Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage III – 2. Adventssonntag

Evangelium des zweiten Adventssonntags

Mt 11, 2 – 10

Als Johannes im Kerker vom Wirken Christi hörte, entsandte er [zwei] von seinen Jüngern und ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir einen andern erwarten?“ Jesus antwortete ihnen: „Geht hin und kündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird die frohe Botschaft verkündigt. Wohl dem, der keinen Anstoß an mir nimmt!“

Als jene weggingen, sprach Jesus zu den Volksscharen über Johannes: „Wozu seid ihr in die Wüste hinausgezogen? Ein Schilfrohr zu sehen, das vom Winde hin und her bewegt wird? Oder wozu seid ihr hinausgezogen? Einen Mann in weichlichen Kleidern zu sehen? Nein. Leute, die weichliche Kleider tragen, sind an den Höfen der Könige. Wozu seid ihr also hinausgezogen? Einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch, mehr als einen Propheten. Er ist es, von dem geschrieben steht:

Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, auf dass er deinen Weg vor dir bereite.

Predigtext des Kirchenvaters, Auslegung vom heiligen Papst Gregor.
In der 7. Lesung erläutert der Heilige Gregor die genannte Mahnung

Nachdem man so viele und so große Zeichen der Macht geschaut hatte, hätte man doch vom Anstoß frei bleiben können und eher in Staunen geraten sollen. Aber der Sinn der Ungläubigen hat darin an ihm einen schwerwiegenden Anstoß genommen, da er ihn nach so vielen Wundern sterben sah. Darum sagt auch Paulus 1 Kor 1,23: “Wir jedoch predigen Christus, den Gekreuzigten, für die Juden ein Anstoß, für die Heiden eine Torheit.” Töricht ist es nämlich den Menschen vorgekommen, dass für die Menschen der Urheber des Lebens gestorben ist; und der Mensch hat gegen ihn an der Tatsache Anstoß genommen, auf Grund derer er ihm sich mehr hätte verpflichtet fühlen sollen. Denn umso ehrfurchtsvoller muss Gott von den Menschen gefeiert werden, je mehr er seiner Unwürdiges für die Menschen auf sich genommen hat.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 8. Lesung gibt der Heilige das Mittel an, wie der Anstoß vermieden werden kann:

Was heißt das nun, wenn er sagt: „Selig ist, der an mir keinen Anstoß nimmt,“ anderes, als mit offenen Worten seinen so verächtlichen und erniedrigenden Tod andeuten? Als ob er deutlich sagen wollte: Wohl wirke ich Staunenswertes; aber ich halte es nicht für unvereinbar mit meiner Würde, Erniedrigendes zu leiden. Weil ich also (o Mensch) im Sterben dir nachgehe, müssen sich die Menschen davor hüten, daß sie den Tod in mir als unpassend ansehen, die doch vor den Wundern Ehrfurcht haben.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

In der 9. Lesung fügt der Heilige das Lob des Herrn über Johannes an:

Aber nun wollen wir das, was er nach Entlassung der Johannesjünger den Scharen über denselben Johannes sagt, anhören. „Was wolltet ihr beim Hinausgehen aus den Ortchaften sehen? Ein Rohr, das vom Winde hin und her bewegt wird?“ und das hat er nicht bejahend, sondern verneinend vorgebracht. Das Rohr beugt sich nämlich, so bald es ein Windhauch berührt, nach der anderen Seite. Und was wird durch das Rohr anderes angedeutet als der sinnliche Trieb? Der wird ja, sobald er von einer Annehmlichkeit oder von der Entziehung einer solchen berührt wird, gleich nach jeder beliebigen Seite hingelenkt.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Da nun, o Herr! die katholische Kirche in Erinnerung deiner ersten Ankunft auf Erden uns hinweist auf jene, durch welche Du in deiner Gnade bußfertige Seelen besuchest, so bitten wir Dich: reinige unsere Herzen von allen Sünden, damit wir Dir treu dienen! Gieb uns Gnade, daß wir uns nicht wie ein schwaches Rohr von falscher Lehre und Irrthümern, von Begierden und Erdensorgen hin- und hertreiben lassen, sondern an der anerkannten Wahrheit festhalten, damit wir Dich mit deiner Gnade in unsere Seelen empfangen und nimmermehr von Dir geschieden werden. Amen. —

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