Tradition und Glauben

Brief der 45 – Amoris Laetitia eine theologische Kritik (1) Autorität von AL.

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Die Apostolische Exhortation Amoris laetitia: eine theologische Kritik

Die apostolische Exhortation Amoris laetitia, von Papst Franziskus am 19.März 2016 veröffentlicht und an Bischöfe, Priester, Diakone, geweihte Personen, verheiratete Christen und alle gläubigen Laien gerichtet, hat vielen Katholiken Leid und Verwirrung gebracht aufgrund ihrer offensichtlichen Nichtübereinstimmung mit einer Anzahl von Lehren der Katholischen Kirche über Glauben und Moral. Diese Situation stellt eine ernsthafte Gefahr für die Seelen dar. Denn, wie der Heilige Thomas Aquinas lehrt, Untergebene sind verpflichtet, ihre Oberen öffentlich zu korrigieren, wenn es eine drohende Gefahr für den Glauben gibt (Summa Theologiae, IIa IIae q. 33 a. 4 ad 2; a. 7 co.), und die katholischen Gläubigen haben das Recht und zuweilen die Pflicht, in Übereinstimmung mit ihrem Wissen, ihrer Kompetenz und Position, ihre Ansichten über Angelegenheit öffentlich zu machen, welche das Gut der Kirche betreffen (Kodex der Kirchenrechts, Kan. 212, §3), [und] katholische Theologen haben die strenge Verpflichtung, gegen die offensichtlichen Fehler im Dokument zu sprechen. Diese Stellungnahme zu Amoris laetitia ist dazu gedacht, diese Pflicht zu erfüllen und die Hierarchie der Kirche zu unterstützen, diese Situation anzusprechen.

Die Autorität von Amoris laetitia

Der offizielle Charakter von Amoris laetitia versetzt diese Schrift in die Lage, eine große Gefahr für den Glauben und der Moral der Katholiken darzustellen. Obwohl eine apostolische Exhortation sich normalerweise oder prinzipiell auf die rein pastorale Amtsgewalt [der Kirche] bezieht, so bezieht sie sich nichtsdestoweniger – wegen der Verbindung der [kirchlichen] Lehr- und Regierungsgewalt indirekt auch auf das Magisterium [d.h. sie ist ein Akt des Lehramtes]. Eine Exhortation kann daher auch ausdrücklich lehramtliche Passagen enthalten, die dann klar als solche gekennzeichnet sind. Dies war der Fall bei vorausgehenden Apostolischen Exhortationen, wie z. B. Evangelii nuntiandi, Familiaris consortio, und Reconciliatio et paenitentia.

Es besteht an sich kein Hindernis für den Papst, eine Apostolische Exhortation zu nutzen, um unfehlbar über Glaube und Moral zu lehren, aber es gibt keine unfehlbare Lehre in  Amoris laetitia, da keine ihrer Sätzen die strengen Anforderungen für eine unfehlbare Definition erfüllen. Sie ist somit eine nicht-unfehlbare Ausübung des päpstlichen Lehramtes.

Einige Kommentatoren haben behauptet, dass das Dokument keine lehramtlichen Lehren als solche enthält, sondern nur persönliche Reflexionen des Papstes über die Themen, welche AL anspricht. Diese Behauptung – wenn sie dann wahr wäre – würde die Gefahr für Glaube und Moral nicht beseitigen, welche dieses Dokument darstellt. Wenn der Papst in einem lehramtlichen Schreiben eine persönliche Meinung ausdrückt, stellt sich diese fragliche ausgedrückte Meinung implizit dar als etwas, das für Katholiken rechtmäßig zu glauben ist. Als Schlussfolgerung werden viele Katholiken dazu kommen zu glauben, dass die [private] Meinung [des Papstes in einer Exhortation ausgedrückt] tatsächlich vereinbar mit katholischem Glauben und katholischer Moral ist. Einige Katholiken werden aus Respekt für ein Urteil, das vom Papst ausgesprochen wurde dazu kommen zu glauben, dass diese [päpstliche] Meinung nicht nur zulässig, sondern auch wahr sei. Wenn die in Frage stehende Meinung tatsächlich nicht mit dem katholischen Glauben oder der katholischen Moral vereinbar ist, so werden diese Katholiken folglich den Glauben und die Morallehre der katholischen Kirche zurückweisen, wie es zu dieser [päpstlichen] Meinung passt. Wenn die [päpstliche] Meinung Fragen der Moral betrifft, wird das praktische Ergebnis für die Taten der Katholiken dieselbe sein, als ob sie meinen würden, dass die [päpstliche] Meinung rechtmäßig oder tatsächlich wahr sei. Eine [päpstliche] Meinung zu Fragen der Moral, welche wahrheitsgemäß ein Papst rechtmäßig halten kann, ist dergestalt, dass es für Katholiken rechtmäßig ist, [dieser päpstlichen Meinung] zu folgen. Der Glaube an die Rechtmäßigkeit einer moralischen [päpstlichen] Meinung wird auf diese Art und Weise Katholiken dazu führen zu glauben, dass es rechtmäßig sei, so zu handeln, als sei diese [päpstliche] Meinung wahr. Wenn es eine starke Motivation gibt, auf diese Art und Weise zu handeln, wie es bei den hier angesprochenen Fragen für jene der Fall ist, in deren Lebenslagen diese Fragen aktuell sind, [so] werden die meisten Katholiken danach handeln. Dies ist ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung von Amoris laetitia, weil dieses Dokument konkrete moralische Fragen anspricht.

Es ist jedoch nicht der Fall, dass Amoris laetitia dazu gedacht ist, nichts mehr als die persönlichen Ansichten des Papstes auszudrücken. Das Dokument enthält Sätze über die persönlichen Standpunkte des gegenwärtigen Heiligen Vaters, aber solche Statements sind nicht unvereinbar mit den Stellungnahmen, welche von dem Dokument als Lehren der Kirche präsentiert werden. Vieles in dem Dokument enthält geradeheraus assertorische und imperatorische Stellungnahmen, die keinen Bezug auf die persönlichen Ansichten des Heiligen Vaters nehmen und daher die Form lehramtlicher Schreiben haben. Diese Form wird dazu führen, dass Katholiken glauben, dass diese Sätze nicht nur nicht einfach erlaubt sind, sondern Lehren des authentischen Lehramts seien, welche nach religiöser Unterwerfung von Verstand und Wille verlangen; [sie seien] Lehren, denen gegenüber Katholiken nicht nur respektvolles Stillschweigen von innerem Unfrieden begleitet entgegenbringen müssen, sondern tatsächlich eine innere Zustimmung verlangen.[1]

[1] Cf. Lucien Choupin, Valeur des décisions doctrinales et disciplinaires du Saint-Siège, 2nd ed. (Paris: Beauchesne, 1913), pp. 52-55; and A.-M. Aubry, Obéir ou assentir ? De la « soumission religieuse » au magistère simplement authentique, Paris, DDB, collection « Sed Contra », 2015.

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