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Bischof Rob Mutsaerts: Eine Korrektur [zu Traditionis Custodes] wäre wünschenswert

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Und hier wieder eine katholische Stimme aus dem nicht katholischen Holland, einem Land, was vor Vat. II die meisten Missionare innerhalb der Kirche stellte und leider als erstes mit den „Reformen“, ja schon in den 1950-gern angefangen nicht den bisherigen Katechismus zu lehren, sondern eine lose Blattsammlung zu verbreiten. Dann kam der berüchtigte Holländische Katechismus und dann das Ende. Warum denn katholische Ansichten bei einem niederländischen Bischof? Weil die Gnade Gottes wirklich überall wirkt, weil man in Holland wirklich nichts mehr zu verlieren hat, weil man dort endlich nicht von der Kirchensteuer lebt, wie im deutschen Kirchensteuerparadies. Man ist auf Spenden der praktizierenden Katholiken angewiesen, die ja bei der Alten Messe zahlreicher und vielleicht auch spendenfreudiger sind. In solch einem kleinen Land, was die Anzahl der praktizierenden Katholiken anbelangt, ist es wirklich einfach zu sehen, woher die Gläubigen kommen und wo sie wegbleiben.

Eine Korrektur wäre wünschenswert

Sie können einen Konflikt oder eine Spannung auf zwei Arten lösen: durch Dialog und indem Sie eine der beiden Parteien zum Schweigen bringen. Papst Benedikt wählte das erste (Summorum Pontificum), das zu einem friedlichen Nebeneinander der traditionellen Messe neben dem Novus Ordo führte. Papst Franziskus hat sich für die zweite Option entschieden, die zum Ende des friedlichen Zusammenlebens führt (die alte Messe wird beendet), aber es scheint auch nicht das Ende des Konflikts zu sein. (Ich glaube übrigens, dass es überhaupt keinen Konflikt gab; die beiden Formen der lateinischen Liturgie können gut nebeneinander existieren.)

Was ist eigentlich der Fall? Der Papst bringt die Kirche durch sein Motu proprio in ein großes Dilemma. Schließlich steht die lateinische Messe (der Franziskus ein Ende machen will) in einer organischen Kontinuität von Jahrhunderten. Benedikt war da ganz klar: Was früher heilig war, kann nicht mehr plötzlich nicht mehr heilig sein. Dies ist das Leitmotiv seines Summorum Pontificum. Sein Ausgangspunkt war nicht, dee Piusbruderschaft zu gefallen oder die Gläubigen, die eine Vorliebe für die Alte Messe in der römisch-katholischen Kirche hatten, zu behalten, sondern das liturgische Erbe der Kirche zu bewahren. Tatsächlich bezieht die Liturgie ihre Legitimität aus der Kontinuität ihrer Tradition. Der lateinische Ordo [Missae, also die Messordnung Red.] kann auf mehr als achtzehn Jahrhunderte Geschichte zurückblicken. Es ist, wie Papst Benedikt sagte: „Ein Ritus, der jahrhundertelang als Weg zur Heiligkeit galt, kann nicht plötzlich als Gefahr angesehen werden, besonders wenn der darin zum Ausdruck gebrachte Glaube noch gültig ist.“

Der Novus Ordo hat eine knapp fünfzigjährige Geschichte. Außerdem wurde sie von Bugnini et al. hastig zusammengestellt. Die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils (Sacrosanctum Concilium) zeigen auch in keiner Weise, dass die Absicht bestand, die traditionelle Messe aufzugeben.

Benedikt war es durch Summorum Pontificum gelungen, die Neue Messe trotz fehlender Kontinuität der Tradition zu retten und damit beide Messbücher aufrechtzuerhalten [der Bischof meint wohl, dass das neue Missale eine Rechtfertigung braucht, nicht das alte]. Doch Papst Franziskus hat nun (Traditionis Custodes) auf die Zeit vor dem Summorum Pontificum zurückgegriffen und dem friedlichen Zusammenleben beider Ordos ein Ende gesetzt und nur noch einen Ordo übriggelassen, der mit seinen tiefgreifenden Veränderungen eher einen Bruch mit der liturgischen Tradition als eine Kontinuität darstellt.

Bleibt die große Frage: Warum? Es dient in keiner Weise der Einheit, ganz im Gegenteil. Bischöfe wissen nicht, was sie tun sollen. Sie stehen nun vor einem teuflischen Dilemma: Bin ich ein Hüter der Tradition? Oder gehorche ich dem Papst und zerstöre damit die Tradition? Jüngste Berichte   deuten darauf hin, dass Bischöfe großzügig sind, was tatsächlich gegen das Motu proprio verstößt, aber dies ist ein Disziplinardokument und kein doktrinäres Dokument, das es Bischöfen ermöglicht, Dispens zu erteilen, wenn sie dies für das geistliche Wohl förderlich erachten (Kanon 87 des Kirchenrechts).

Es wäre wünschenswert, wenn eine Korrektur der Traditionis Custodes angesichts ihrer Mehrdeutigkeiten und Widersprüche erfolgen würde. Dies ist bereits im allerersten Artikel des Motu proprio der Fall, in dem der Papst die These aufstellt, dass es nur eine Form (»den einzigen Ausdruck«) der lex orandi des römischen Ritus gibt. Das ist seltsam, wenn man bedenkt, dass Papst Franziskus vor nicht allzu langer Zeit selbst das Messbuch „Divine Worship“ (als Zugeständnis an den Beitritt der Anglikaner zur RC-Kirche) gefördert hat, das damit auch Teil des römischen Ritus ist. Ist das nun auch implizit abgeschafft worden? Darüber hinaus hat der Papst im vergangenen Jahr eine Reihe neuer Präfationen für die Alte Messe genehmigt und damit bestätigt, dass die Alte Messe zum römischen Ritus gehört.

Es bleibt ein merkwürdiges Phänomen: ein Papst, der einigen seiner eigenen Gläubigen den Krieg erklärt. Im selben Monat, in dem Papst Franziskus die Regenbogenliturgie von James Martin in den Himmel lobt, will er die Messe loswerden, die seit Jahrhunderten Ausdruck des katholischen Glaubens ist. Vielleicht mag er keine großen Familien („die müssen sich nicht wie Kaninchen vermehren“), vielleicht mag er keine priesterlichen Berufungen, noch mag er volle Kirchen (was die leeren Regenbogenkirchen noch leerer aussehen lässt als sie ohnehin schon sind :).

+Rob Mutsaerts

Quelle

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