Tradition und Glauben

Carol Byrne, Ein Komplott zerstörte die Präsanktifikaten-Messe (53 von 110)

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Der spätere Kardinal Ferdinando Giuseppe Antonelli (1896-1993) meinte doch tatsächlich in seinem berüchtigten Memorandum von 1949, dass die Präsanktifikaten-Messe Teile enthielt, die zum Aberglauben führen könnten. Nein, kein Witz. Die Kirche feierte abergläubische Riten und Antonelli musste diesbezüglich Ordnung schaffen. Das Argument war zwar falsch, aber es wurde so formuliert, dass es zumindest diesen Verdacht schürte. Denn aus der Sicht des Rationalismus oder sagen wir es gerade heraus des Atheismus sind doch alle Riten der Kirche Aberglauben.

Wenn, wie Orwell in Politik und englischer Sprache schrieb, die verschleierte Sprache ist darauf ausgelegt, „Lügen glaubwürdig und Mord ehrenwert zu machen“. So enthüllen auch die Euphemismen, mit denen die liturgischen Reformer die Präsanktifikaten – Messe töteten, ihre unethischen Methoden.

Antonelli – ein progressiver Peritus beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Er befürwortete Änderungen der Messe.

Die Liturgiekommission von Pius XII. hatte sich als besonders fruchtbarer Boden für Euphemismen herausgestellt, mit anderen Worten, verbale Handfertigkeiten, um die Reformen in undurchsichtige Sprache zu hüllen, damit die Konsequenzen weniger verheerend klingen.

Wo die progressivistischen Reformer die Kirche von einem alten und ehrwürdigen Ritus trennen wollten, sprachen sie von einer „Vereinfachung“ der Liturgie, indem sie „unnötige Wiederholungen“ und „mittelalterliche Ansammlungen“ beseitigten und von „Wiederherstellung“ ursprünglicher und reinerer Bedeutung [der Liturgie] sprachen.

In diesem Sinne können wir durch. Hwrd. Ferdinando Antonellis verbale Tarnung hindurchsehen, als er erklärte, dass die Reform von Pius XII.

„Die mittelalterlichen Extravaganzen … der sogenannten Präsanktifikaten-Messe auf die strengen und ursprünglichen Linien einer großen Liturgie der allgemeinen Kommunion reduzieren würde“.[1] 

Diese verschlüsselte Sprache hat bei den Mitgliedern der Kommission und ihren Mitarbeitern ein Gefühl der Mitwisserschaft hervorgerufen, bei den Nichtinitiierten jedoch Verwirrung und Besorgnis ausgelöst.

Eine giftige Clique

Als Msgr. Léon Gromier, eine bedeutende Autorität bei dem Zeremoniell der Bischöfe und ein Berater der Kongregation der Riten, erklärte, dass die Präsanktifikaten-Messe ein „Opfer einer Verschwörung“ geworden sei. Er wurde sofort höhnisch gelacht und seine Kritik als jeder ernsthaften Überlegung unwürdig abgetan.[2] Er wurde öffentlich verspottet und sein Ruf wurde ruiniert, aber später stellte es sich heraus, dass er recht hatte.

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Die von Pius XII. 1948 eingerichtete liturgische Kommission war nur mit einem halben Dutzend handverlesener Reformer unter der Leitung von Pater Dr. Annibale Bugnini besetzt. Sie arbeiteten unter strengster Geheimhaltung mit dem Auftrag, die Grundlagen für eine Reform der gesamten Liturgie der Kirche zu schaffen. Ihre Beratungen wurden 1949 von der Kongregation der Riten als internes „Memo“ privat gedruckt und unter einigen ausgewählten Mitarbeitern von Bugnini verteilt, wodurch ihre Pläne vor dem Rest der Kirche verborgen wurden.

Es ist bemerkenswert, dass P. Antonelli, der das Dekret zur Einführung des 1969 Novus Ordo unterzeichnen würde, auch dasauch das „Memo“ unterzeichnete. Er räumte jedoch ein, dass diese hauptsächlich die Arbeit seines Kollegen – Joseph Löwe – in der Kongregation der Riten war. Und aus diesem „Memo“, das erst 2003 für den allgemeinen Gebrauch veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Messe der Präsanktifikaten ganz oben der Tagesordnung [der Reformer] stand und sozusagen in der Todeszelle auf ihre bevorstehende Hinrichtung wartete.


Die Grenzen der Ethik überschreiten

Eine Untersuchung der Rolle, die das „Memo“ in der Karfreitagsreform spielte, zeigt, dass die Präsanktifikaten-Messe der Vorheiligen das Äquivalent eines Schauprozesses erhielt, sie wurde verurteilt und unverzüglich aus der Liturgie der Kirche vertrieben.

In Teilen Europas würden sich die Gläubigen „zum Altare kriechen“, um den am Karfreitag gekreuzigten Christus zu verehren

In Teilen Europas würden sich die Gläubigen „zum Altare kriechen“, um den am Karfreitag gekreuzigten Christus zu verehren

Fr. Antonelli erwähnte im „Memo“ von 1948 ein historisches Detail über die Präsanktifikaten-Messe – den Teil nämlich, in dem der Priester, ohne Worte auszusprechen, einen Teil der vorgeweihten Hostie in einen Kelch mit nicht geweihtem Wein legt. Fr. Antonelli verwendet es, um eine Verbindung [Präsanktifikaten-Messe] mit dem Aberglauben anzudeuten. Er erklärte, dass diese Praxis im frühen Mittelalter zu einer Zeit eingeführt wurde, als einige Leute glaubten, dass der Wein im Kelch nur durch Kontakt mit der Hostie geweiht wurde. Im gleichen Atemzug fügte er hinzu:

„Als die Eucharistie besser studiert worden war, wurde klar, dass dieser Glaube unbegründet war, aber der Ritus blieb.“[3] 

Ein allzu durchsichtiger Vorwand

Lesen wir das noch einmal durch, um die vollen Auswirkungen [dieser Aussage] zu genießen. Was er effektiv sagte, war, dass einer der ältesten Riten der katholischen Kirche – einer, der von Papst Pius V. heiliggesprochen wurde – keinen Respekt und keine Einhaltung verdient, weil er mit Häresie und Aberglauben behaftet war.

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Die schwarz gekleideten Priester für die Präsanktifikaten-Messe, die von Pius XII. abgeschafft wurde

Das ist sicherlich Chuzpe im großen Stil: Es war eine Anklage gegen das Prinzip lex orandi lex credendi, auf das sich die gesamte Liturgie der Kirche stützt. Es ist nicht einmal ein intellektuell respektables Argument, da es auch dem gesunden Menschenverstand, der Logik und einem katholischen Sensus Fidei widerspricht.

Glücklicherweise gab uns Michel Andrieu eine objektive und daher zuverlässigere Studie[4] über die Verwendung von nicht geweihtem Wein im Ritus der Präsanktifikaten heraus, welche die Mängel in Antonellis These aufdeckt. Aus dieser Studie geht folgendes hervor:

  • Diese Verwendung im Römischen Ritus war viel älter als die Theorie der Wandlung durch Berührung, so dass sie nicht aus der Letzteren entstanden sein konnte, wie Antonelli behauptete;
  • Die Theorie [Wandlung durch Berührung] selbst war die Idee eines engen Kreises von Liturgikern und spekulativen Theologen;
  • Sie wurde bei weitem durch offizielle, orthodoxe Lehren und Praktiken aufgewogen, die den Glauben der Gläubigen leiteten;
  • Sie war nie ernsthaft genug, um in der Kirche Wellen zu schlagen.
  • Diese Kontroverse [ob die Wandlung durch Berührung möglich ist] ist vor so vielen Jahrhunderten verloschen, dass die Informationen von Antonelli für das Thema Karfreitag nicht mehr relevant sind.

Warum also das Thema 1948 ansprechen?

Ein Novus Ordo dramatisierte „Nachmittagsliturgie der Passion und des Todes des Herrn“

Alle diese Punkte zeigen, dass Antonelli lediglich die Macht der Suggestion nutzte, um seinen Mangel an soliden Beweisen zu kompensieren. Wir können daraus schließen, dass seine Äußerungen auf Anspielungen beruhten, um Überlegungen, Zweifel und Bedenken hinsichtlich der Echtheit des Präsanktifikaten-Ritus zu äußern und die Leser zu dem Schluss zu führen, dass er abergläubisch war. Dies geschah durch eine geschickte Wortwahl, die diese Schlussfolgerung implizit nahe legt, aber nicht bestätigt. Trotzdem muss eine Aussage keinen direkten Angriff ausführen, um einen guten Ruf zu ruinieren – eine diffamierende Implikation oder Anspielung kann sogar noch gefährlicher sein, da die zugrunde liegende Botschaft entwaffnend ins Unterbewusstsein gelangt. Das wichtige Problem ist der Eindruck, den diese Aussage bei den Lesern wahrscheinlich hinterlassen wird.

Als Pius XII. 1949 eine Kopie des „Memos“ überreicht wurde,[5] fragt man sich, ob auch er und die sprechenden Köpfe (talking heads) der liturgischen Bewegung von der Propaganda [des Memos] beeinflusst wurde, die von den Betroffenen durch glaubwürdig klingende Argumentation vertreten wurde. Tragischerweise für die Kirche war es diese falsche und böswillige Anspielung, die von Antonelli angezettelt wurde, die zur liturgischen Reformbewegung durchdrang und zum Untergang der Präsanktifikaten-Messe führte.

Quelle 


[1]A cinquant’anni dalla riforma liturgica della Settimana Santa’ (Fifty years after the Liturgical Reform of Holy Week), in Ephemerides liturgicae, CXX, 2006, n. 3, July-September, p. 315.

[2] Msgr. Gromier kritisierte die Reform in einem Vortrag von 1960 in Paris, wonach er gnadenlos verspottet und verleumdet wurde. Er war einem blasigen Angriff voller persönlicher Angriffe durch Pater Dr. Louis Bouyer, der ihn unter anderem als „sabbernden“ und „zwielichtigen alten Kanoniker“ darstellte, der von alten Rubriken besessen war. Siehe La Maison-Dieu, n. 62, 1960, p. 152. Gromier lebte den Rest seines Lebens unter einer Wolke der Ausgrenzung durch den Vatikan.

[3] Ferdinando Antonelli in Carlo Braga, ed., La Riforma Liturgica di Pio XII: Documenti, vol. I – La Memoria sulla Riforma Liturgica, 1948, Rome: Edizioni Liturgiche, 2003, p. 65.

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[4] Michel Andrieu verfasste eine Reihe von Artikeln mit dem Titel „Immixtio et consecratio“, die zwischen 1922 und 1924 in der Revue des Sciences Religieuses veröffentlicht wurden. Sie basierten auf der gründlichsten und akribischsten historischen Forschung aus Primärquellen.

[5] Fr. Antonelli schrieb in sein Tagebuch vom 22. Juli 1949, dass das „Memo“ Pius XII. von Kard Micara überreicht wurde und dass er (Antonelli) bei dieser Gelegenheit anwesend war. Apud Nicola Giampietro, El Kardinal Ferdinando Antonelli und die Reforma Liturgica, Ediciones Cristiandad, 2005, p. 42, Anmerkung 30.

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