Tradition und Glauben

6. Mai – St. Johannes am Lateran

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Evangelium zum Fest St. Johannes am Lateran

Mt 20, 20 – 23

Da trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm, vor ihm niederfallend, und ihn um etwas bittend. Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie antwortete ihm: Sprich, daß diese meine zwei Söhne in deinem Reiche, einer zu deiner Rechten, und der andere zu deiner Linken, sitzen sollen!

Jesus antwortete, und sprach: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet. Könnet ihr den Kelch trinken, welchen ich trinken werde? Sie sprachen zu ihm: Wir können es.

Da sprach er zu ihnen: Meinen Kelch zwar werdet ihr trinken; das Sitzen aber zu meiner Rechten oder Linken steht nicht bei mir euch zu geben, sondern denen, welchen es bereitet ist von meinem Vater.

Predigtext des Kirchenvaters
4. Lesung:
Aus dem Buche des heiligen Priesters Hieronymus gegen Jovinian. Der Apostel Johannes, einer von den Jüngern des Herrn, der als der jüngste unter den Aposteln gilt, und der, als er sich Christo hingab, jungfräulich war, ist jungfräulich geblieben; und deshalb wird er mehr vom Herrn geliebt und ruht an seiner Brust. Und was Petrus, der eine Gattin gehabt hatte, nicht zu fragen wagt, um das bittet er ihn zu fragen; und nach der Auferstehung laufen auf die von Maria Magdalena erhaltene Kunde, daß der Herr auferstanden sei, beide zum Grabe, aber er kam jenem zuvor; und als sie im Schiffe waren, um im See Genesareth zu fischen, stand Jesus am Gestade und es wußten die Apostel nicht, wen sie sahen; er allen als Jungfräulicher erkannte den Jungfräulichen, und er sagt dem Petrus: „Es ist der Herr.“

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

5. Lesung:

Johannes war aber sowohl Apostel als auch Evangelist und Prophet; Apostel, weil er an die Kirchen als Lehrer schrieb, Evangelist, weil er ein Evangelium verfaßte, was mit Ausnahme von Matthäus die anderen von den zwölf Aposteln nicht taten; Prophet, weil er auf der Insel Patmos, auf die er von Kaiser Domitian wegen des Zeugnisses für den Herrn verbannt worden war, die Offenbarung erhielt, die unzählige Geheimnisse über die Zukunft enthält. Es berichtet aber Tertullian, daß er in Rom in ein Faß mit siedendem Öl hineingeworfen, frischer und rüstiger herauskam, als er hineinstieg.

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V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

6. Lesung:

Aber auch sein Evangelium unterscheidet sich sehr von den übrigen. Matthäus fängt an zu schreiben wie von einem Menschen: Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams, Lukas vom Priestertum des Zacharias; Markus von der Weissagung des Malachias und des Isaias. Der erster hat das Antlitz eines Menschen wegen des Stammbaumes, der zweite das Gesicht eines Rindes wegen des Priestertums, der dritte das Gesicht eines Löwen wegen der Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg für den Herrn, macht gerade die Pfade für ihn. Unser Johannes aber erhebt sich wie ein Adler zu Höhe und dringt bis zum Vater selbst vor, indem er sagt: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ 

Auslegung des Evangeliums

7. Lesung:

Auslegung vom heiligen Priester Hieronymus. Woher hat wohl die Mutter der Söhne des Zebedäus den Gedanken an das Königtum, dass sie bei den Worten des Herrn: „Der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden, und die werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Leiden übergeben zur Beschimpfung und Geißelung und Kreuzigung“ und bei der Ankündigung des leidvollen Todes an die furchtsamen Jünger, die Herrlichkeit von Triumphierenden erbittet? Aus dem Grunde, glaube ich, dass der Herr nach alledem sagte: Und am dritten Tag wird er wieder auferstehen; die Frau glaubte, dass er nach der Auferstehung gleich die Königsherrschaft antreten und dass das, was für die zweite Ankunft verheißen wird, bei der ersten vollzogen werden soll; und so verlangt sie danach, mit weiblicher Gierigkeit hängt sie am Gegenwärtigen, ohne an die Zukunft zu denken.

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8. Lesung:

Die Mutter bittet, und der Herr redet die Jünger an, da er wusste, dass deren Bitten aus dem Verlangen der Söhne kamen: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?“ Unter dem Kelch verstehen wir in der Heiligen Schrift den leidensvollen Tod gemäß dem Worte: „Vater, wenn das möglich ist, lass doch diesen Kelch an mir vorüber gehen.“ Und im Psalm heißt es: Was soll ich bieten dir, oh Herr, für alles das, was du mir hast geboten? Den Segenskelch will ich ergreifen und die Majestät des Herrn preisen.“ Und gleich fügt er hinzu, was dieser Kelch bedeutet: „Gar teuer wird’s bei dir, Herr, eingeschätzt, wenn deine Diener sterben sollen.“

9. Lesung:

Es entsteht die Frage, in welcher Weise die Söhne des Zebedäus, nämlich Jakobus und Johannes, den Kelch des Martyriums tranken, da die Schrift nur vom Apostel Jakobus berichtet, dass er vor Herodes hingerichtet worden sei, von Johannes aber, dass er auf natürliche Weise das Leben beschlossen hatte. Aber wenn wir die Kirchengeschichte lesen, in der berichtet wird, dass auch er wegen des Zeugnisses für den Glauben in ein Fass mit siedendem Öl geworfen wurde und von da als Kämpfer für Christus zu Empfangnahme der Krone herausstieg und gleich nach der Insel Patmos verbannt wurde, werden wir sehen, dass ihm der Mut zum Martyrium nicht gefehlt, und dass Johannes den Kelch des Eintretens für den Glauben getrunken hat, den auch die drei Jünglinge im Feuerofen getrunken haben, obwohl der Verfolger ihr Blut nicht vergossen hat.

Kirchengebet

Gott, der Du siehst, dass uns von überall her unsere böse Taten beunruhigen, gib, so bitten wir Dich, dass uns des seligen Johannes Apostels und Evangelisten glorreiche Fürsprache beschützt, durch Christus. Amen.

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Quelle: Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Teil II, S. 817 f.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

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