Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage III – Montag der Karwoche

Evangelium zum Montag in der Karwoche

Joh 12, 1 – 9

Sechs Tage vor dem Osterfeste kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, der gestorben gewesen und den Jesus auferweckt hatte. Daselbst bereiteten sie ihm ein Abendmahl, und Martha diente; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tische saßen. Da nahm Maria ein Pfund kostbaren Salböls von echter Narde, und salbte die Füße Jesu, und trocknete seine Füße mit ihren Haaren. Und das Haus ward voll von dem Dufte der Salbe.

Da sagte einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn darnach verrathen sollte: Warum hat man diese Salbe nicht um dreihundert Denare verkauft, und den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er sich um die Armen kümmerte, sondern weil er ein Dieb war, und den Beutel hatte, und das trug, was hineingelegt wurde.

Da sprach Jesus: Lasset sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses bewahre. Denn die Armen habt ihr allezeit, mich aber habt ihr nicht allezeit.

Da nun eine große Menge Juden erfuhr, daß er da sei, kamen sie nicht um Jesu willen allein, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Todten auferweckt hatte.

Predigtext des Kirchenvaters
In der Auslegung gebraucht der heilige Augustin (Abhandlung 50 zu Joh) die Erzählung von der Salbung des Herrn als Beweggrund für die Mahnung, den Herrn nachzuahmen, daß wir eine Salbung im übertragenen Sinne an den Armen vornehmen, d. h. Werke der Nächstenliebe üben, und zwar

in der 1. Lesung schickt er erst eine Bemerkung über Lazarus voraus und führt die Stelle an, die er auslegen will:
Auslegung vom heiligen Bischof Augustinus. Damit die Leute nicht glaubten, es sei ein Gespenst sichtbar geworden, weil ein Toter auferstanden war, befand sich Lazarus unter den Tischgenossen; er zeigte Leben, er redete, nahm Speise zu sich; es zeigte sich die Wahrheit, der Unglaube der Juden wurde beschämt. Es war Jesus mit Lazarus und mit den anderen zu Tische. Die Bedienung machte Martha, eine von den Schwestern des Lazarus. „Maria aber, des Lazarus zweite Schwester, nahm ein Pfund kostbaren echten Nardenöles und salbte die Füße Jesus und trocknete sie mit ihren Haaren ab, und das Haus wurde mit dem Dufte der Salbe erfüllt.“ Die Begebenheit haben wir gehört; wir wollen ihren tieferen Sinn zu erforschen suchen.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 2. Lesung legt er die einzelnen Wörter aus, um seine Mahnung zu begründen (für das Wort „echt“ steht im griechischen Wortlaut pisticus).

Wer eine treue Seele sein will, der muß mit Maria die Füße des Herrn mit kostbarer Salbe salben. Jene Salbe galt als Gerechtigkeit, deshalb wog sie ein Pfund; es war aber eine Salbe aus kostbarem echtem Nardenöl. Wenn er sagt pisticus, so müssen wir glauben, daß darin ein besonderer Grund liegt, weshalb diese Salbe kostbar war; und dies ist nicht ohne Bedeutung und paßt ganz gut zu dem verborgenen Sinn. Was nämlich griechisch pistis ist, das ist lateinisch fides (deutsch Glaubwürdigkeit oder Echtheit). Man wollte Rechtschaffenheit üben. „Der Rechtschaffene lebt aus dem Glauben.“ Man muß die Füße Jesu durch einen guten Lebenswandel salben; man muß den Spuren des Herrn nachgehen. Man muß Haare zum Abtrocknen gebrauchen: wenn man Überfluß hat, muß man ihn den Armen geben, und dann hat man die Füße des Herrn abgetrocknet; die Haare scheinen nämlich etwas Überflüssiges am Körper zu sein. Man kann also wissen, was man mit seinem Überfluß macht; beim Besitzer ist es Überfluß, aber den Füßen des Herrn ist es notwendig. Gewiß leiden im Lande die Füße des Herrn Entbehrung.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 3. Lesung bekräftigt der Heilige seine Mahnung (und beruft sich auf Röm 2, 24 und auf 2 Kor 2, 15):
Von wem anders als von seinen Gliedern wird der Herr am Ende der Welt sprechen: „Wenn ihr etwas einem der Geringsten, die mir gehören, getan habt, dann habt ihr es mir getan“? Euren Überfluß habt ihr aufgewandt; aber ihr seid meinen Füßen dienstbar geworden. „Das Haus aber wurde mit dem Dufte der Salbe erfüllt“; die Welt ist erfüllt worden mit dem Rufe vom Guten; denn der wohlriechende Duft ist der gute Ruf. Die schlecht leben und sich Christen nennen, tuen Christus unrecht; und von solchen ist gesagt, daß „durch sie die Majestät Gottes gelästert wird.“ Wenn durch solche die Majestät Gottes gelästert wird, dann wird durch die Guten die Majestät Gottes geehrt. Hör‘, was der Apostel sagt: „Ein angenehmer Duft sind wir, sagt er, für Christus an allen Orten.“

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Allmächtiger Gott, wir bitten Dich: laß uns, die wir inmitten so vieler Schwierigkeiten infolge unserer Schwachheit erliegen, wieder neu aufatmen durch die Verdienste des Leidens Deines eingeborenen Sohnes: der mit Dir lebt und herrscht. Amen.

 

Tradition und Glauben – Angebot

7 Tage gratis lesen – testen Sie uns!

Monatsabo nur 19,99 € im Monat

Jahresabo nur 149,99 € im Jahr

Besuchen Sie unseren Online-Shop

Unser Coaching-Angebot für Sie!

Kommentar verfassen

error: Content is protected !!
%d Bloggern gefällt das: