12. Feste in Dezember Betrachtungen zum Evangelium Homilie Liturgie Predigten der Kirchenväter Tridentinische Messe

Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage III – St. Stephanus, Erzmartyrer

Evangelium am Feste des Hl. Erzmartyrers Stephanus

Mt 23, 34 – 39 (Jesus sprach zu den Pharisäern und Schriftgelehrten:)

Darum seht, ich sende zu euch Propheten, Weise und Schriftgelehrte. Die einen von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, die andern in euren Synagogen geißeln und von Stadt zu Stadt verfolgen. So soll über euch kommen alles gerechte Blut, das auf Erden vergossen ward, vom Blute des gerechten Abel angefangen bis zum Blute des Zacharias, des Sohnes Barachias, den ihr ermordet habt zwischen dem Tempel und dem Altare1. Fürwahr, ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.

Jerusalem, Jerusalem! Du mordest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt; aber ihr habt nicht gewollt“ Nun wird euer Haus euch [verödet] überlassen. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr ausrufet: Hochgelobt sei der da kommt im Namen des Herrn!

Predigtext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Priester Hieronymus.
Buch 4 der Auslegung zu Mt Kap. 23

Den Ausspruch: Macht nur voll das Maß eurer Väter, haben wir früher auf die Person des Herrn gedeutet, weil Er von den Juden getötet werden sollte. Man kann ihn aber auch auf Seine Jünger beziehen, von denen Er jetzt sagt: Seht, Ich sende zu euch Propheten, Weise und Schriftgelehrte. Beachte zudem, daß nach dem Worte des heiligen Apostels in seinem Brief an die Korinther die Jünger Christi verschiedene Gaben empfangen. Die einen als Propheten, welche die Zukunft voraussagen; andere besitzen die Gabe der Weisheit, die den Zeitpunkt erkennen, wann sie das Wort verkünden sollen; wieder andere sind hochgelehrte Schriftkenner. Aus ihrer Mitte wurde Stephanus gesteinigt, Paulus hingerichtet, Petrus gekreuzigt, die Jünger in der Apostelgeschichte gegeißelt.

  1. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
    R.Gott sei Dank gesagt.

In der 8. Lesung stellt der Heilige die Frage, wer der vom Herrn genannte Zacharias gewesen sein mag, und legt einige Antworten vor:
Wir fragen, wer der Zacharias, der Sohn des Barachias sei, da wir von vielen Trägern des Namens Zacharias lesen. Und damit uns die Möglichkeit eines Irrtums genommen wird, wird hinzugefügt: „Den ihr zwischen dem Tempel(-Eingang) und dem Altare1 getötet habt.“ An verschiedenen Stellen habe ich verschiedenes gelesen, und ich muß die Ansichten der einzelnen vorlegen. Einige nennen als Zacharias, Sohn des Barachias, denjenigen, der unter den zwölf Propheten an elfter Stelle steht, und bei ihm stimmt der Name des Vaters; aber wo er zwischen dem Tempel und dem Altar getötet wurde, sagt die Schrift nicht, und dies vor allem deshalb, weil es zu seiner Zeit kaum Trümmer vom Tempel gab. Andere wollen den Zacharias, den Vater des Johannes, darunter verstehen und suchen es durch manche Träumereien unechter Schriften zu belegen, daß er deshalb umgebracht worden sei, weil er des Heilands Ankunft verkündigt habe.
V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 9. Lesung gibt der Heilige auf die gestellt Frage die richtige Antwort:
Andere wollen, daß es der Zacharias sei, der von Joas, dem König von Juda, zwischen dem Tempel und dem Altare getötet worden ist, wie die Bücher der Könige erzählen. Aber es ist zu bemerken, daß jener Zacharias nicht der Sohn eines Barachias, sondern ein Sohn des Priesters Jojadas ist; deshalb berichtet auch die Schrift: „Es dachte Joas nicht an dessen Vater Jojadas, daß er ihm Gutes erwiesen hatte.“ Da wir also einen Zacharias haben und der Ort der Tötung stimmt, fragen wir, weshalb er Sohn des Barachias genannt wird und nicht des Jojadas. Barachias heißt nach unserer Sprache „Der vom Herrn Gesegnete“, und die Rechtschaffenheit des Priesters Jojadas wird durch den hebräischen Namen angezeigt. Im Evangelium, das die Nazarener im Gebrauch haben, finden wir statt „Sohn des Barachias“ „Sohn des Jojadas“ geschrieben.
V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Gebet

Heiliger Stephanus, du Blutzeuge Jesu Christi, du Mann voll des Glaubens und der Kraft, Wunder zu wirken! Du bewiesest so klar und überzeugend, daß Jesus der Messias sey. Die Gelehrtesten der Juden konnten deiner Weisheit nicht widerstehen, da der Geist Gottes aus dir redete; daher wurden sie, die Feinde Jesu Christi, auch deine Feinde, die dich verläumdeten und jene herrlichen Worte: „Sehet! ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn, den ihr ans Kreuz geschlagen habt, zur Rechten Gottes sitzen,” als Gotteslästerung aufnahmen, und so dich als Gotteslästerer dem Tode überlieferten. — Du gekreuzigter und wieder zum Leben erweckter, Du erniedrigter und zum Throne Gottes erhöhter König! den einst Stephanus dem irregeführten Volke verkündete, den Stephanus einst zur Rechten Gottes sah, für den Stephanus sein Leben hingab: o sende einen Strahl deines Lichtes, in mein Herz, daß ich an Dich glaube, wie Stephanus! gieb mir Muth, daß ich von Dir rede, wie Stephanus! gieb mir Liebe und Geduld, daß ich für Dich leide, wie Stephanus, daß auch ich meine Feinde segne, wie Stephanus, und dann Dich einst im Himmel sehe, wie Dich Stephanus schon auf Erden sah! Amen.

1 D. i. Zwischen dem Brandopferaltar und dem eigentlichen Tempel, also im Vorhof des Tempels

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