mit dem Hinweis auf die Bedeutung des Namens „Maria“:
Predigt des heiligen Abtes Bernhard. Und der Name der Jungfrau war Maria. Wir wollen nur weniges auch über diesen Namen sagen, der als „Stern des Meeres“ gedeutet wird und ganz vortrefflich auf die Jungfrau-Mutter passt. Diese wird nämlich sehr passend mit einem Sterne verglichen. Wie nämlich der Stern, ohne sich selbst zu schaden, von sich seine Strahlen ausgehen lässt, so hat die Jungfrau, ohne Verletzung ihrer selbst, ihren Sohn geboren. Auch mindert der (ausgehende) Strahl die Klarheit des Sternes nicht; so hat auch der Sohn die Unversehrtheit der Jungfrau nicht gemindert. Sie ist also jener edle Stern, der aus Jakob aufging, dessen Strahl die ganze Welt erleuchtet, dessen Glanz die Himmel durchschimmert, in die Unterwelt eindringt, die Erde erhellt und mehr die Herzen als den Körper durchglüht, der die Tugenden nährt und die Laster auskocht. Sie ist, sage ich der herrliche, glanzvolle Stern, der notwendigerweise über dieses große und weite Meer erhoben ist, glänzend an Verdiensten, erleuchtend durch Beispiele.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 5. Lesung schildert der Heilige Maria als die Helferin in allen Seelennöten:

Magst du sein, wer du willst: Wenn du merkst, daß du auf dem Strome dieser Welt mehr durch die Stürme und Unwetter umhergetrieben wirst als auf festen Boden fußest, wende die Augen nicht ab vom Glanze dieses Sternes, wenn du nicht von den Stürmen verschlungen werden willst. Wehen die Stürme der Versuchungen, stoßest du auf Klippen der Trübsal, schau auf zum Sterne, ruf zu Maria. Wirst du von den Wogen des Stolzes oder der Ehrsucht oder Verleumdungssucht oder der Eifersucht umhergetrieben, schau auf zum Stern, rufe zu Maria. Stürmt der Zorn oder die Habsucht oder die Fleischeslust auf das Schifflein deines Gemütes, schau auf zu Maria.Wirst du über die Schwere deiner Vergehen bestürzt, von der Hässlichkeit deines Gewissens verwirrt, vom Schrecken vor dem Gerichte erfasst, wirst du allmählich vom Abgrund der Traurigkeit und von der Untiefe der Verzweiflung verschlungen, denke an Maria.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 6. Lesung schildert der Heilige die Vorteile des Rufens zu Maria:
In Gefahren, in Nöten, in zweifelhaften Fällen denke an Maria, rufe zu Maria. Sie weiche nicht von deinem Munde, sie weiche nicht aus deinem Herzen; und dass du die Hilfe ihrer Fürbitte erlangest, weiche nicht ab von den Beispielen ihres Wandels. Wenn du ihr folgst, weichst du nicht ab vom Wege; wenn du zu ihr flehst, brauchst du nicht zu verzweifeln; wenn du an sie denkst, wirst du nicht irre gehen; wenn sie dich hält, kommst du nicht zu Fall; wenn sie dich beschützt, brauchst du keine Furcht zu haben; wenn sie deine Führerin ist, ermüdest du nicht; wenn sie dir hold ist, gelangst du zum Ziel; und so wirst du an dir selbst erfahren, wie richtig gesagt ist: „Und der Name der Jungfrau war Maria.“ – Nachdem nun dieser verehrungswürdige Name schon längst in verschiedenen Teilen des christlichen Erdreiches in besonderer Weise verehrt wurde, ordnete Papst Innozenz XI. auf einen wunderbaren Sieg hin, der unter dem Schutze der Jungfrau Maria über den unmenschlichen Türkenführer, der die Christenheit hart bedrückte, bei Wien (1683) erfochten wurde, als ewiges Denkmal dieses großen Hulderweises eine jährliche Feier zu Ehren dieses Namens an.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott: gib, daß Deine Gläubigen, die sich ob des Namens und Schutzes der heiligsten Jungfrau Maria freuen, auf Erden durch ihre mütterliche Fürsprache von allen Übeln befreit werden und im Himmel zu den ewigen Freuden gelangen dürfen. Durch unsern Herrn. Amen.

 

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

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