Tradition und Glauben

Carol Byrne, Die Prozession mit der Osterkerze untergraben (59 von 110)

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Viele Jahrhunderte lang war der Vorgang, die Osterkerze zu entzünden, ein Teil des Vielschichtigkeit von Merkmalen, die der Osternacht ihre einzigartige und erkennbare Identität verliehen. In der uralten Tradition der Kirche wurde dies dadurch erreicht, dass der Diakon in der Prozession einen dreifach verzweigten Kerzenhalter trug, der die Heilige Dreifaltigkeit darstellt.

Ein symbolischer Akt

Als die Prozession der Geistlichen in die Kirche vorrückte, wurden die drei Kerzen nacheinander angezündet, um jede Person der Heiligen Dreifaltigkeit zu ehren. Bei jedem Anzünden der Kerzen sang der Diakon das dreifache Lumen Christi und der Chor antwortete Deo gratias, woraufhin alle die Knie beugten.

Das endgültige Ziel der Prozession war das Presbyterium, in dem die nicht angezündete Osterkerze bereits angebracht war und darauf wartete, dass der Diakon sie von einer der drei Kerzen anzündete. Diese dreigliedrige Symbolik sollte die Gläubigen nachhaltig theologisch beeinflussen. Für diejenigen, die in der dunklen Kirche warteten, war dies ein Höhepunkt, der Höhepunkt, zu dem die Prozession führte.

Es illustrierte auf visuell dramatischste Weise die Lehre, dass es die Heilige Dreifaltigkeit war – symbolisiert durch den dreifach verzweigten Kerzenhalter -, die die Auferstehung bewirkte. Es war eine Aussage ohne Worte, dass Christus sich durch seine eigene göttliche Kraft von den Toten auferweckt hat.

Eliminierung des dreifach verzweigten Kerzenhalters

Die Kommission beseitigte die Zeremonie der dreifachen Kerze mit ihrer trinitarischen Symbolik und ersetzte sie durch eine Prozession, bei der die Laien „aktiv beteiligt“ waren, und ließ, wie wir sehen werden, nur sekundäre, wenn nicht geradezu marginale Verbindungen zur Auferstehung bestehen. In der Praxis bedeutet dies einen Versuch, den liturgischen Ausdruck der Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit zu zensieren oder zum Schweigen zu bringen. Es war ein Muster, das Bugnini nicht nur während der restlichen Reformen der Karwoche, sondern auch bei der Schaffung der Neuen Messe wiederholte.

Der offensichtlichste Effekt der Unterdrückung dieser Symbolik bestand darin, den Eindruck zu erwecken, dass der Glaube an die tatsächliche physische, d.h. körperliche Auferstehung Christi – das größte seiner Wunder als Beweis seiner Göttlichkeit – nicht zu wörtlich genommen werden sollte. Das war die Ansicht Mitte des 20. ten Jahrhunderts der Progressisten, der Nachfolger der frühen Modernisten,[1] denen es gelungen war Zweifel an den großen übernatürlichen Eingriffe Gottes in der Geschichte der Menschheit zu verbreiten.[2] 

 
Wie wir gesehen haben, machte sich ihr Einfluss auf die liturgische Bewegung in den Reformen der Karwoche von Pius XII. bemerkbar.

Wir sind daher berechtigt, die Frage zu stellen: Haben diejenigen Mitglieder der Kommission, die Reformen vorgeschlagen haben, die den Ideen der Neo-Modernisten Rechnung getragen hatten, den integralen [ganzheitlichen] katholischen Glauben? Diese Frage zu stellen, bedeutet sie zu beantworten.

Hier geht es uns jedoch weniger um die vermuteten Absichten der Reformer als um die Reformen selbst und ihre innere Logik. Unser Auftrag ist eine objektive Prüfung bestimmter Aussagen von P. Antonelli im „Memo“ und der Schlussfolgerungen, zu denen sie logisch führen.

Zurück zur Analogie des Orchesters

Wenn wir uns die traditionellen Zeremonien der Osternacht als ein Orchester vorstellen, welches ein klassisches Musikstück spielt, das aus verschiedenen Sätzen besteht, dann können wir sehen, wie viel Schaden die Reformen von 1956 angerichtet haben.

Die Prozession selbst war ein Meisterwerk, bei dem das Anzünden jeder der drei Kerzen [des Kerzenhalters] den Kontrapunkt zu den entsprechenden Genuflectionen bildete, um einen harmonischen Fortschritt in Richtung Crescendo, dem Anzünden der Osterkerze, zu erzeugen. Es war ein passender Höhepunkt der Ehre Gottes, der genau zu dem Zeitpunkt des Exsultets stattfinden sollte, wenn der Text das Anzünden der Kerze erwähnt.[3] 

Zweck der Prozession untergraben


Aber als die Reformer von 1956 die Prozession neu orchestrierten, schnitten sie aus und fügten hinzu, was sie wollten.

Störung der „orchestralen Komplementarität“

Indem sie den dreifach verzweigten Kerzenhalter unterdrückten, störten sie das Gleichgewicht und die Harmonie des „Orchesters“. Die dreigliedrige Kerze hatte als eine Art Kopfmotiv fungiert, das sich selbst als Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit bezeichnete und den Zweck der Prozession zeigte, der darin bestand, die Osterkerze anzuzünden. Als es verschwand, blieben das entsprechende dreifache Lumen Christi und die drei Genuflectionen ohne ihr beabsichtigtes Gegenstück.

Da die Beziehung zwischen jedem Instrument in einem Orchester komplementär ist, hat dies die Kombination der Elemente in der Symphonie grundlegend verändert. Der Effekt war dem Versuch gleich, Mozarts Konzert für Flöte und Harfe, ohne die Flöte zu spielen. Es wäre eine einseitige Schöpfung, ein Denkmal für organisatorisches Versagen, weil der Klang aus dem Gleichgewicht geraten und nicht der ursprünglichen Absicht des Komponisten entsprechen würde.

Es ist zwar unvorstellbar, dass ein Dirigent eine solche Entweihung begeht, aber es stellte sich heraus, dass die Kommission bei der Osternacht mit Bugnini auf dem Podium tatsächlich etwas Ähnliches erreicht hat.

Ein menschenzentrierter Ritus

Was der Zweck der reformierten Prozession in Bezug auf die Auferstehung war, ist unklar. Die Osterkerze wurde angezündet, aber ohne Zeremonie, bevor die Prozession begann – ein vergleichsweise schlechter Empfang für die Tatsache der Auferstehung und ein definitiver Gegen-Höhepunkt zum traditionellen Ritus. Dann wurde sie durch die Kirche getragen, damit jeder, ohne Unterschied von Geistlichen oder Laien, seine eigene Kerze von seiner eigenen Flamme anzünden konnte.

Die neue Zeremonie verlagert den Fokus auf die Menschen

Der gesamte Prozess war nicht nur eine erstaunliche Neuerung im Römischen Ritus, sondern auch eine erhebliche Ablenkung vom Hauptpunkt der Vigil, da er die Aufmerksamkeit von der Zentralität Christi auf das Volk lenkte. Die Osterkerze, die das Licht Christi in die Dunkelheit der Welt bringen sollte, wurde durch die Konstellation von Kerzen in den Händen der Laien überstrahlt, die die Dunkelheit weitaus effektiver beleuchteten.

Dies war jedoch kein Versehen der Kommission. Die neue Regelung wurde von den Reformern absichtlich gewählt, um den folgenden Punkt zu verdeutlichen. Indem die Menschen lediglich eine brennende Kerze in der Hand hielten, wurden sie ermutigt, sich als Träger des Lichts zu betrachten, das sie bei der Taufe erhalten hatten, als ob es seitdem niemals verloren gegangen wäre.

Dies wurde von Fr. Clifford Howell SJ, einem der wichtigsten Befürworter der Reform von 1956, bestätigt. In Bezug auf „alle Geistlichen und Gläubigen“ bei der Vigil erklärte er:

„Ihre Kerzen leuchten jetzt mit der Flamme, die diese Nacht von der Christuskerze empfangen wurde; Ihre Seelen leben mit dem Leben, das Christus in der Taufe erhalten hat.“[4] 

Diese Reform zeigt, dass der theologisch unbegründete Optimismus über die menschliche Natur, der später im Zweiten Vatikanum auftauchte, Mitte der 1950er Jahre in die Liturgie eingetreten war. In all den vorangegangenen Jahrhunderten ihres Bestehens hatte die Kirche die Schwäche der menschlichen Natur, ihre Neigung zur Sünde und ihr ständiges Bedürfnis nach dem Licht weise betont. 

Quelle


[1] Der theologischen Modernisten des späten XIX und des frühen XX Jahrhunderts arbeiteten daran die Heilige Schrift neu zu interpretieren und zu „entmythologisieren“ dadurch, dass sie die Wunder wegerklärten und sich auf innere geistige „Erfahrungen“ statt auf geoffenbarte Wahrheiten zu konzentriert. Folglich waren ihre progressiven Nachfolger in der liturgischen Bewegung entschlossen, den übernatürlichen Inhalt der Liturgie zu unterdrücken und sie so menschenzentriert wie möglich zu gestalten.

[2] Dazu gehörten unter anderem Wunder wie die Menschwerdung, die Auferstehung und die täglichen Handlungen der Transsubstantiation.

[3] Der Text besagt, dass die Kerze „zu Ehren Gottes“ („in honorem Dei“) angezündet wird.

[4] Fr. Clifford Howell, ‘Understanding the Exultet’, The Way, London, 1961, vol. 1, n. 2, p. 100.

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